Donnerstag, 12. Januar 2017

Rezension: Castro (Reinhard Kleist)

Carlsen Verlag
Softcover, 288 Seiten
ISBN: 978-3-551-71381-0
10,99 €

Ein kurzer Einblick

Reinhard Kleists Graphic Novel über den kubanischen Revolutionär erschien bereits 2010, wurde dann im Mai des letzten Jahres noch als Paperback herausgegeben und gewann durch den Tod Fidel Castros im letzten November noch einmal an dringlicher Aktualität. Erzählt wird Fidels Leben in seinen Einzelheiten, mit einem Rückblick auf seine Kindheit, von seinem Studium, der Wandlung zum Revolutionär, der sein Land vom Diktator Batista befreien wollte, bis hin zur erfolgreichen Revolution, dem Konflikt mit den USA, aber auch den Schattenseiten und den Auswirkungen seiner Machtübernahme für Kuba und seine Bevölkerung.

Bewertung

Ich muss ja gestehen, dieses Werk ist das erste Buch in Comicform, das ich lese. Auch als Kind hatten es mir Comics nie angetan, ich liebte schon immer mehr das geschriebene Wort. Doch anlässlich des Todes von Fidel Castro, einem der „Helden“ meiner Jugend während meiner ersten intensiven, noch sehr idealistisch geleiteten Beschäftigung mit Politik, womit ich schließlich keineswegs allein war, versuchte ich mich dieser Person einmal anders als nur durch Fachbücher zu nähern, und es hat sich wirklich gelohnt! Zunächst war es ein wenig ungewohnt, sich in erster Linie bildlich in eine Geschichte zu finden, doch dies legte sich wirklich sehr schnell. Durch die sehr kraftvollen Bilder Kleists, die durchweg in schwarzweiß gehalten sind, taucht man direkt in die Handlung ab, die fesselnd und rastlos voranschreitet. Man fühlt sich stärker selbst vor Ort und hautnah mittendrin, als wenn man nur von den Ereignissen liest. Durch die Geschichte wird man durch eine fiktive Figur geführt: einen deutschen Journalisten, der nach Kuba reist, um von den Rebellen zu berichten, und dann dort hängen bleibt. Dieser Kniff funktioniert zwar sehr gut, schöner hätte ich es aber gefunden, wenn bloß real existierende Personen aufgetaucht wären.
Ansonsten sind aber alle Ereignisse und Entwicklungen sehr gut recherchiert worden, unterstützt wurde der Autor in seinem Projekt noch von Volker Skierka, der bereits eine Biografie zu Castro vorlegte und sich ihm in einer WDR-Dokumentation widmete. Dies merkt man den knappen Texten durchweg an. Es wurde Wert auf historische Authentizität gelegt und ebenso versucht, ein sehr abgewogenes und charakterlich tiefgehendes Bild von Castro zu zeichnen, ihn nicht zu vergöttern, ihn aber auch nicht zu verteufeln. So steckt das Buch voller Informationen, für die man durchaus Vorwissen zur kubanischen Revolution braucht, um alles bis ins Detail zu verstehen. Auch die Auswirkungen eben dieser für das ganze Land sind anschaulich und realistisch dargestellt, in den durchweg sehr kraftvollen Bildern, die insbesondere die Hauptfigur sehr treffend zeichnen. Vor allem Castro bei seinen Reden und Kämpfen gefiel mir sehr gut, man fühlte sich durch die aussagenkräftigen Bilder so, als würde man direkt vor ihm stehen.

Fazit

Mein Ausflug in die Comicwelt hat sich tatsächlich wirklich gelohnt! Auch durch dieses Genre kann man spannend in eine historische Thematik eingeführt werden, wobei man viel stärker als durch Fachbücher erlebt, was es bedeutet haben mag, damals in den Bergen gegen ein Regime zu kämpfen und nach dem Sieg eine funktionierendes Regierungssystem aufzubauen zu versuchen. Wer sich dieser bedeutenden Figur des 20. Jahrhunderts einmal ganz anders nähern möchte, dem kann ich Kleists Werk nur wärmstens empfehlen. Mich als Comicneuling hat es auf jeden Fall neugierig auf weitere Werke ähnlicher Art gemacht.

4 von 5 Punkten


Wir danken dem Carlsen Verlag für das zur Verfügung gestellte Rezensionsexemplar.

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