Freitag, 7. Juli 2017

Rezension: Pax Romana (Adrian Goldsworthy)

Weidenfeld & Nicolson
Gebundene Ausgabe, 528 Seiten
ISBN: 9780297864288
20,99 € (Stand: 07. Juli 2017)

Ein kurzer Einblick

Der Historiker Adrian Goldsworthy behandelt in seinem Buch Pax Romana, den „Römischen Frieden“, der für über 200 Jahre - von Augustus bis Marc Aurel - inneren Frieden im Römischen Reich steht. Doch entsprach diese propagierte Friedenszeit der Realität im hoch militarisierten Römischen Reich, wie sind Aufstände in den verschiedenen Provinzen zu bewerten und was bedeutete es überhaupt für die Menschen in den eroberten Gebieten, unter Roms Kontrolle zu stehen? Goldsworthy nimmt uns mit auf eine Reise von den blutigen Anfängen der Republik über die sukzessive Weiterentwicklung zu einem Großreich unter Caesar und Augustus bis hin zur stabilen Phase des Prinzipats, das sich durch weitgehenden Frieden und Wohlstand auszeichnete.

Bewertung

Das Buch ist in zwei Hauptteile gegliedert. Nach einer kurzen Einleitung, die bereits sehr interessante Überlegungen zum Thema Krieg und Frieden anstellt, beschäftigt sich der erste Teil mit der Römischen Republik, der zweite schließlich mit dem Prinzipat. Zunächst wird die Entwicklung von Rom vom kleinen Stadtstaat über eine regionale Großmacht in Italien bis hin zu einem kleinen Reich mit den ersten Provinzen dargestellt. Goldsworthy betont dabei auch immer, wie Roms anfängliche kriegerische Ambitionen sehr passend für die damalige Zeit und eben nichts Besonderes waren, bloß ihr immer größerer Erfolg und die Entwicklung hin zu einem Reich waren die Ausnahme. In verschiedenen Unterkapiteln werden zudem etwa die unterschiedlichen Formen, Verbündeter Roms zu sein, dargestellt, die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Rom und anderen Mächten oder die Administration der entstehenden Provinzen, die sich durch einen geringen Personalstab auszeichnete und sich selten in die internen Aspekte der eroberten Gebiete einmischte. Wichtig war in erster Linie nur die Unterstützung der römischen Streitkräfte mit Hilfstruppen. Es folgt im zweiten Hauptteil der blutige Übergang zum Prinzipat von Augustus, der das Reich enorm ausweitete. Ein Unterkapitel diskutiert etwa die Grenzen der Reichserweiterung und deren Gründe, außerdem werden verschiedene Aufstände etwa in Britannien und Germanien untersucht, die Administration der Provinzen erneut, vor allem im Kontrast zur Republikszeit, das Leben unter Roms Kontrolle oder auch die Armeen an den Reichsgrenzen behandelt. Knapp wird auch noch ein Ausblick auf das Ende der Pax Romana gegeben.
Goldsworthy hat dazu unzählige Quellen und Literatur gewälzt, was sich auch im ausführlichen Anhang widerspiegelt. Dieser ist mit einer Zeittafel, einigen Begriffserklärungen, einem umfangreichen Literaturverzeichnis und vielen Belegen für die Unmengen an Quellen, auf die im Text eingegangen wird, ausgestattet. An zwei Stellen im Buch sind zudem einige farbige Abbildungen zu finden. So erhält man durch das Buch einen informativen und spannenden Überblick über Roms kriegerische Handlungen und sein Verhältnis zu den Provinzen, der immer wieder gängige Forschungsmeinungen und unsere Vorstellungen von Krieg und Frieden hinterfragt, wie auch unser Nationaldenken, das man nicht auf die Antike übertragen kann, wie sich etwa durch die Unstimmigkeiten innerhalb der eroberten Gebiete zeigt, die nie geschlossen gegen Rom standen, so dass breit angelegte Aufstände gegen die römische Herrschaft eher eine Ausnahme bildeten.
Teil 1 ist dabei in meinen Augen besser gelungen als der zweite Teil, dies mag aber auch an seiner größeren Übersichtlichkeit hinsichtlich des noch nicht so großen Reiches liegen. Im zweiten Hauptkapitel wurden mir die Informationen jedoch hin und wieder zu konfus. Auch aufgrund der Quellenlage wurden etwa bestimmte Aufstände (wie in Judaea oder in Germanien) sehr ausführlich behandelt, andere Bereiche des Reiches jedoch kaum erwähnt. Da hätte ich mir einen besseren Gesamtüberblick gewünscht. Generell hilft es, wenn man Vorwissen zur Römischen Geschichte aufweisen kann, da die generellen Entwicklungen im Römischen Reich immer nur knapp angerissen werden. Leider fiel auch das Ende sehr kurz aus, da hätte ich mir eine eingehende Darstellung gewünscht.
Eine deutsche Ausgabe des Buches scheint zurzeit noch nicht vorzuliegen.

Fazit

Wer sich für Roms militärischen Aufstieg und die weitgehende Friedenszeit während des Prinzipats interessiert, kann mit diesem Buch nichts falsch machen. Auf dem aktuellen Stand der Forschung wird diese Thematik kenntnisreich und immer kritisch hinterfragend dargestellt, auch jemand, der sich schon lange mit Rom beschäftigt, kann noch viele neue Erkenntnisse gewinnen. Ohne Vorwissen würde ich jedoch erst einmal ein Überblickswerk zur Römischen Geschichte empfehlen.

4 von 5 Punkten

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