Dienstag, 25. April 2017

Rezension: Königin im Exil und 20 weitere Kurzromane (George R. R. Martin, Gardner Dozois (Hrsg.))

blanvalet
Paperback, 1120 Seiten
ISBN: 978-3-7341-6012-7
16,99 €

eBook, 13,99 €
ISBN: 978-3-641-15838-5

Ein kurzer Einblick

21 Erzählungen von Joe Abercrombie, Jim Butcher, Joe R. Lansdale, Brandon Sanderson, Diana Gabaldon, George R. R. Martin und weiteren Autoren widmen sich dem Thema »Gefährliche Frauen«. Königinnen, Heldinnen, Zauberinnen, Schurkinnen – sie alle haben ihre Geschichte zu erzählen. Jim Butcher lässt Molly einen Fall ohne Harry Dresden lösen, Gabaldon steuert eine Outlander-Story bei, George R. R. Martin entführt in den Bürgerkrieg auf den Kontinent Westeros vor 200 Jahren vor den Ereignissen von »Das Lied von Eis und Feuer«.

Bewertung

»Königin im Exil« ist ein Schwergewicht von Ziegelstein, bestückt mit unbekannten und namhaften Namen. 21 Kurzgeschichten und Novellen, laden ein zum Verweilen und Schmökern. Die Sammlung bietet nicht nur Ausflüge in bekannte Gefilde für Fans, sondern ist ebenso jenen wärmstens empfohlen, die neue Autoren und weltberühmte Welten näher kennenlernen wollen. Nachfolgend eine Liste aller Stories:

Joe Abercrombie: Welch ein Desperado!
Megan Abbott: Entweder ist mein Herz gebrochen
Cecilia Holland: Noras Lied
Melinda Snodgrass: Die Hände, die nicht da sind
Jim Butcher: Bombige Muscheln
Carrie Vaughn: Raisa Stepanowa
Joe R. Lansdale: Ringen mit Jesus
Megan Lindholm: Nachbarn
Lawrence Block: Ich weiß, wie man sie rauspickt
Brandon Sanderson: Schatten für Stille in den Waldungen der Hölle
Sharon Kay Penman: Königin im Exil
Lev Grossman: Das Mädchen im Spiegel
Nancy Kress: Zweite Arabesque, sehr langsam
Diana Rowland: Stadtlazarus
Diana Gabaldon: Unschuldsengel
Sherrilyn Kanyon: Die Hölle kennt keinen Zorn
S. M. Stierling: Verkünder der Strafe
Sam Sykes: Benenne die Bestie
Pat Cadigan: Kümmerer
Caroline Spector: Lügen, die meine Mutter mir erzählt
George R. R. Martin: Die Prinzessin und die Königin oder die Schwarzen und die Grünen

Viele der Namen sind hierzulande nicht bekannt und vielleicht deswegen gerade für die Leser von Interesse, die auch mal zur englischen Sprachausgabe greifen. Alle anderen dürfen sich über großartige Erzählungen von Joe Abercrombie, Jim Butcher, Joe R. Lansdale, Brandon Sanderson, Diana Gabaldon und natürlich George R. R. Martin freuen, um einmal die geläufigsten Namen zu nennen. Wie es in jeder Sammlung ist, kann nicht jede Geschichte gefallen, jede Idee überzeugen oder jeder Stil begeistern. Allein die Vielfalt der Stories ist einen Blick wert.

Während das Groß der Autoren die Erzählung in der Fantasy ansiedelt, werden aber auch die Genre Science-Fiction, Dystopie, Krimi, Mystery, Western oder Historisch bedient. Der Genrewechsel sorgt für Abwechslung, das gemeinsame Thema für den Zusammenhalt. Das Thema »Gefährliche Frauen« zieht sich wie ein roter Faden durch die Erzählungen, ist aber nicht bei jedem Autor offensichtlich auszumachen, sondern versteckt sich hinter einem Twist oder einem im Hintergrund agierenden Charakter. Manche Frauen sind auf den ersten Blick tückisch, andere verstecken ihre Stärke und / oder Geheimnisse hinter einer Fassade aus Geheimniskrämerei oder Finte, um den Feind zu täuschen. Wenige Stories berichten aus der Perspektive eines Mannes, um die Frau überraschend ins Spiel zu bringen. Das bietet Spielraum für viele Plots und Storywendungen. Langweilig wird es nicht, Vielfalt ist geboten.
Jeder Beitrag wird in ein paar Worten zu AutorIn und meist auch zur Geschichte eingeleitet. Zu viel verraten wird jedoch nie.

Jim Butchers »Bombige Muscheln« ist eine Standalone-Geschichte aus der »Harry-Dresen«-Reihe und ein Spoiler für Leser, die erst jetzt auf den Autoren aufmerksam werden. Molly muss einen Fall ohne Harry lösen. Die Zielperson ist schnell gefunden, der Plan mithilfe von Freunden und weiblichem Charme entwickelt. Während der Schreibstil flott ist und Lust auf mehr macht, ist der Handlungsverlauf mit Fallstricken gespickt, um die Handlung in eine andere Richtung zu treiben. Lesenswert und verdammt unterhaltsam. Jim Butcher gehört definitiv in den Aufmerksamkeitsradius jedes Phantastikliebhabers.

Joe R. Lansdales »Ringen mit Jesus« ist in der Grundidee einfach gehalten: Zwei Wrestleropas kämpfen um eine Frau. Genre: Wrestling und Hoodoo. Protagonisten: ein Mobbingopfer und ein gealterter Wrestler. Antagonist: die Herzensdame mit Hoodookräften. Auflösung: eine überraschende Wendung. Lansdale überzeugt sowohl sprachlich, atmosphärisch als auch erzählerisch. Der Stil packt, die ungewöhnliche Genremischung ist bestens aufeinander abgestimmt, um eine der außergewöhnlichsten Handlungen beizusteuern.

Diana Gabaldons »Unschuldsengel« ist eine Vorgeschichte zur »Outlander«-Saga. Jimmy Fraser verdient Lohn und Brot als schottischer Söldner in Frankreich. Der neueste Auftrag verpflichtet ihn, die jüdische Tochter eines Arztes ihrem zukünftigen Gemahl zu übergeben. Doch unterwegs werden sie überfallen ... Gabaldons Geschichte betritt klassische Pfade, wartet mit wenig inspirierenden Ideen auf und fesselt den Leser mit einem grundsoliden, aber herkömmlichen Plot. Für Fans sicherlich ein Muss, ansonsten Standardkost.

Als besonders herausragend sei noch Brandon Sanderson »Schatten für Stille in den Waldungen der Hölle« (setzt diesen Namen unbedingt auf die Leseliste) und – wie kann es anders sein – George R. R. Martins »Die Prinzessin und die Königin oder die Schwarzen und die Grünen« genannt. Lasst euch überraschen, was noch für Abenteuer zwischen den Buchseiten lauern. Der Aufbruch ins Ungewisse lohnt sich.

Fazit

»Königin im Exil« sei sowohl Fans (neue Geschichten aus geliebten Welten) und Neulingen (Schnupperkurs neuer Autoren) wärmstens ans Herz gelegt. Abwechslungsreich im Genre und den Ideen, fesseln die Geschichten um gefährliche Frauen an die Seiten. Eine gelungene Sammlung, deren Nachfolger »Der Bruder des Königs« bereits erschienen ist.

4 von 5 Punkten

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen