Montag, 5. Juni 2017

Rezension: Helden aus der Tonne (Frank Schweizer)

Voodoo Press
Taschenbuch, 200 Seiten
ISBN: 978-3902802262
9,95 €

Ein kurzer Einblick

Die Helden aus der Tonne, die Superhelden des Viertels und ihr optagonal teleportierender Superhelden-Azubi, müssen eine Mordserie aufklären. Ihre erste Spur: der Zungenzertrümmerer. Ihre zweite Spur: der Meuchelmeister, halb Mensch, halb Küchengerät.
So ganz nebenbei wird die Frage aller Fragen aufgeklärt: Wann und warum sind die Germanisten eigentlich verrückt geworden?


Bewertung
Hier wie dort gibt sich der Autor hemmungslos Albernheiten, Unmöglichkeiten, Wortspielereien und philosophischen Grundsatzfragen hin - natürlich verdreht und verquer.
Das ist ein Zitat aus meiner Rezension zu »Gott«, das ich, ebenso wie »Grendl«, in spaßiger Erinnerung behalten habe. Umso mehr freute ich mich nun auf »Helden aus der Tonne« und bin einerseits enttäuscht, andererseits begeistert. Enttäuscht deshalb, weil der Roman nicht wirklich packen konnte, die Geschichte sprang in großen Sätzen so vor sich hin. Begeistert deshalb, weil die Fantasie Frank Schweizers Purzelbäume schlägt. So saublöd manche Wortspielereien sind, sind sie gerade deshalb so gut. Stumpf ist Trumpf!

Doch von Anfang an: »Helden aus der Tonne« ist abgedrehte Fantasy mit Humor. »Grendl« und »Gott« vermochten vor allem mit philosophischen Grundsatzfragen zu begeistern, »Helden aus der Tonne« hingegen mit einer Tonne scheppernder Lachmuskeln. Gänzlich untreu wird sich der Autor glücklicherweise nicht, Philosophie und Germanistik spielen eine gewichtige Rolle (aus Spoilergründen sei nicht näher darauf eingegangen), aber Spaß und Klamauk stehen diesmal deutlicher im Rampenlicht. Leider leidet darunter die Geschichte. Sie wird zügig vorangetrieben, sodass Langeweile nicht aufkommen kann, wirkt aber nicht konsistent, eher so, als ob Ideen aneinandergetackert wurden und keine homogene Einheit bilden. Viel zu sehr konzentriert sich Frank Schweizer auf Wortspielereien, Blödelei und Aberwitz.

»Helden aus der Tonne« wird dem Titel gerecht. Das Hauptquartier der Superhelden befindet sich einem lautlos fahrenden Müllwagen. Wie betritt man dieses? Natürlich in dem man in einer Mülltonne hockt und – ähem – eingeladen wird. Unsichtbar, geheim und total unauffällig! Superhelden-Azubi und Superhelden jagen Superschurken. Super-duper. Hier kämpfen keine Marvel-Helden gegen galaktische Bösewichte, sondern Nieten gegen Loser. Auf der Seite der Guten: Captain Cogito (Wovon eigentlich Captain?), Mann Teufel (Zuckerverschmelzung aus Teufel und Familienvater), Rhinozeros (wobei das Horn auf der Stirn positioniert ist), Doppelhirn (mindestens doppelte Denkleistung durch gespaltenes Gehirn), Roter Frühstart (immer zu früh am Ziel; der Suppenteller auf dem Kopf sieht übrigens dämlich aus), Deadly Stiplick (sexy und tödlich). Auf der Seite der Bösen u.a.: Backenkneifer, Meuchelmörder, Zungenzertrümmerer. Ulkig, oder? Dann seid mal gespannt, was Herr Schweizer an Wort- und Satzkonstruktionen entwirft, wenn die Helden in actiongeladene Gefechte verwickelt sind.

PS: Anekdote an Leser, die bereits »Gott« kennengelernt haben: Waltharius und Enlil haben Cameo-Auftritte.
PPS: Pink Pudel ist in der Reha und konnte leider nicht am Abenteuer teilnehmen.

Fazit

»Helden aus der Tonne« hat Schwierigkeiten eine durchgestylte Geschichte zu erzählen, übertüncht das Problem aber mit Brot und Spielen, Spaß und Klamauk, Aberwitz und Skurrilitäten. Wenn Frank Schweizer eines versteht, dann sind es Wortspielereien und eine Fantasie, die eine Mülldeponie in ein Schlaraffenland verwandelt. Hut ab, chapeau!

3 von 5 Punkten

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