Montag, 13. Februar 2017

Rezension: Für eine Handvoll Füße (Jordan Krall)

Voodoo Press
Taschenbuch, 200 Seiten
ISBN: 978-3-902802-25-5
12,95 €

eBook, 2,99 €
ISBN: 978-3-902802-23-1

Ein kurzer Einblick

Revolverheld Calamaro schleppt einen hölzernen Esel in das berüchtigte Screwhorse, das legendär ist für Fantasien aller Art. Hier begegnet er Syphilis Mutanten, Tentakelrindern, einem Arschwasserverkäufer und natürlich den berüchtigte Huren, die jeden Fetisch bedienen. Der Schauplatz: Screwhorse. Die Einwohner: verdorben. Die Handlung: ein Westernblutbad.

Bewertung

Der Roman macht so viel falsch, wie er richtig macht - und das auf eine abgedrehte, phantastische Weise, die so schnell nicht vergessen wird.

Punkt 1: Charaktere. Helden, Schurken, Betrüger, Indianer, Huren, Verrückte, Ladenbesitzer, Syphilismutanten, ein Saloonbesitzer, ein Bürgermeister und ein korrupter Sheriff, das Pflaster von Screwhorse ist rau und hart. Da wären aber auch die Fremden, die aus der Postkutsche aussteigen und der Wüste entfliehen: ein holzpferdziehender Revolverheld, goldsuchende Banditen mit Eselsmaske, eine angehende Hure für Obszönitäten ... Alle Figuren sind markante Gestalten, so unscheinbar oder auffallend sie sind. Ein greifbarer Charakter ist nicht vorhanden, wenn nur in Ansätzen. Merkwürdigkeiten und Verhaltensweisen ordnen die Gestalten in die Handlung ein. Die einen sind gentlemanlike, die anderen draufgängerische Kerle. Die einen ziehen eine gepflegte Unterhaltung der gezogenen Waffe vor, die anderen lassen die Drohung sprechen. Tiefgang und Feingefühl ist das nicht, dafür aber ein Stil, der die Figuren problemlos skizziert und in Sprache fasst.

Punkt 2: Die Handlung. Der rote Faden ist zerzauselt. So wirklich vorhanden ist er nicht. Der Mittelpunkt ist Screwhorse. Jeder erledigt seine Geschäfte und das Finale steuert auf einen kolossalen Knall zu. Das Blutbad ist zu riechen, die Gewalt hängt in der Luft. Die Ereignisse dorthin sind das spannende. Sie passieren einfach, sie sind plötzlich da. Es braucht keine großartigen Erklärungen oder einen ausgetüftelten Spannungsverlauf. Zack, der Gangster hat ein Glas in der Augenhöhle. Zack, wieder Arschwasser an einen Kunden verkauft. Zack, nuckelt der Seestern an der Brust der Hure. Der Roman lebt von den Vorfällen, der Rasanz, der aberwitzigen Ideen. Die Handlung mag schwer greifbar sein, aber sie macht verdammt nochmal Spaß.

Punkt 3. Tentakel. Was auch immer Jordan Krall sich dabei gedacht hat ... Screwhorse ist eine Kleinstadt mitten in der Wüste. Von Tentakeln und Seesternen sollte weit und breit und keine Spur sein. Die Kühe haben statt eines Euters Tentakeln. Die Indianer besitzen Peitschententakel. Eine besondere Abart von Mann mit sexuellen Fantasien, stellt einen toten Tintenfisch als Kennedy vor und probt dessen Tod. In der heruntergekommenen Kirche leben Seesterne in Kisten. Das ist so absurd, dass die Idee hingenommen und gefeiert werden muss. Danke, Jordan Krall, mehr als einmal haben Sie es mit dieser Idee und vielen weiteren geschafft, einen normalen Vorfall zu einem abstrusen Highlight zu machen.

Fazit

Tentakel, Sex und Gangster, das Holzpferd nicht zu vergessen. »Für eine Handvoll Füße« ist mit Abstand der spannendste und abgedrehteste Western. Die Figuren sind auf wenige Merkmale reduziert, die Handlung lose durch Ereignisse zusammengehalten, stört das? Ja, aber zugleich auch nicht. Screwhorse ist definitiv einen Besuch wert.

3 von 5 Punkten

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