Montag, 15. Mai 2017

Rezension: gebissen (Boris Koch)

Heyne
Taschenbuch, 464 Seiten
ISBN: 978-3-453-52-5689
9,95 €

eBook, 8,99 €
ISBN: 978-3-641-02979-1

Ein kurzer Einblick

In der Tiefe Berlins lauert der Blutvater, der Meister der Vampire. Die Vampire nähren sich vom Blut, der Blutvater von Schmerz und Leid. Schon bald wird er auferstehen ... Alex, einst von einem dunklen Wesen gebissen, und Nephilim Danielle stellen sich der Düsternis zum Kampf. Niemals darf das Licht der Welt erblicken, was ehemals in Sodom und Neros Rom bereits vernichtet wurde.

Bewertung

Alex arbeitet als DJ und freier Journalist in Berlin. Er kennt sich in der Metal-Szene aus und ist Womanizer; zumindest ein halber. Er hat einfach kein bleibendes Glück mit den Frauen. Ob es am unregelmäßigen Einkommen oder dem chaotischen Lebensstil liegt, weiß er nicht. Seine Mutter liegt ihm jedenfalls nervend in den Ohren, eine Familie zu gründen. Gutaussehend, aufgeschlossen und intelligent, lernt er eines Tages die Nephilim Danielle kennen. Nach einem anregenden Gespräch, haben sie ungehemmten Sex und Alex erfährt, dass er ein vaterloser Vampir ist. Zwischen sexy Danielle und der hübschen Jurastudentin Lisa hin- und hergerissen, wird Alex in einen uralten Konflikt zwischen Nephilim und Vampiren hineingezogen.

Die Ausgangssituation liest sich gewöhnlich. Beziehungsstress und Sex, Konflikte zwischen zwei übernatürlichen Parteien, ein Grauen unter Berlin, das erwacht. Das hat man alles in der ein oder anderen Form schon gelesen. Glücklicherweise erschafft Boris Koch im Banalen eine eigenwillige Vampirschöpfung, die bereits Sodom zu Fall gebracht und Nero Rom anstecken ließ. Anstatt nun aber jahrtausendealte Fehden akribisch aufzubereiten, skizziert der Autor die Hintergründe und lässt den phantastischen Wesen ihren geheimnisvollen Mythos zur Entstehung. Das erspart dem Leser langweilige Erläuterungen und lässt den Roman modern bleiben. Urban Fantasy in Berlin – spannend erzählt, auf die Masse der Leser zugeschnitten, aber doch ausgefallen, überraschend neuartig.
Die Vergangenheit der Nephilim ist unbekannt. Sie sind Einzelgänger, laben sich am Sex und sind nymphomanisch veranlagt. Kein Mann kann ihren Reizen widerstehen.
Die Vergangenheit der Vampire hingegen wird ausführlicher erklärt, ihre Wesensart bleibt ein Geheimnis. Aus Leid und Blut geboren, nisten sie im Untergrund von Städten. Sie sind die Blutväter, die Albträume gebären. Sie sind die Blutväter, die Menschen in Vampire verwandeln. Ihre Kinder sind der verlängerte Arm einer übernatürlichen Kreatur.
Hieraus mixt Boris Koch einen unterhaltsamen Roman, der sich erfrischend anders liest. Allein die inneren Monologe Alex‘ nerven ab und an. Sorgen und Ängste monologisierend an den Leser heranzutragen, ist eine Sache. Eine andere, seitenweise über seine sexuelle Gier zu schwadronieren. Danielle ist überwältigend verführerisch, spätestens beim zweiten Aufeinandertreffen beider Charaktere hat man es verstanden. Weitere Ausführungen mögen Alex Gedankengänge unterstützen, aber es nervt. Trotz ausschweifender sexueller Gedankengänge, inszeniert Boris Koch einen flott zu lesenden, vor allem ambitionierten Roman – ohne an der Masse der Leser vorbeizuschreiben, der erfreulich düster ist.

Fazit

Alex' Sexbegierden nerven auf Dauer, doch die kaltblütigen Vampire mit ihrer eigenwilligen Vaterschöpfung machen »gebissen« zu einem thematisch herausstechenden Urban Fantasy-Roman. Düster und actionlastig, kämpfen Alex und Nephilim Danielle in einem spannenden Roman gegen Berlins bösartigen Untergrund.

4 von 5 Punkten

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