Montag, 27. März 2017

Rezension: Die Kompanie der Oger. Sterben und sterben lassen! (A. Lee Martinez)

Piper Verlag
Taschenbuch, 416 Seiten
ISBN: 978-3-492-26950-6
10,99 €

eBook, 8,99 €
ISBN: 978-3-492-96288-9

Ein kurzer Einblick

Never Dead Ned ist ein Tollpatsch, er stirbt ziemlich oft und das in den dämlichsten Situationen. Glücklicherweise kann er nicht wirklich sterben. Diese Eigenschaft befördert ihn vom Buchhalter zum Kommandanten der »Kompanie der Oger«, dem undiszipliniertesten Haufen in der Armee. Unglücklicherweise sterben die Kommandanten wie die Fliegen, keine freudigen Aussichten für Never Dead Nead. Er kann nicht sterben, aber der Tod ist schmerzhaft. Und zu allem Unglück wird der Dämonenkönig auf ihn aufmerksam, der den Weltuntergang einläutet.


Bewertung

Never Dead Ned stirb recht oft, nur um Stunden oder Tage später ins Leben zurückzukehren. Er ist Buchhalter in der Armee und ziemlich zufrieden mit seinem Job, bieten sich hier doch wenige Möglichkeiten den Tod zu finden. Zu seinem Unglück wird er versetzt. Er wird zum Kommandanten der »Kompanie der Oger« und damit in die Kupferne Zitadelle versetzt - dem Schandfleck der Legion. Disziplin oder nur der Wille, eine halbwegs brauchbare Armee zu bilden, gibt es im Außenposten nicht. Saufende Orks, prügelnde Goblins und abkommandierte, respektive ins Jenseits beförderte Kommandanten beherrschen den Alltag. Ärgerlich, dass ein Ableben von Never Dead Ned nicht so einfach zu arrangieren ist. Ausgerechnet diesen Haufen soll der überforderte Buchhalter auf Vordermann bringen. Könnte eine ziemlich spaßige und spannende Story werden, zumal in Neds Vergangenheit ein Geheimnis lauert, das erst in der zweiten Hälfte des Romans enthüllt wird. Leider dümpelt die ambitionierte Geschichte am Rande der Langeweile. A. Lee Martinez bemüht sich, kann sich aber nicht entscheiden, eine packende Story zu erzählen oder ein Klamaukfestival zu entfachen. Dabei sind die Grundlagen eines hervorragenden, vielleicht nicht überragenden, aber sehr amüsanten Romans gegeben.

Neben den typischen Ogersoldaten, gibt es einen Gestaltwandler, ein Baumwesen, ein blindes Orakel, eine männerhassende Amazone, eine Sirene und eine fette Elfe. Jeder Charaktertyp wird durch den Kakao gezogen, die Daseinsberechtigung nennt sich Klischee. Jede Figur darf ihre Eigenarten präsentieren und erlaubt den ein oder anderen Witz, schräge Anekdote oder einen Seitenhieb auf die Fantasy. Die parodistischen Elemente sollen gar nicht einzigartig sein, nutzen sich in ihrer Belanglosigkeit und Wiederholbarkeit aber sehr schnell ab. Der Humor ist halbgar, der Witz ein müdes Lächeln, die Entwicklung vorhersehbar. Von einer Geschichte ist selten etwas zu spüren, denn viel lieber schwelgt A. Lee Martinez in austauschbaren Dialogen und Szenen, um den nächsten Witz in Szene zu setzen. Das Orakel liefert Antworten, bevor Fragen gestellt werden; immer und immer wieder. Amüsant, aber irgendwann nervtötend. Die männerhassende Amazone und die Sirene vergucken sich in Never Dead Ned und versuchen in immer neuen Anläufen den Sieg im Flirten davonzutragen. Ned wiederum ist viel zu empathielos, als das er das Werben der Frauen bemerken würde.

Ned ist in der dahintröpfelnden Handlung und dem halbgaren Klamauk noch der reizvollste Charakter, kommt ironischerweise aber kaum zum Zuge. Entweder stirbt er, entkommt geradeso dem Tod oder wird von der Amazone und der Sirene bezirzt. Die Unfälle mögen noch für den ein oder anderen Lacher gut sein, was aber ist mit den interessanten Charaktereigenschaften Neds? Er ist kein Mann der großen Worte oder Handlungen, vielmehr wirkt er wie eine Marionette, die sich passiv durch Umstände durch das Leben boxt. A. Lee Martinez ignoriert dies völlig und konzentriert sich darauf Komik aufzubauen. Nur funktioniert gerade diese viel zu wenig, als dass ein aberwitziger und spannender Roman entstehen könnte. Stattdessen tanzt der Roman auf vielen Hochzeiten, stibitzt überall etwas, vermag das Diebesgut aber nicht zu einem schmackhaften Kuchen zusammenzusetzen.

Fazit

»Die Kompanie der Oger« ist kein schlechter Roman, aber doch weitestgehend ein ziemlich langweiliger. Die Handlung wird sträflich vernachlässigt, der Klamauk funktioniert nur halbgar. Die Vielzahl der unterschiedlichen Charaktere reißen den Roman aus dem gähnenden Loch heraus, die irgendwie vorhandene Story, verhilft zu einem soliden Grundgerüst. A. Lee Martinez-Fans dürften ihren Spaß haben, allen anderen sei zu »Diner des Grauens« geraten.

3 von 5 Punkten

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