Freitag, 10. Februar 2017

Rezension: Das Buch vom Meer (Morten A. Strøksnes)

DVA
Gebundene Ausgabe, 368 Seiten
ISBN: 978-3-421-04739-7
19,99 €

Ein kurzer Einblick

Das Buch erzählt von zwei Freunden aus Norwegen, die zwar sehr unterschiedliche Leben führen, aber beide den gleichen Traum haben: einen Eishai aus den Tiefen des nördlichen Atlantiks fangen. Mit einem Schlauchboot unterwegs wagen sie immer neue Versuche, auch wenn sie Misserfolge verkraften müssen, und erzählen uns in der Zwischenzeit vom Meer. Seinen Legenden und Wesen, erfundenen Seeungeheuern, bekannten Forschern, Fischern und Kartografen, seiner Farbe und seinem Klang, aber auch vom harten Leben hoch oben am Nordatlantik, vom Gefühl, tagtäglich den Naturgewalten zu trotzen…

Bewertung

Ich habe mich eine Zeit lang als Kind sehr viel mit Walen beschäftigt, bin dann aber wieder von der Meeresthematik abgekommen, weshalb dieses Buch für mich ein Glücksgriff war, da es einen tollen Einblick in das Leben im Meer gibt und zur Weiterbeschäftigung mit dem Thema einlädt. Man erfährt so viel, dass es schwer fällt, alles aufzuzählen. Viele der im Meer lebenden Wesen werden behandelt, insbesondere Wale, Kabeljau und natürlich der Eishai, man erhält einen spannenden Einblick in die harte Arbeit der Fischer, auch über deren geschichtliche Entwicklung, und die Vorstellungen und Mythen vom Meer, seinen Ausmaßen und Grenzen und seinen Lebewesen seit der Antike, ebenso die allmähliche wissenschaftliche Aufarbeitung des Lebens in der Tiefe, die noch lange nicht abgeschlossen ist. Auch die Meeresverschmutzung etwa durch Plastik, die Zerstörung von Korallenriffen und Überfischung finden Erwähnung, kommen aber deutlich zu kurz. Man bekommt ein besseres Gefühl dafür, wie alt die Erde doch wirklich ist und wie sehr unser Leben auf diesem Planeten vom Wasser und von gesunden Ökosystemen abhängt, die wir schützen und nicht immer weiter belasten und zerstören sollten. Zwischendurch fahren der Autor und sein Freund Hugo mit ihrem Boot raus und versuchen einen Eishai zu fangen. Das Buch behandelt etwa einen Zeitraum von einem Jahr, die Versuche werden immer wieder unterbrochen, insbesondere das Wetter musste stimmen, was zusätzlich das harte Leben hoch oben im nördlichen Norwegen auf den Lofoten verdeutlicht.
Dies gelingt dem Buch durchweg sehr gut, man sieht die Inselwelt und auch das Meer vor seinem geistigen Auge auferstehen, fühlt den Wind beinahe selbst im Gesicht und sehnt sich nach einer Reise ans Meer, will es gleichzeitig aber auch bewahren und schützen. Diese Meinung vertritt auch der Autor durchaus, doch er misst auch öfters mit zweierlei Maß. Er spricht z.B. von Überfischung, rühmt aber gleichzeitig den Fischfang, auch der Eishai scheint eine gefährdete Art zu sein, dies wird im Buch aber nicht erwähnt. Auch Überlegungen zum Tierwohl finden keinerlei Platz im Buch, der Fang des Eishais scheint vor allem aus selbstdarstellerischen Gründen zu geschehen. Außerdem ist die Handlung an sich ab und zu etwas lahm. Es wird zwar eingehend beschrieben, wie die beiden Freunde den Naturgewalten trotzen, doch viel passiert eben auch nicht zwischen den Fangversuchen, so dass das Buch einige Längen aufweist, zum Ende hin aber doch wieder spannender wird. Sehr viel Arbeit hat der Autor sich aber wirklich mit der Recherche gemacht, wie man den vielen Anmerkungen am Ende des Buches entnehmen kann.

Fazit

Grundsätzlich habe ich das Buch mit Vergnügen gelesen, wenn auch die Ausführungen zum Meer wesentlich interessanter als die eigentliche Handlung waren. Wer sich für das Meer und seine Lebewesen wie auch deren Kontakt zum Menschen interessiert, der kann mit diesem Buch nichts falsch machen, wegen der Handlung an sich würde ich es nicht empfehlen, als Sachbuch eignet es sich eher.

4 von 5 Punkten

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