Montag, 17. April 2017

Rezension: Wenn Cthuga erwacht (Jörg Kleudgen)

Basilisk Verlag
Taschenbuch, 84 Seiten
ISBN: 978-3-935706-98-8
12,00 €

Ein kurzer Einblick

Jakob Eisenberg ist Wissenschaftler im Dienste der Armee und des Vaterlandes. Das Wettrüsten treibt die Nationen an. Mysteriöse Träume und Schlaflosigkeit plagen ihn. Als sein Kollege Howard Phillips ihm Parallelen zwischen seinen Forschungen und uraltem okkultem Wissen aufweist, beginnt er am Ziel des Projektes zu zweifeln; doch Cthuga ruft – und Cthuga ist unaufhaltsam.

Bewertung

»Wenn Cthuga erwacht« ist in der »Edition Arkham«-Reihe erschienen und auf 150 Exemplare limitiert und vom Autor illustriert. Jörg Kleudgen unterhält den Verlag Goblin Press und ist Mitherausgeber des Phantastik-Magazins »Cthulhu Libria Neo«. Außerdem ist der Autor Sänger in der Gothic-Band »The House of Usher«.

Was sollte von einem Roman, Novelle oder Kurzgeschichte im lovecraftschen Universum erwartet werden? Wahnsinniger Horror, der mit einem Vibrieren in den Knochen verängstigt, das kosmische Grauen heraufbeschwört, die Macht der Großen Alten erweckt und die Menschen zu mickrigen Ameisen degradiert. Es muss ein Grauen erzeugt werden, das unterschwellig erschreckt, aber niemals als Jumpscare ins Gesicht springt. Das schafft die Novelle nicht - nicht anfänglich. Und das ist auch gut so. Unheimliche Schilderungen, mystizistische Texte, eine allgegenwärtige nicht fassbare Bedrohung und orphische Träume entführen den Protagonisten Jakob Eisenberg und den Leser in eine verschreckende Atmosphäre. Dabei bleibt es zunächst, bei einem seichten Grusel und wissenschaftlichen Experimenten mit Kernenergie im Zweiten Weltkrieg. Das liest sich streckenweise verstörend, verleugnet aber den Schrecken, den ein Cthulhu oder Nyarlathotep aufbauen würden.
Wer aber nun meint, dass Jörg Kleudgen dem Lovecraft-Mythos keine würdige Geschichte besteuern kann, der irrt gewaltig. Cthuga wohnt Allem und Jedem inne. Ein Kniff, der das Entsetzen zum Ende umso furchteinflößender heraufbeschwört, durch die Thematik immens unterstützt und zugleich einen feinen kritischem Unterton aufkommen lässt. Es sei nicht verraten, worin das Grausen liegt, aber die Ausnutzung der Thematik und Beschwörung von Cthuga gipfeln in ein Finale, das staunend, verängstigt und nachdenklich zurücklässt. Das Ende ist nicht nur ein Abschluss, das Ende ist der Anfang einer zerstörerischen Macht, die niemals hätte geweckt werden sollen.

Fazit

»Wenn Cthuga erwacht« begleitet den Leser von ursprünglich ernüchterndem Grusel hinüber zu einem verstörenden Staunen und lässt ihn dann hilflos dem brennenden Inferno ausgeliefert vor den Füßen des Schreckens des Cthuga zurück. Thematik und die Art des Großen Alten lassen eine sorgfältige Inszenierung und crescendoartige Erzählweise zu. Großartig!

4,5 von 5 Punkten

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