Montag, 29. Mai 2017

Rezension: Tripods. Die dreibeinigen Herrscher (John Christopher)

Cross Cult
Hardcover, 800 Seiten
ISBN: 978-3-86425-841-1
39,00 €

Ein kurzer Einblick

Die Tripods haben die Menschen indoktriniert und den technologischen Fortschritt in ein neues Mittelalter katapultiert. Hypnose und aufgezwungene Verhaltenmuster machen die Menschen zu willenlosen Sklaven. Will Parker wiedersetzt sich der gesellschaftlichen Zwangsnorm und schließt sich dem Widerstand an. Die freien Menschen haben ihren Stützpunkt in den weißen Bergen, einem Ort, den die Tripods meiden. Gemeinsam planen sie die Vernichtung der dreibeinigen Herrscher. Ihnen rennt die Zeit davon, denn schon bald soll ein Raumschiff eintreffen, das den Planeten Erde für immer verändern wird.

Bewertung

John Christopher († 3. Februar 2012) ist ein britischer Science-Fiction Autor, der hauptsächlich für die »Tripods. Die dreibeinigen Herrscher«-Romane bekannt ist. In Wahrheit ist John Christopher nämlich nur das Pseudonym für Christopher Samuel Youd. 1967 erschienen die ersten drei Romane »Dreibeinige Monster auf Erdkurs«, »Das Geheimnis der dreibeinigen Monster« und »Der Untergang der dreibeinigen Monster«. 20 Jahre später schrieb der Autor die Vorgeschichte »Die Ankunft der dreibeinigen Monster«. Zeitgleich mit dem Piper Verlag (ISBN: 978-3-492-70349-9) veröffentlichte Cross Cult eine Sammlerausgabe, limitiert auf 1.444 Exemplare und mit 60 stimmigen Schwarzweiß-Illustrationen des Comiczeichners Timo Würz ausgestattet.

Die Handlung ist schnell zusammengefasst: In der Vorgeschichte übernehmen die dreibeinigen Herrscher die Kontrolle über die Menschen mittels Hypnosestrahlen, die über das TV ausgestrahlt werden. In den schweizerischen Bergen formt sich der erste Widerstand gegen die Invasoren. Etwa 100 Jahre später setzt der erste Roman an. Die Menschheit wurde jeglicher Technologie beraubt und lebt in einem neuzeitlichen Mittelalter. Will Parker, sein Cousin Jack und Jean-Paul erfahren vom Wanderer Ozymandias, dass in den weißen Bergen, der Widerstand lebt. Im zweiten Teil infiltrieren Will und der deutsche Junge Fritz die Stadt der Meister, um an wertvolle Informationen zu gelangen. Im dritten Teil rennt ihnen die Zeit davon. Eine Maschine ist zur Erde unterwegs, um das Leben für die Menschen unmöglich zu machen und eine Atmosphäre zu produzieren, in der die Invasoren leben können. Der Widerstand schlägt in einer verzweifelten Maßnahme zurück.

»Tripods« ist eine düstere Zukunftsvision, eine Dystopie, die den technologischen Fortschritt der Menschheit ausradiert. Wir mögen nukleare Waffen haben, wir vermögen Raumschiffe zu bauen – aber keine Technik der Welt vermag gegen Gedankenkontrolle etwas auszurichten. Die Dreibeiner bombardieren die Menschen nicht aus dem All, sie schicken keine Kampftruppen auf die Erde, sie nutzen unsere Schwäche aus und katapultieren uns in ein neues Mittelalter. Individualismus existiert nicht mehr. Im Jugendalter erhalten die Heranwachsenden die Denkkappen von den Tripoden, um jeden aufkeimenden Gedanken zum Widerstand oder Erfindungsreichtum zu unterdrücken. Dienertum und Verehrung der Invasoren prägen das Leben. Die gigantischen Städte der Vorfahren ragen vereinzelt in der Landschaft auf, doch es ist verboten, sie zu betreten. Gleichförmigkeit, Alltagstrott und Verhaltenmuster sind die drei großen Stichworte. Aus der Rolle fallen ist auch kaum möglich, die Denkkappe verhindert es. Diejenigen, die zu rebellisch veranlagt sind, überleben die Weihe nicht. Ihre geistige Gesundheit ist zerstört und fortan ziehen sie als Wanderer durch die Welt, etwas verrückt und keineswegs bei Verstand.

Das alter der Romane ist deutlich zu spüren. Frauen spielen keine wichtige Rolle, die Vorstellung von Technologie oder Science-Fiction ist schon lange überholt. Selbst Star Wars war mit SF-Ideen fortschrittlicher. Die Lösung so vieler Probleme in der Handlung muss belächelt werden oder zumindest ungläubig überlesen werden. Bücher bergen Wissen, aber reicht dies, um mit mittelalterlichen Gerätschaften Flugzeuge zu bauen, die über den Ozean fliegen können? Ist Elektrizität wirklich ein Phänomen, das allein mit einer Formel neu erfunden werden kann auf Basis eines Wissens, das komplett verloren ging? Glücklicherweise schweigt sich der Autor über die genauen Details aus. Überhaupt sollte das Hauptaugenmerk auf gänzlich anderen Eigenschaften liegen, nämlich jenen Eigenschaften, die »Tripods« auch 2017 zu einem Meisterwerk der Science-Fiction machen.

Die Indoktrinierung der Menschheit beginnt schleichend. Die Vernichtung der menschlichen Vielfalt an Ideen, Glauben, Wert- und Moralvorstellungen wird rasend schnell vernichtet. Verhaltensmuster werden implementiert und der Mensch der Individualität beraubt. Die Kinder sind es, die die Welt hinterfragen, Zivilcourage zeigen und gegen Ungerechtigkeit aufbegehren. Natürlich ist »Tripods« ein Jugendroman, in vielen Dingen einfach gehalten und jugendgerecht aufbereitet. Die Thematik aber lässt sich auf so viel mehr Anwenden. Es muss keine Alien-Invasion sein, damit der Mensch erkennt, was er tatsächlich vollbringen kann. Es reicht unser aller Alltag, um Mut zu zeigen, für Freunde da zu sein, das Leben zu genießen. So anstrengend die Reise für Will Parker und seine Freunde ist, so beschwerlich die Vernichtung der Feinde ist, helfen sie sich bei Zweifeln, stärken und unterstützen den anderen und zeigen Freude am Leben. Denn auch das vermittelt der Roman in einer atmosphärisch beschriebenen Welt, die der unseren fremd, aber zugleich unglaublich nah ist. Vielleicht macht auch das die wahre Faszination am Roman aus; nicht die Invasion der Dreibeiner, sondern die Menschlichkeit.

Fazit

»Tripods« ist nunmehr etwa 50 Jahre alt und noch immer faszinierend. Die SF-Vorstellungen der damaligen Zeit mögen aus unserem heutigen Blickwinkel lächerlich wirken, der wirkliche Reiz der Romane geht aber vom wunderbar beschriebenen Abenteuer und der Menschlichkeit aus. Will und seine Freunde haben etwas, das den Menschen genommen wurde: Individualismus, wahre Freundschaft und die Fähigkeit Dinge zu hinterfragen. »Tripods« ist berechtigterweise ein Meilenstein der Science-Fiction.

4,5 von 5 Punkten

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen