Freitag, 14. April 2017

Rezension: Wisch und weg (Maria Antas)

Insel
Hardcover, 174 Seiten
ISBN: 978-3-458-17629-9
18,00 €


Ein kurzer Einblick
 
Maria Antas erzählt in 26 Kapiteln über das Putzen und Ordnung. Sie gibt dabei nicht nur Tipps rund ums Saubermachen, sondern erinnert auch an die Geschichte des Putzens. Dem Leser wird somit auch etwas Kulturgeschichte präsentiert. Ihm wird deutlich, wie sich die Gewohnheiten der Menschen und Aufgabenverteilungen im Laufe der Zeit verändert haben…

Bewertung

Maria Antas Werk „Wisch und weg“ ist in 26 Teile aufgeteilt, die jeweils mit aufeinander folgenden nummerierten Tagen überschrieben sind. Leider erfährt der Leser nicht, warum diese Aufteilung nach Tagen erfolgt. Denkbar wäre, dass Maria Antas ihr Werk zunächst als Blog oder Tagebuch veröffentlicht hat, bevor die einzelnen Erinnerungen und Überlegungen zu einem Buch zusammengefasst wurden. Da der Leser darüber jedoch leider im Unklaren gelassen wird, fehlt ihm von Anfang an der rote Faden. Die Inhalte der aufeinander folgenden einzelnen „Tage“ haben häufig nichts miteinander gemein, sie folgen keiner chronologischen Reihenfolge und häufig wird unvermittelt auf Dinge zurückgegriffen, die in vielen Kapiteln vorher thematisiert wurden, obwohl sich das aktuelle Kapitel gut an dieses hätte anschließen können. Dies trübt dem Leser deutlich das Lesevergnügen, da er über das gesamte Werk hinweg keine Struktur erkennen kann und bis zum Ende über diese rätseln muss.
Über dieses Manko können auch die ansprechend gestalteten Zeichnungen, die an die Themen in den einzelnen Kapiteln angepasst sind, nicht hinwegtrösten. Dennoch sind die in blau-rot-weiß gehaltenen Abbildungen eine nette Abwechslung, die dem Leser alte Haushaltshelfer wie den Teppichklopfer wieder in Erinnerung rufen oder intensives Putzen mit der Zahnbürste illustrieren. Ein weiteres Manko für den deutschen Leser ist zudem, dass Maria Antas in Finnland lebt und daher insbesondere finnische und schwedische Beispiele anführt. Dadurch hat man häufiger kein rechtes Bild davon, wovon sie spricht, was auf Dauer dazu führt, dass man diese Seiten gerne überblättern würde.
Wer sich von diesem Buch Tipps zum Putzen und Ordnung halten verspricht, wird zudem in weiten Teilen enttäuscht. Vielmehr berichtet Maria Antas davon, wie man früher in ihrer Familie geputzt hat, wie man es heute macht und wo man sich über das Putzen informieren kann. Dabei fallen zwar das ein oder andere Mal auch Tipps ab, doch diese muss man wirklich suchen. Stattdessen stellt das Buch in weiten Teilen dar, wie sich Putztraditionen, Haushaltsmittel und -hilfen sowie die Aufgabenverteilung beim Putzen verändert haben. Dabei gibt Maria Antas ab und zu auch wissenschaftliche Erkenntnisse, wiederum aus Finnland und Schweden, wieder, doch dies leider unsystematisch. Der mitdenkende Leser kann beim Lesen über veränderte Gesellschaften, Traditionen und insbesondere Geschlechterverhältnisse reflektieren. Maria Antas ist dabei jedoch nur begrenzt eine Unterstützung, wenn sie insbesondere ihrer Tochter zuschreibt, sich für das Putzen interessieren zu müssen. Insgesamt erschließt sich dem Leser nicht, was Maria Antas überhaupt zum Schreiben dieses Buches qualifiziert.

Fazit
 
Maria Antas „Wisch und weg“ bietet einige interessante Erzählungen über das Putzen und Ordnung halten, die den Leser über veränderte Gesellschaften und Traditionen reflektieren lassen. Leider fehlt dem Werk jedoch die Struktur und der rote Faden zwischen den Kapiteln, was das Lesen neben den Beispielen aus Finnland und Schweden deutlich erschwert. Die netten Illustrationen können dies nur bedingt ausgleichen.

2 von 5 Punkten

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