Montag, 19. Juni 2017

Rezension: Monsterkontrolle. Die Schonzeit für Mutanten ist vorbei! (A. Lee Martinez)

Piper Verlag
eBook, 384 Seiten
ISBN: 978-3-492-96416-6
8,99 €

Ein kurzer Einblick

Yetis im Gefrierschrank, Trolle im Kleiderschrank. Judys Begegnung mit kryptobiologischen Wesen ist eine seltsame Häufung. Monster, ein farbwechselnder Tierfänger und sein Papierpartner Chester, ignorieren die Anhäufung seltsamer Erscheinungen zunächst, jeder Fang bringt schließlich Geld ein. Als aber japanische Oger, feuerspeiende Katzen und aggressive Ziegen ihre Leben bedrohen, müssen sie sich gegen eine äonenalte Zauberin zur Wehr setzen, die im Klinsch mit dem Universum liegt.

Bewertung

A. Lee Martinez macht eigentlich das, was er immer macht: ein ordentliches Spektakel aus Klamauk und Action. Nichts davon ist wirklich gut, nichts davon ist wirklich schlecht. Charakteranalyse und Story sind in wenigen Sätzen prägnant skizziert. Das Einzige, was »Monsterkontrolle« höchst bemerkenswert macht, sind die zahllosen Einfälle und aberwitzigen Fantasyfiguren. Die Kraft der Fantasie ist es, die den Roman am Leben erhält. Das spiegelt sich in allen Bereichen wieder: Figuren, Handlung, Wortwitz. Abseits davon ist der Stil gewöhnlich, der Plot belanglos, die Protagonisten farblos. Stört das? Ja. Tatsächlich? Nicht, wenn man angefangen hat zu lesen. Der Lesefluss reist mit. Egal wie einfallslos die Handlung ist, egal wie stereotyp Charaktere agieren, man möchte wissen, wie die Achterbahnfahrt ausgeht. A. Lee Martinez hat kein Händchen dafür Fantasy zu schreiben, die in 50 Jahren als Klassiker gilt, aber sehr wohl die exzellente Fähigkeit mit schrulligen Ideen zu begeistern.

Es fängt harmlos an: Yetis fressen im Kühlhaus des Supermarkts die Eisvorräte. Nur Vanille mögen sie nicht. Es endet spektakulär: Aberhunderte von Fantasywesen aus Sagen, Fabeln und längst vergessene Wesenheiten zerstören die Stadt. Es hat etwas mit der Zukunft des Universums zu tun, also Maßstäben, die weit über die Wahrnehmung des gewöhnlichen Menschen hinausgehen. Übrigens: nur Muggel nennen Muggel Muggel. Magisch begabte oder jene die Magie wahrnehmen, tun das nicht. Zu ihnen gehört Monster Dionysus. Nein, er ist kein Monster, er heißt Monster. Sein Job ist es kryptobiologische Wesen wie Sphinxen, Trolle oder Yetis zu fangen. Mit jedem Tageswechsel wechselt auch seine Hautfarbe. Blau macht ihn unverwundbar, Gelb nimmt ihm den Geruchssinn, Gold verleiht ihm die Fähigkeit zu fliegen, usw. Seine Freundin ist eine leicht entflammbare Sexdämonin – eigentlich können sie gar nicht so gut miteinander, aber es ist nun einmal Monsters einzige Freundin bisher; besser als keine. Sein Partner heißt Chester, ist ein Papiermann und sein Wesen kommt aus einer anderen Dimension.

Flapsig und unverwechselbar trieft bereits aus dieser doch simplen Ausgangslage die Fantasie. Große Innovationen sind nicht nötig, ein großartiges Spektakel reicht vollkommen aus. Turbulent, sarkastisch, witzig und durchaus auch schwarzhumorig, ist »Monsterkontrolle« ein durchgeknalltes Abenteuer, vielleicht etwas überzogen, aber auch gerade deswegen so hervorragend. Flache Witze sind nicht schlecht, der Humor fliegt tief, die Fantasie erreicht Höhenflüge. All das täuscht über die seichte Handlung hinweg und verlangt gar nicht nach Komplexität. Dinge passieren. Dinge geschehen. Dinge sind. Das trifft auf die Beschreibung und Wertung des Romans zu, das trifft auf Martinez‘ Stil zu. Der Autor erklärt nicht. Dinge müssen hingenommen werden.

Fazit

A. Lee Martinez' Stil ist kontrovers und schwierig einzuordnen. Stellt euch vor, ihr rast eine Wasserrutsche mit kreativen Loopings hinab. Die Rasanz reißt euch mit, zum Verweilen bleibt keine Zeit. Plötzlich ist es vorbei. Ein kurzer Spaß, aber ein gewaltiger. Während der Rutschpartie verlangt es nicht nach Tiefgang und Erklärungen. Hinterher wäre es schon interessant zu erfahren, warum Yetis keine Vanille mögen.

4 von 5 Punkten

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