Montag, 16. Januar 2017

Rezension: Zu viele Flüche (A. Lee Martinez)

Piper Verlag
Taschenbuch, 400 Seiten
ISBN: 978-3-492-26698-7
10,99 €

eBook, 8,99 €
ISBN: 978-3-492-96417-3

Ein kurzer Einblick

Durch ein Unglück ist die Koboldin Nessy zur neuen Herrin des Schlosses des Schwarzmagiers Margle geworden. Ihr Meister ist vom Monster Nurgax gefressen worden. Nun muss sie die magischen Schlossbewohner umhegen: das Gehirn im Einmachglas, Mister Bones und den Schädel Dan, das Ungeheuer unter dem Bett oder die blutende Wand Walter. Ein Schwarzmagierschloss bleibt jedoch nicht lange ohne Meister. Die Zauberin Tiama steht vor Tür. Nessy muss das Geheimnis des verstorbenen Margle hüten, sonst ist sie dazu verdammt als Besitz in neue Obhut zu übergehen - und mit ihr alle Schlossbewohner.

Bewertung

»Zu viele Flüche« ist ein Sammelsurium merkwürdiger Gestalten, ein Museum kurioser Einfälle, ein Schloss, das zu viele Flüche beherbergt. Der Schwarzmagier Margle belegt jeden mit einem Fluch und quartiert ihn in seinem Schloss ein, der ihm in die Quere kommt oder einfach nicht gefällt. Um die Schlossbewohner kümmert sich die Koboldin Nessy; sie ist Hausfrau, Putzhilfe, Ordnungshalterin, Monsterpflegerin und Experimentbetreuerin in einem. Sie ist die unersetzliche Gehilfin des Magiers. Wenn es allerdings nach Margle geht, ist sie sehr wohl ersetzbar. Ein Nurgax soll sie fressen. Doch es kommt, wie es kommen muss. Das erste Wesen, das ein Nurgax sieht, wird gefressen, auf das zweite Wesen prägt sich das Ungeheuer. Unglücklicherweise ist nicht Nessy die erste Person, sondern Margle. Pech gehabt, Schwarzmagier.
Nun steht die bodenständige Nessy allein mit der Schlosswirtschaft da. Glücklicherweise ist sie praktisch veranlagt und organisiert. Erst wenn Probleme auftreten, macht sie sich Gedanken, um eine Lösung. Der Tag wird strategisch in Aufgaben gegliedert, denn das Schloss muss sauber gehalten werden, die Monster im Keller - einschließlich des MONSTERS DAS NICHT SEIN SOLLTE - wollen gefüttert werden, ihre Freunde, die Schlossbewohner, wollen ihre Gesellschaft. Da wäre das Monster unter dem Bett, das gerne Gutenachtgeschichten vorgelesen bekommt. Da wäre Olivia, die Eule, die nur in Alliterationen sprechen kann. Dann wäre da Melvin In Den Spiegeln, der nur in Spiegeln Gestalt annehmen kann. Dann gäbe es da noch den Vampirkönig, der bei jeder Bewegung Glöckchen klingeln lässt und nur bei Walter Der Blutenden Wand an das Lebenselixier kommt. Viele weitere Gestalten tummeln sich im Schloss, die einen gefährlicher, die anderen bemitleidenswerter.
Nessy hat alle Hände voll zu tun, als eine Zauberin an die Eingangstüre klopft. Neben ihrem Alltagsgeschäft muss sie nun auch noch Margles Besucherin vortäuschen, dass der Schwarzmagier unabdinglich ist. Wenn die Zauberin Tiama erführe, das Margle tot wäre, wäre es ihr gutes Recht, das Schloss ihrem Besitz zuzuführen. Am Ende entscheidet sich das Schicksal der Bewohner vor der Tür Am Ende Des Flurs.
A. Lee Martinez steckt eine Vielzahl der unterschiedlichsten Gestalten in den Roman und haucht ihnen allen Leben ein. Respekt! Keine Gestalt ist langweilig oder überflüssig. Jeder trägt eine kleine Rolle. Sprachlich, stilistisch und inhaltlich präsentiert der Autor eine grundsolide Geschichte. Sie lässt sich flüssig weglesen, offenbart aber auch keine großartige Raffinesse oder Handlungsüberraschungen. Geradlinig stolziert die Handlung voran, wartet hier mit einer witzigen Idee auf, überfällt dort mit einem verdrehten Fantasy-Klischee, überrascht mit einem besonders einfallsreichen Charakter oder manifestiert sich in einem schrägen Einfall. Das liest sich angenehm schnell, herzallerliebst und bezaubernd. Bis auf eine etwas fehlende Komplexität oder unerwartete Handlungswendung, macht A. Lee Martinez nichts falsch.

Fazit

Schrullige Charaktere, fantasievolle Einfälle und eine geradlinige Handlung machen »Zu viele Flüche« zu einem rasanten Abenteuer voller Spaß, Freude und vielen, vielen Schmunzlern. A. Lee Martinez ist ein bezauberndes Werk gelungen, das nur in seiner Einfachheit kränkelt, aber mit liebenswerten Figuren beglückt. Ein Fantasyspaß für Erwachsene und Jugendliche.

4 von 5 Punkten

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