Freitag, 24. März 2017

Rezension: Vergessene Welt (Michael Crichton)

Random House Audio
Hörbuch – Laufzeit: ca. 898 Minuten 
ISBN: 978-3-8371-1237-5
24,95 €

Das Cover ist von einer Hardcover-Ausgabe (Droemer Knaur, 1996, 463 Seiten), die der Rezension zugrunde liegt, aber bereits vergriffen ist.

Ein kurzer Einblick

Dr. Ian Malcolm hat die Besichtigung des Jurassic Park auf der Isla Nublar nur knapp überlebt. Sechs Jahre später hat er dank seines schlimmen Beines noch immer eine tägliche Erinnerung an jene schrecklichen Tage. Als der ehrgeizige Paläontologe Dr. Richard Levine, welcher davon überzeugt ist, dass Dinosaurier in einem abgeschiedenen Winkel der Welt noch immer leben könnten, mit ihm in Kontakt tritt und ihn bittet, mit ihm das Auftauchen von merkwürdigen großen Echsen in Costa Rica zu untersuchen, reagiert Malcolm zunächst verhalten. Doch Levine lässt sich von seinem Vorhaben nicht abbringen und findet heraus, dass auf der Insel Isla Sorna Dinosaurier anscheinend tatsächlich in freier Wildbahn leben. Ohne auf die bestellte Feldausrüstung und seine Mitstreiter zu warten, besteigt er gleich das nächste Flugzeug und begibt sich nur mit einem einheimischen Führer auf die Insel. Doch schon bald bricht der Funkkontakt ab und Malcolm sieht sich mit dem Techniker Jack Thorne, dessen Assistenten Eddie Carr und der Verhaltensforscherin Sarah Harding zu einer Rettungsmission gezwungen, bei der nicht alles nach Plan abläuft…

Bewertung

Nach dem großartigen ersten Teil „Dinopark“ war ich sehr auf die Fortsetzung gespannt. Die „Vergessene Welt“ hat mich dabei sowohl positiv, als auch negativ überrascht. Die gesamte Geschichte im Auge behaltend muss ich sagen, dass sich leider vieles wiederholt, was dem Leser bereits im ersten Teil geboten wurde. Da haben wir zum einen die beiden Kinder, wieder ein Junge und ein Mädchen, die geldgierigen Bösewichte als unerwartete Störfaktoren von außen, die das ganze „Projekt“ zum Einsturz bringen, die Hetzjagden durch die Saurier… Hier wurde lediglich darauf geachtet, dass es alles ein wenig mehr als das bereits Bekannte ist: Mehr hungrige Saurier, die Antagonisten wirken noch fieser und die Kinder haben sich dieses Mal selbst eingeladen und –geschlichen. Was diese beiden anbelangt muss ich auch sagen, dass die Geschichte Stellen aufweist, die einfach unglaubwürdig sind. Als Kelly und Arby im Caravan gefunden werden, sind die Erwachsenen nur kurz wütend auf sie, unternehmen aber keinerlei Versuche, die beiden schnellstmöglich wieder von der Insel zu bekommen. Und das, obwohl gerade Malcolm nach den Erlebnissen im „Dinopark“ genau weiß, wie gefährlich die Situation werden kann.
Andererseits ist es schon sehr erstaunlich, wie fesselnd das Buch ist, obwohl es den Großteil der Handlung ohne nennenswerte Action auskommt und die Grundgeschichte eher einfach gestrickt ist. Vielmehr lebt es von den kleinen Details, etwa, wenn das Papier einer Schokolade unachtsam weggeworfen wird und man als Leser ganz genau weiß, dass das Konsequenzen haben wird. Und auch die teilweise seitenlangen wissenschaftlichen Diskussionen und Erklärungen haben mir wieder sehr gefallen. Wie bereits im ersten Teil wird auch hier wieder einiges an Kritik zwischen die Zeilen verpackt. Fast am Ende hat Crichton auch noch eine Theorie aufgestellt, über die es sich lohnt, ernsthaft nachzudenken: 

„Manchmal glaube ich, wir sind selbst eine Seuche, die die Erde leerfegen wird. Wir zerstören so erfolgreich, dass ich manchmal glaube, genau das ist unsere Funktion. Vielleicht tritt alle paar Äonen ein Lebewesen auf, das den Rest der Welt vernichtet, klar Schiff macht und der Evolution die Möglichkeit gibt, neu anzufangen.“ (S. 461)

Fazit

Trotz einiger Schwächen und Logiklöcher hat mich Crichtons „Vergessene Welt“ sehr gut unterhalten. Alleine schon der Dinosaurier und klugen Sprüche der Sarah Harding wegen ist das Buch es wert, gelesen zu werden. Der flüssige Schreibstil und das tolle Kopfkino, das während des Lesens entsteht, tun ihr übriges. 

4 von 5 Punkten

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