Montag, 30. Januar 2017

Rezension: Wild Cards 3. Der höchste Einsatz (George R. R. Martin (Hrsg.))

Penhaligon Verlag
Paperback, 704 Seiten
ISBN: 978-3-7645-3130-0
14,99 €

eBook, 11,99 €
ISBN: 978-3-641-15931-3

Ein kurzer Einblick

Die Ass-Eingreiftruppe der UNO muss gegen Radical, der dem Wahnsinn verfallen ist, vorgehen. Radical verschleppt Kinder nach Afrika, infiziert sie mit dem Wild-Cards-Virus und zwingt die Asse dazu, für das People’s Paradise of Africa zu kämpfen. Jene Kinder mit Jokerfähigkeit werden kurzerhand erschossen. Nicht nur Radical steht den Helden im Weg, sondern auch vollkommen menschliche Herausforderungen wie Freundschaft, Liebe, private Probleme ...

Bewertung

»Der höchste Einsatz« ist der nunmehr dritte Band der Reihe »Wild Cards«. Die Vorgeschichte unterdessen wird in »Wild Cards. Die erste Generation« erzählt. Der erste Band »Vier Asse« ist im Juni 2016 im Penhaligon Verlag erschienen. Auch wenn in vorliegender Reihe ein neuer Erzählstrang die Asse in neue Abenteuer, politische Machtspielchen und ganz persönliche Probleme schickt, nimmt besonders »Der höchste Einsatz« Bezug auf die Entstehungsgeschichte der Asse und Joker. Ohne das Hintergrundwissen, dürfte die Geschichte nur halb so spannend, dafür aber doppelt so verwirrend sein. Hier ist Vorwissen gefragt, denn nur Wesentliches zum Fortschreiten der Story wird erklärt.

Die Asse sind die Helden unter den Virusopfern. Physisch unversehrt stehen ihnen ungeahnte Fähigkeiten zur Verfügung. Teils gefürchtet, teils verehrt genießen die Asse die mediale Aufmerksamkeit und mischen sich in politische Angelegenheiten ein. Die ehemaligen Kandidaten aus der Casting Show »American Hero« haben sich zum Großteil ins private Leben zurückgezogen oder helfen ihren Mitbürgern, wo sie nur können. Da hätten wir u.a. ...
  • Bubbles, die nach der Atomexplosion im Koma liegt
  • Noel, der mit Niobe versucht, ein normales Leben zu führen
  • Bugsy, der seine tote Freundin mithilfe eines Mediums liebt
  • Rusty und Gardener, die im Kongo einen Brieffreund retten
  • Radical, der im Kongo eine Kinderarmee aufbaut

Viele der Asse haben sich nicht ohne Grund aus dem Komitee zurückgezogen. Sie sind es Leid, machtlos der Bürokratie und der Politik, die keine Entscheidungen trifft oder direkt abschmettert, gegenüberzustehen, während tausende Menschen in Krisengebieten dahinsiechen. Stagnation hilft niemanden. Unterdessen baut das People’s Paradise of Africa, kurz PPA, eine Armee aus Kindern auf. Sie infizieren die Kinder mit dem Wild-Cards-Virus, töten die unnützen und verleiben die Asse der Armee und der Revolution ein. Das PPA ist bestimmt aus einer guten Idee heraus entstanden, wandelt sich aber in einen Ort des Schreckens, terrorisiert vom Ass Radical. Und das Komitee geschaffen, um jenen zu helfen, die Hilfe benötigen? Das verstrickt sich weiter in politischen Plänkeleien.

Die Handlungsstränge waren das Hauptproblem des Vorgängerromans »Der Sieg der Verlierer«. Hiervon ist kaum noch etwas zu spüren. Die Helden verteilen sich nach wie vor über den Globus, die Haupthandlung indes spielt im Kongo, sodass es unvergleichlich einfacher ist, der Handlung zu folgen. Die Nebenstränge bzw. die Ausflüge sind schnell abgeschlossen, bereichern die Story mit Abwechslung, interessanten Vertiefungen und lockern das bedrückende Stimmungsbild Afrikas auf. Mühelos werfen sich die Autoren die Handlungsstränge zu, verlieren niemals den Überblick über die Charaktere und breiten die Geschichte gleichsam zielstrebig wie auch charaktervertiefend  aus. Möglich machen das die rasanten Sprünge. Kaum ein Kapitel ist länger als ein paar Seiten. Figuren aus den Augen zu verlieren, ist nahezu unmöglich. Den Überblick über jedes Problem, jedes geplante Vorhaben und jede Assfähigkeit zu behalten, ist schon schwieriger.
Die dichte Verflechtung von Handlungssträngen funktioniert wunderbar, treibt den Plot voran und lässt mit den Helden mitfiebern. Dazu tragen nicht nur die unzähligen privaten und charakterlichen Probleme bei, die verarbeitet und bewältigt werden müssen, sondern auch die stimmig konzipierte Grundstimmung. Die Asse müssen keine bösen Schurken aus einem Comic aufhalten, sondern kämpfen gegen allzu reale Bedrohungen an. Die politischen Machtspielchen sind da noch das kleine Problem. Die Kindersoldaten des PPA eine zutiefst erschütternde und ernste Angelegenheit. Die Thematik liegt schwer im Magen und erzeugt ein erschreckend realistisches Bild. Kein Wunder, spielt »Wild Cards« doch in einer alternativen Realität. Hier sterben nicht nur die verblendeten Leopardenkrieger, liebgewonnene Helden, sondern auch unschuldige Kinder. Es ist egal, wie boshaft die Kindersoldaten wehrlose Menschen umbringen, sie sind nur zu dem gemacht worden, kontrolliert und traumatisiert von Radical, der seine hehren Ziele schon längst nicht mehr verfolgt. Selbst für Radical ist Mitgefühl übrig, denn auch er ist nicht freiwillig zum Unsympathen und Kriegstreiber geworden. Die Autoren haben wahrhaft großartige Arbeit geleistet, den unzähligen und vielfältigen Figuren eigene Stimmen verliehen und damit einen bedrückend ernsten, aber hochspannenden Roman geschrieben.

Fazit

»Der höchste Einsatz« punktet mit vielen Erzählsträngen, bleibt aber dem roten Faden treu und verzweigt sich nicht unnötig in alle Richtungen. Die Haupthandlung wird stets deutlich vorangetrieben, dazwischen die menschlichen Ängste, Träume, Privatprobleme und Beziehungen ausgebaut. Es ist ein vielschichtiger Roman, der Aufmerksamkeit fordert, Hintergrundwissen voraussetzt und mit einer verdammt spannenden und unterhaltsamen Handlung begeistert.

4,5 von 5 Punkten

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