Freitag, 24. Februar 2017

Rezension: Tage der Schuld (Arnaldur Indridason)

Bastei Lübbe
Hardcover, 446 Seiten
ISBN: 978-3-7857-2574-0
22,00 €

Ein kurzer Einblick

Auch der neue Band aus der Kommissar Erlendur-Reihe erzählt weiterhin vom jungen Erlendur. Dieser arbeitet 1978 in der Hochphase des Kalten Krieges erneut mit Marian Briem zusammen. In der Nähe der US-Militärbasis wird ein Toter in einem Gewässer entdeckt. Diese will aber offensichtlich nicht mit der isländischen Polizei zusammenarbeiten, um den Fall aufzuklären. Gleichzeitig ermittelt Erlendur auf eigene Faust in einem 20 Jahre zurückliegenden Vermisstenfall. Damals verschwand ein junges Mädchen, das auf ihrem Schulweg am berüchtigten Barackenviertel Camp Knox vorbeigelaufen war. Fand sie dort ihren Tod?

Bewertung

Ich lese mittlerweile seit über zehn Jahren alle Krimis des Autors und bin immer noch genauso gepackt von ihnen wie beim ersten Mal. Ich weiß nicht, wie er dies macht, doch auch sein neuestes Buch hat mich von der ersten Seite an gefesselt. Ich habe es an zwei Tagen durchgelesen, konnte es kaum aus der Hand legen und vergaß alles um mich herum. Dies mag einerseits an der sympathischen Hauptfigur liegen, die man nun mit Anfang 30 erlebt und bei ihrer frühen Arbeit bei der Kriminalpolizei begleiten kann. Man erfährt wieder ein wenig aus Erlendurs Privatleben, das man sonst nur durch Rückblicke in den früheren Büchern mit einem Abstand von etwa 20 Jahren kennt. Nun könnte man es hautnah miterleben, doch dafür kommt es leider etwas zu kurz. Außer ein kurzen Szene und knappen Anspielungen erfährt man diesmal wenig über das Leben von Erlendur außerhalb seiner Polizeitätigkeit.
Andererseits tragen aber auch die beiden Ermittlungsfälle entscheidend dazu bei, dass der Krimi derart fesselnd ist. Sie bestehen wieder aus zahlreichen Zeugenbefragungen und Tatortbesichtigungen, man knobelt mit Erlendur gemeinsam über jede Kleinigkeit, die vielleicht einen Hinweis über den Tathergang oder die Täter geben könnte. Typisch ist auch wieder der Vermisstenfall, den Erlendur auf eigene Faust untersucht und der es ihm wie so viele andere über die Jahre angetan hat. Da fand ich allerdings die Indizienfindung hin und wieder ein wenig weit hergeholt und zum Teil etwas unrealistisch, dass die Polizisten, die damals den Fall untersuchten, einige Indizien scheinbar nicht untersuchten. Dafür lernt man durch den Mord, den Erlendur und Marian untersuchen, auch wieder viel über die Geschichte Islands und die dort stationierten US-amerikanischen Truppen während des Kalten Krieges, was dem Krimi einen spannenden und informativen historischen Touch gibt.
Der Roman lebt ferner wieder von der so typischen melancholischen Stimmung, die Indridasons Bücher auszeichnen und so gefühlvoll machen. Die Rauheit der Natur und die Abgeschiedenheit Islands werden toll herausgearbeitet, doch insbesondere die Schilderung der menschlichen Schicksale, die sich oft mit einem harten Leben plagen müssen, gelingt dem Autor wie immer herausragend. Man knobelt nicht nur bei der Tätersuche mit, sondern fühlt sich mit Island und seiner Natur verbunden, was vermutlich den Zauber, den Indridasons Bücher auf mich ausüben, erklärt.

Fazit

Ich kann mich nur wiederholen: schon wieder ein überaus gelungener Krimi meines Lieblingskrimiautors, der ungemein fesselt und zum Miträtseln einlädt. Wer zudem an Island und neuester Geschichte interessiert ist, bekommt ein überzeugendes Gesamtpaket geboten, das ich wie die vorherigen Bände nur jedem wärmstens empfehlen kann!

4,5 von 5 Punkten

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