Mittwoch, 9. August 2017

Rezension: Sherlock Holmes (Sir Arthur Conan Doyle)

Bantam Classic
Taschenbuch, 1858 Seiten
ISBN: 978-0-553-328257
9,49 € (Stand: 09. August 2017)

Ein kurzer Einblick

Über den wohl bekanntesten Detektiv der Literaturgeschichte muss man nicht mehr viel erzählen, seit vielen Jahrzehnten begeistern die Geschichten rund um Sherlock Holmes und seinen Gehilfen Dr. John Watson unzählige Leser und wie oft diese Erzählungen bereits verfilmt wurden, lässt es kaum noch zählen. Dieser Doppelband beinhaltet nun alle vier Romane und 56 Erzählungen zum Detektiv aus der Baker Street, von den ersten Romanen „A Study in Scarlet“ und „The Sign of Four“ über zahlreiche bekannte Kurzgeschichten wie „The Five Orange Pips“, „The Adventure of the Speckled Band“, „The Final Problem“ bis hin zum Klassiker „The Hound of the Baskervilles“, die den Leser zurück ins viktorianische England versetzen.

Bewertung

Ich kenne bereits einige Sherlock Holmes-Verfilmungen, nicht zuletzt die aktuelle BBC-Serie „Sherlock“, sowie einige Kurzgeschichten, doch das Gesamtwerk zum Detektiv aus der Baker Street zu lesen, reizte mich schon lange. Da kam mir diese Ausgabe bestehend aus zwei Bänden gerade recht, die, soweit ich das sehen konnte, die Geschichten chronologisch nach Veröffentlichung aufreiht. Beide Bände beinhalten dabei jeweils zwei Romane und danach folgend zahlreiche Kurzgeschichten. Neben den verschiedenen Kriminalfällen, die Holmes und Watson über die Jahre lösen, erlebt man so auch deren Weiterentwicklung und ihr Verhältnis zueinander hautnah mit, wobei insbesondere das Zusammenspiel zwischen beiden die Geschichten so lesenswert macht. Zugleich kann man an zahlreichen Fällen mitknobeln, wenn auch die Spannung mit der Zeit etwas auf der Strecke bleibt, da einige Abläufe oder Täter doch vorhersehbar sind. Viele Geschichten hätte ich mir fesselnder gewünscht. Oftmals kommt Holmes recht schnell zur Aufklärung, die zu oft zu leicht und simple wirkt, wobei sich einige Fälle auch noch ähneln. Zudem sind die meisten Täter sehr redebedürftig und erzählen ihre komplette Geschichte, was unrealistisch wirkt. Mit der Zeit liest man nicht mehr mit so viel Freude wie zu Beginn (die ersten beiden Romane sind wirklich gut) und wünscht sich doch einmal etwas mehr Action und Spannung. Insgesamt überzeugten mich die vier Romane deutlich mehr als einige Erzählungen, da diese meist eine komplexere Handlung aufweisen und deutlich mehr zum Miträtseln einladen.
Toll gelingt Doyle aber die Darstellung des viktorianischen Englands, in das man so richtig eintauchen kann. Man merkt zudem die Größe des damaligen Reiches noch, da viele Geschichten Rückbezüge zu Geschehnissen etwa in Indien und Australien, dann aber auch in die USA haben, auch wenn diese damals natürlich nicht mehr unter britischer Herrschaft standen. Besser gefielen mir jedoch die Geschichten, die im tiefen England spielen, wie etwa auch der Klassiker „The Hound of the Baskervilles“ mit seinen Mooren. Die Entwicklungen im damaligen Großreich finden immer wieder Platz in den zahlreichen Geschichten, was ihnen noch einen spannenden historischen Touch gibt. Doch vor allem die Fälle im verregneten, finsteren London begeisterten mich am meisten, lernt man doch zahlreiche Ecken dieser interessanten Stadt näher kennen, die auf mich immer eine ganz eigene Atmosphäre ausübt, die auch die Geschichten von Doyle transportieren.
Auch die Aufmachung dieser doppelbändigen Ausgabe im Schuber gefiel mir wirklich gut, leider fehlen jedoch Illustrationen im Text bzw. vor den einzelnen Geschichten. Beide Bände kann man auch einzeln erwerben, soweit ich weiß, gibt es diese konkrete Ausgabe nicht auf Deutsch. Aber auch auf Englisch kann ich die Geschichten wirklich empfehlen, diese sind recht verständlich geschrieben.

Fazit

Im Nachhinein dachte ich, es wäre vielleicht besser gewesen, nicht alle Geschichten am Stück zu lesen, da man dann die zum Teil ähnliche Aufklärung einzelner Fälle weniger deutlich merkt, doch genauso eignet sich dieses Gesamtwerk zu Sherlock Holmes auch, sich an einem verregneten Wochenende auf der Couch einzumummeln und in spannende Kriminalfälle im viktorianischen England einzutauchen. Nicht alle konnten mich dabei vom Hocker reißen, insgesamt erlebt man aber spannende Stunden mit dem bekanntesten Detektiv der Weltliteratur, die ich jedem wärmstens weiterempfehlen kann!

4 von 5 Punkten

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