Dienstag, 1. August 2017

Rezension: Sauna mit Nachbar (Roope Lipasti)

Heyne Verlag
Paperback, Klappenbroschur, 240 Seiten
ISBN: 978-3-453-42175-2
14,99 €

Ein kurzer Einblick

Nach seinem Erfolgswerk „Ausflug mit Urne“ erschien vor kurzem das nächste Werk aus der Feder von Roope Lipasti. Es erzählt von einem alleinstehenden Geschichtslehrer um die fünfzig, der auf einem Bauernhof in Finnland lebt und sich während der Sommerferien tierisch langweilt. Da plant sein chaotischer Nachbar sein nächstes Projekt: eine Sauna. Als der Geschichtslehrer jedoch bemerkt, dass dessen Frau das Projekt nicht unterstützt, beginnt er es nach und nach zu sabotieren. Als sich der Nachbar schließlich beim Bau verletzt und ins Krankenhaus muss, sieht er seine große Chance gekommen, endlich seine Nachbarin für sich zu gewinnen…

Bewertung

Ich hatte Lipastis „Ausflug mit Urne“ schon mit Freude gelesen und auch sein neues Buch steht diesem in nichts nach. Es hat einen sehr ähnlichen satirischen Humor, der sehr intelligent die gegensätzlichen Leben einfängt, die der Geschichtslehrer, aus dessen Sicht wir die Geschichte erleben, und sein Nachbar führen. Der Geschichtslehrer lebt mittlerweile allein und hat nun in den Sommerferien nicht viel zu tun, außer sein Zuhause penibel sauber und ordentlich zu halten und seinem Nachbarn bei seinen verschiedenen Projekten zuzuschauen. Dieser führt im Gegensatz zum Geschichtslehrer ein ziemlich chaotisches Leben mit Frau und sechs Kindern, die überall herumwuseln. Zudem betätigt er sich gerne als Heimwerker, weshalb sein gesamter Hof mit Baumaterialien voll liegt, doch leider führt er seine verschiedenen Projekte zum Missfallen seiner Frau selten zu Ende. In dieser langen Reihe ist die Sauna mit daneben liegendem Teich nur die nächste fixe Idee.
Um deren Fertigstellung dreht sich im Grunde genommen die gesamte Geschichte. Der Lehrer sieht seinem Nachbarn die meiste Zeit beim Arbeiten zu, ohne ihm zu helfen, während die beiden sich über die Welt, Frauen, Heimwerken usw. unterhalten. Auch dabei treffen ihre unterschiedlichen Ansichten zum Leben aufeinander, insbesondere der Geschichtslehrer wirkt dabei nicht immer sympathisch, da er angepasst und sehr festgefahren in seinen Ansichten ist, es kann immer nur so richtig gehen, wie er es machen würde, die zum Teil unkonventionellen Methoden des Nachbarn belächelt er im Geheimen ständig und macht sich darüber lustig. Dies wird aber wiederum verständlich, wenn man mehr über seinen Hintergrund und den Grund, warum er alleine lebt, erfährt. Gegen Ende erkennt er sogar ein wenig an, dass der Nachbar mit seinen teils abwegigen Ideen nicht immer so falsch lag.
Von diesen zum Teil herrlich bitter lustigen Dialogen zwischen den Nachbarn lebt das ganze Buch, die oftmals voller versteckter Weisheiten über das Leben sind und der Geschichte einen originellen Charakter geben. Die Handlung an sich ist nicht sehr komplex und plätschert ein wenig vor sich hin, bis sie gegen Ende doch noch etwas an Fahrt aufnimmt. Dies mindert das Lesevergnügen aber nicht, durch die intelligenten Dialoge und auch inneren Monologe des Lehrers kommt man immer wieder ins Schmunzeln, aber auch zum Nachdenken über die verschiedenen Möglichkeiten, sein Leben zu führen.

Fazit

Wieder ein gelungenes Werk von Roope Lipasti, das den Leser ins ländliche Finnland entführt und für mehr Toleranz für unterschiedliche Lebensentwürfe wirbt. Es ist skurril, lustig, auch überraschend und sehr bildlich geschrieben, so dass ich es bedenkenlos jedem weiterempfehlen kann. Ich bin jetzt schon gespannt auf das nächste Buch des Autors!

4 von 5 Punkten


Wir danken dem Heyne Verlag für das zur Verfügung gestellte Rezensionsexemplar.

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