Dienstag, 11. Juli 2017

Rezension: Niemand, der mit dir geht

Suhrkamp
Taschenbuch, 362 Seiten
ISBN: 978-3-518-39150-1
12,50 €


Ein kurzer Einblick

Vera Stark hat sich als weiße Südafrikanerin und Anwältin der Schwarzen seit vielen Jahren für ihre Rechte eingesetzt und unter ihnen viele Freundschaften geknüpft. Nach dem Ende der Apartheid zieht sie Bilanz. Trotz der ersten freien Wahlen kann die neue staatliche Ordnung nur mühsam aufrecht erhalten werden. Zudem schwellen die alten gesellschaftlichen Konflikte gepaart mit neuen Auseinandersetzungen wieder an…

Bewertung

Mit „Niemand, der mit mir geht“ hat Nadine Gordimer eine Charakterstudie einer selbstbewussten weißen Anwältin für die Rechte der Schwarzen in Südafrika gezeichnet. Obwohl Vera Stark Zeit ihres Lebens verheiratet ist und so jemanden an ihrer Seite hat, ist sie eine eigenständige Frau. Trotz der beiden Kinder übt sie ihr gesamtes Leben lang ihre Anwältstätigkeit aus. Zwar gibt ihr zweiter Mann, Ben, seine Künstlertätigkeit auf, um die Famile abzusichern, doch dies ist eigentlich nicht nötig. Vera geht ihren eigenen Weg und hat ihren eigenen Kopf. Sie setzt sich mit allem, was sie hat, für die Rechte der Schwarzen ein, hilft in der Zeit der Apartheid Untergetauchten und ist in dem Kampf für die gute Sache furchtlos. Andererseits ist sie aber auch egoistisch, unnahbar für ihre Kinder und somit damit verantwortlich, dass niemand ihr Leben lang mit ihr geht. Als Leser bewundert man Vera dafür, wie sie sich einsetzt und mutig für die Schwarzen in Südafrika kämpft, doch ihr Umgang mit der Familie lässt sie dem Leser nicht wirklich sympathisch werden.
Indem der Leser diese zweispaltige Person über weite Teile ihres Lebens begleitet, lernt er viel über die Apartheid in Südafrika und ihr Ende. Über das schwarze Pärchen Didy und Sally erfährt man, wie die Schwarzen im Untergrund leben mussten und es wird aufgezeigt, welche Machtkämpfe auch unter den Schwarzen nach dem Ende der Apartheid bestanden. Zudem wird an ihnen aber auch der schwierige Übergang zu einem Regierungssystem nach dem Ende der Apartheid aufgezeigt.
Neben diesen eher politischen Eindrücken erfährt der Leser durch Veras Arbeit jedoch auch einiges über den grausamen Umgang der Weißen mit den Schwarzen. Es wird aufgezeigt, mit welchen Schwierigkeiten es für Schwarze verbunden war, ihre Rechte durchzusetzen. Zudem wird man mit gewältigen Auseinandersetzungen konfrontiert. Hier zeigen sich über viele Jahre gewachsene Konfrontationen, doch ebenso stellt der Roman auch die Bedingungen der jüngeren Generation dar. Es wird deutlich, dass trotz dem Ende der Apartheid junge Schwarze nicht so leben können wie junge Weiße und das Zusammenleben von Weißen und Schwarzen keineswegs eine Normalität ist.

Fazit

„Niemand, der mit dir geht“ ist eine Charakterstudie einer starken weißen Frau in Südafrika, die sich mit ihrem mutigen und engagierten Einsatz für die schwarze Bevölkerung von der eigenen Familie distanziert. Mit dieser komplexen Person durchlebt der Leser die Zeiten bis zum Ende der Apartheid in Südafrika und lernt somit einiges über das Land und die schrecklichen Lebensbedingungen der Schwarzen während der Apartheid.

4 von 5 Punkten

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