Mittwoch, 25. Januar 2017

Rezension: Cranford (Elizabeth Gaskell)

Penguin English Library
Taschenbuch, 224 Seiten
ISBN: 978-0-141-199429
6,99 € (Stand: 25. Januar 2017)

Ein kurzer Einblick

Cranford ist eine kleine, ruhige Stadt im viktorianischen England, die vor allem von älteren Frauen bewohnt wird. Jeder Tag ähnelt dem anderen, die Damen vertreiben sich ihre Zeit mit gegenseitigen Besuchen zum Teetrinken, Kartenspielen und ganz viel Klatsch. Im Zentrum stehen die beiden Schwestern Deborah Jenkyns und Miss Matty, die gemeinsam ihr Jungferndasein führen. Mit der Ankunft des Captain Brown kommt jedoch ein wenig Schwung in die verschlafene Kleinstadt, denn dieser hält sich nicht an all die sorgsam gepflegten Gewohnheiten der Damen, gewinnt diese durch seine Liebenswürdigkeit jedoch trotzdem für sich.

Bewertung

Nachdem ich bereits drei weitere Werke der Autorin gelesen hatte, die wirklich sehr lesenswert waren, wollte ich mir nun auch ihren zweiten Roman zu Gemüte führen, der mich jedoch nicht so wie die anderen Bücher begeistern konnte und mich eher enttäuschte. Es gab keine wirkliche, fortführende Handlung, dies mag zum Teil an der Veröffentlichungsform des Buches liegen, das zu Gaskells Zeiten in acht Teilen im Magazin „Household Words“ erschienen ist. Die Kapitel waren oft mehr einzelne Erzählungen rund um Cranford und seine Bewohner, mit einigen Rückblenden in das Leben von Miss Jenkyns und Miss Matty, die zudem den Lesefluss störten.
Der Aufbau des Buches war dabei noch recht originell gestaltet. Man erlebt die Geschichten aus Cranford mehr durch einen Blick von außen, denn als Erzählerin fungiert eine junge Frau, Mary Smith, die bei ihrem Vater lebt und Cranford nur hin und wieder besucht, aber in der Zwischenzeit auch in regem Briefkontakt mit Miss Matty steht. So betrachtet man die Stadt stärker mit den Augen einer Außenstehenden und erfährt vieles auch nur durch Erzählungen. So finden auch immer wieder Zeitsprünge statt, in denen Mary eben nicht in Cranford zu Besuch war, die aber auch gut verdeutlichen, wie sich außen die Welt weiterdreht, während in Cranford beinahe alles beim Alten bleibt und die Damen weiterhin ihre Teegesellschaften abhalten. Dementsprechend passiert aber auch im gesamten Buch sehr wenig, so dass ich mich, vor allem zu Beginn, sehr zum Lesen zwingen musste. Dies wird zwar mit der Zeit besser, doch wirklich spannend oder interessant ist der Roman kaum.
Gut dargestellt wird eben das Kleinstadtleben mit seinen festgefahrenen Bewohnerinnen, die an alten Regeln und Gewohnheiten festhalten, immer schrulliger werden und in ihrem alltäglichen Trott feststecken, all dies immer mit leichter Ironie unterlegt, die Gaskell auch in ihren frühen Werken schon meisterlich einsetzt. Da aber kaum etwas geschieht, abgesehen von einem Bankbankrott und einem in Indien verschollenen Bruder, stellt sich kein Lesevergnügen ein.
Zur Zeit scheint es keine deutsche Ausgabe dieses Werkes zu geben, doch auch die englische von Penguin kann ich bei Interesse empfehlen, auch für Nichtmuttersprachler ist sie verständlich geschrieben und noch mit einem Nachwort ausgestattet.

Fazit

Dies ist das erste Mal, dass mich ein Roman von Elizabeth Gaskell enttäuscht zurücklässt. Ich bin leider nie mit den schrulligen Damen und ihrem Leben in Cranford warm geworden. Deshalb würde ich das Buch auch eher nicht weiterempfehlen, es gibt deutlich bessere von der Autorin. Sehr schade!

3 von 5 Punkten

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