Montag, 6. Februar 2017

Rezension: StirnhirnhinterZimmer (Christian von Aster, Markolf Hoffmann, Boris Koch)

Medusenblut
Paperback, 127 Seiten
ISBN: 978-3-935901-13-0
10,00 €

Ein kurzer Einblick

18 Erzählungen phantastischer Herkunft aus dem Berliner »StirnhirnhinterZimmer«. Pinguine übernehmen die Weltherrschaft, Knecht Ruprecht packt aus, der Ku-Klux-Klan ist verantwortlich für den Song Lucy der Beatles, Gott berichtet über den Rauswurf Adams und Evas aus Eden, das StirnhirnhinterZimmer ist für die Genialität so mancher Berühmtheit ausschlaggebend.

Bewertung

Wie schreibt man eine Rezension zu einer Anthologie, die in fünf Sätzen alles Wesentliche erklärt und jeder weitere Satz ein Spoiler ist? Seit also gewarnt, dass gleich Inhaltswiedergaben kommen, grob angerissen, aber Pointen natürlich nicht genannt werden. Zunächst jedoch ein paar Worte zum Stil der Autoren. Die Geschichten sind allesamt pointiert, unterhaltsam spaßig, überraschend originell. Der Witz trifft genau den richtigen Punkt. Die Sprache richtet sich nach der zu schildernden Geschichte und transportiert nicht nur den Inhalt. Die Storys dem Genre Phantastik zuzuordnen ist nur ein Teil der Wahrheit. Immer schwingt ein Hauch Realität oder zumindest Parabel mit. Einprägsam und unterhaltend präsentieren sich die 18 Kurzgeschichten.

Christian von Aster erläutert zunächst in »Das StirnhirnhinterZimmer« wie es zu dem Phänomen kam. Es ist wörtlicher zu nehmen, als man glauben könnte. Die Füße eines Heiligen aus »Vier Füße für ein Halleluja« stiften Unruhe, vor allem, wenn es zwei Linke sind. »Eine Geschichte aus Rhododendron« berichtet von einem zusammentreffen zwischen Mensch und Schnecke. »Knecht Ruprecht packt aus«, warum der Weihnachtsmann einen Groll gegen Trolle hegte. In »Plumpaquatsch« sind nicht die Clowns die Bösen. Wer glaubt an Taschennashörner und Pistolenpinguine? Vielleicht seid ihr dann dem »Großen Usambara-Schwindel« aufgesessen.

Markolf Hoffman schlägt etwas ernstere Töne an. In »Berlin in Angst und Schrecken« erwacht Berlin zu untotem, aber berühmten Leben, als die lebenden Toten zurückkehren. »Der Läufer« entdeckt den unermüdlichen Enthusiasmus des Laufens und Pfade abseits der Realität. »Lucy«, ein Song der Beatles, wurde hauptsächlich deswegen komponiert, weil der Ku-Klux-Klan die Musiker wegen frevlerischer Aussagen umbringen wollte. »Bittermandel oder: Des Pfefferkuchenmannes Beichte« ist eine bedrückende und zutiefst ergreifende Geschichte, in der der Pfefferkuchenmann in Liebe ergriffen gegen einen finsteren Hexenmeister kämpft. In »Invasion« wird Berlin von winzigen Wesen aus Liliput überrannt. »Advent« schließt besinnlich mit dem gefesselten Vati am Stuhl.

Boris Koch erzählt in »Das Märchen vom ersten Spielplatz« von Einhörnern, die Herpes übertragen. Er berichtet in »Die Herrschaft der Pinguine« wie die Pinguine in roten Capes die Weltherrschaft übernehmen. In den Bergen duftet ein Troll nach Fernweh und die Eltern glauben, dass der Troll ein »Frühstück« sucht. In »Der Keller« sollte bei betreten desselben immer Licht brennen, oder die Tore der Hölle öffnen sich. »Über den Rauswurf aus Eden« handelt von der Wahrheit, warum Adam und Eva aus Eden verbannt wurden. Zuletzt trägt Boris Koch in drei Akten vor wie ein Schreiberling, eine Muse und ein Schriftsteller zur »Ideensuche« kommen.

Fazit

»StirnhirnhinterZimmer« ist ein pointierter Spaß mit Witz und Originalität. Die drei Herren Autoren schreiben einfallsreiche und einprägsame Geschichten. Die Storys sind ein literarischer Happen auch für zwischendurch. Nicht zu leicht und öde geschrieben, aber auch nicht zu komplex oder mit einer Metaebene zu viel ausgestattet, ist »StirnhirnhinterZimmer« eine echte Empfehlung.

5 von 5 Punkten

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