Mittwoch, 2. August 2017

Rezension: Rachmaninoffs Geist (M. F. Korn)

Voodoo Press
Taschenbuch, 228 Seiten
ISBN: 978-99957-56-14-7
13,95 €

eBook, 4,99 €
ISBN: 978-99957-56-33-8

Ein kurzer Einblick

Mark Connor rezitiert aus  Verzweiflung aus dem Necronomicon und beschwört den Geist Rachmaninoffs, der ihm die Fähigkeit verleiht wie ein Virtuose Klavier zu spielen. Aus dem mittelmäßigen Studenten wird ein Meister seines Fachs. Mit dem Erfolg kommen der Wahnsinn und die Obsession – und Marks charakterliche Veränderung.

Bewertung

»Rachmaninoffs Geist« besitzt alles, was eine gute Gruselgeschichte benötigt. Einen ehrgeizigen Protagonisten, Geisterbeschwörung, Besessenheit und das Abdriften in den Wahnsinn. Die Komponenten mögen keine Überraschungen bergen, doch erzählt M. F. Korn eine grundsolide Geschichte, die gerade zum Ende von der packenden Atmosphäre profitiert. Ich persönlich bin jedoch erst viel zu spät mit dem Roman warm geworden. Ich schiebe es mal der Erwartungshaltung zu, denn die erste Hälfte des Romans war keineswegs enttäuschend. Was also habe ich erwartet? Eine klassische Horrorgeschichte seichten Grusels, die extrem stark von der Atmosphäre profitiert. Was habe ich bekommen? Einen Studenten, der mit seinem Zimmergenossen Kirby saufen geht und uralte Pornos im Autokino anschaut. Doch genug der persönlichen Meinung, blicken wir etwas objektiver auf den Roman.

Mark Connor brach das Studium zum Ingenieurwesen ab und schrieb sich in der Kleinstadt Hemsdale für Musik, Hauptrichtung Klavier, ein. Er möchte ein namhafter Pianist werden. Sein großes Vorbild ist Sergei Wassiljewitsch Rachmaninoff. Sein Können am Klavier ist, gelinde gesagt, mangelhaft. Sein Lernfortschritt lässt die Professoren zweifeln, ob Mark das richtige Studium gewählt hat. Mark, selbst am Verzweifeln, entdeckt in einer Buchhandlung eine Ausgabe des Necronomicons. Eines Nachts rezitiert er auf einem Friedhof Beschwörungsformeln und befreit den Geist Rachmaninoffs, der Besitz von ihm ergreift. Das Grauen manifestiert sich jedoch weniger in Geistererscheinungen und merkwürdigen Geschehnissen. Der Horror beginnt in einer wahren Euphorie, bevor der begeisterte Mark Connor immer mehr von Obsessionen und Wahnsinn den Verstand verliert. Rachmaninoffs Geist lässt den jungen Studenten wie einen Virtuosen seines Faches das Klavier spielen. Der Erfolg steigt Mark zu Kopf. Charakterlich verändert er sich dramatisch. Er sieht sich bereits auf den Bühnen der Welt die besten Konzerte aller Zeiten geben. Geistig baut er rasend schnell ab. Hier gelingt M. F. Korn das Kunststück, den weiteren Verlauf der Handlung in zwei Lichtern erstrahlen zu lassen. Auf der einen Seite treibt Rachmaninoff Mark in den Wahnsinn, lässt ihn Visionen erleben und sorgt für ein furioses Finale. Auf der anderen Seite sollte man sich die Frage stellen, ob Mark dem wahnsinnigen Erfolg nicht gewachsen war und deswegen seine ganz persönliche Obsession erlebt. Egal, ob der Horror eine wahrhafte Manifestation ist oder nur der Einbildung entspringt, M. F. Korn erzählt in einer dichten Atmosphäre den Werdegang Mark Connors; spannend und erfreulich klassisch.

Fazit

Wahnsinn und Obsession manifestieren sich im jungen Pianisten Mark Connor. M. F. Korn lässt den Leser eine klassische Schauergeschichte erleben, die atmosphärisch dicht erzählt ist. Die Thematik des Pianisten und die damit musikalische Untermalung in der Vorstellungskraft verleihen dem Roman eine außergewöhnliche Note.

3,5 von 5 Punkten

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