Montag, 1. Mai 2017

Rezension: Websters Pandämonium (Christian von Aster)

Medusenblut
Paperback, 141 Seiten
ISBN: 3-935901-03-8
10,00 €

Ein kurzer Einblick

In den Kellern des Antiquitätengeschäftes Websters Pandämonium, schlummern Erzählungen, die besser in der Dunkelheit verborgen blieben. Die freundliche Natur Websters (Hört das schauerliche Lachen des Teufels!) Und seine Laterne entreißen das alte Pergament der Finsternis. Lauscht den Erzählungen, doch schützt euren Verstand.

Bewertung

Manchmal muss man als Leser zutiefst dankbar sein. Vor allem dann, wenn einem nicht einfach nur ein Kurzgeschichtenband vor die Nase gesetzt wird und die Geschichten der Reihenfolge nach abgehakt werden. Egal wie hervorragend die Qualität derartiger Bände ist, ist es doch eine nette Dreingabe, wenn die Stories durch eine Rahmenhandlung zusammengehalten werden. Das gibt dem Kontext der Erzählungen, eine eindringlichere Atmosphäre und verleiht ihnen selbst einen glaubwürdigeren Hintergrund. Es ist nicht mehr nur eine Geschichte, sondern eine Geschichte, die im Kontinuum der Rahmenhandlung real geschehen ist. Kommt also herein in »Websters Pandämonium«, dem Antiquariat, das mehr als nur alte Bücher verkauft. Tretet ein, in die dunklen Keller und entdeckt die wahren Antiquitäten.

Neun Erzählungen des Grausens präsentiert uns Christian von Aster. »Femme fatale« wandelt sich von einer Liebesgeschichte in eine Tragödie; positiv fällt vor allem die überraschende Auflösung auf. »Der Yphritt« lässt durch Mitleid einen grausamen Kreislauf entstehen; absehbar, aber schaudervoll spannend. »Herr Winzewarz« ist kurz und knackig, geheimnisvoll und letztendlich verstörend; ein schauriges Finale einer hervorragend erzählten Geschichte. »Die Geige« ist klassisch gruselig, aber vorhersehbar. »Diaboli Musica« entfesselt die teuflische Musik der Berber in Marrakesch; ein faszinierendes Setting mit einer nordafrikanischen Gottheit. »Eine englische Nachtmusik« verzaubert vor allem durch die Beschreibungen, hält allein dadurch die Spannung, bevor die Geschichte in einen historischen Hintergrund mündet. »Die Spinnenstadt« lässt Schauder auslösen, selbst wenn man keine Spinnenphobie hat; nichts Überraschendes, aber schaurig beklemmend. »Danäus« verquickt Wissenschaft, Aberglaube und die Angst um das eigene Leben zu einer konsequenten Handlung, die nicht total unerwartet, aber anders als man denken könnte, endet. »Der Tote im Morast« ist leider viel zu vorhersehbar, viel zu klassisch aufgebaut, schafft es aber doch, an die Seiten zu fesseln.

Fazit

Alle Kurzgeschichten überzeugen durch einen wohligen Grusel. Christian von Aster gebiert ein paar sehr nette Ideen, die durchaus zahlreicher hätten sein dürfen. Die Rahmenhandlung weiß zu gefallen, verbindet sie doch die Geschichten und verleiht ihnen einen realeren Hintergrund. Phantastik-Freunden sei »Websters Pandämonium« besonders ans Herz gelegt, eine Empfehlung ist dieser Kurzgeschichtenband jedoch allemal.

4 von 5 Punkten

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