Dienstag, 17. Januar 2017

Filmkritik: Erlösung


Nach Adler-Olsens „Erbarmen“ und „Schändung“ kam 2016 der dritte Teil „Erlösung“ in die Kinos. Nikolaj Lie Kaas und Fares Fares sind auch hier wieder als Carl Mørck und Assad zu sehen, unterstützt von Johanne Louise Schmidt als Rose Knudsen. Die Regie hat dieses Mal Hans Petter Moland übernommen.
Die zwei Protagonisten müssen dieses Mal eine vor Jahren mit Blut geschriebene Flaschenpost entziffern und einen Serienkiller stoppen, der noch immer Kinder entführt. Dabei tauchen sie in die Welt einer Religionsgemeinschaft ein, die mit der Außenwelt wenig zu tun haben will, und treffen dementsprechend auch auf eine Mauer des Schweigens. Doch als sie diese überwinden können und wissen, wer der Täter ist, müssen Mørck und Assad alles daran setzen, dass ihnen die Zeit nicht zwischen den Händen hindurch rinnt. Denn der Täter schreckt vor nichts zurück…

Was man diesem Film zugutehalten kann, ist, dass er mit seinem Kontrast von leuchtenden Feldern zur düsteren Thematik wahnsinnig tolle Bilder liefert und auch die Brutalität der Vorlage hervorragend umgesetzt hat. Das was in diesem Film im Vordergrund steht, sind ganz klar die Taten des Täters, der wie in der Vorlage dem Zuschauer sehr schnell bekannt ist. Die Geschichte wird an sich auch sehr ruhig erzählt; sie wechselt zwischen den Ermittlungen der Polizei, den Eltern der entführten Kinder und dem Täter hin und her, ohne dabei zu sprunghaft zu wirken. Für mein Dafürhalten bekommt der Täter aber zu wenig Sendezeit. Sein Familienleben wird in wenigen Szenen abgehandelt und auch der Grund für sein Handeln, welches in traumatischen Kindheitserlebnissen liegt, bekommt recht wenig Spielraum. Durch den Wissensvorsprung der Zuschauer ergibt sich aber eine fröstelnde Beklemmung, die man selten in Filmen findet und sich bis zum finalen Kampf immer weiter steigert. Was ich ebenfalls sehr erschreckend finde, ist die Tatsache, dass sich der Täter einfach in die Intensivstation schleichen und sich als Mitarbeiter des medizinischen Personals ausgeben kann… Sollte sowas im realen Leben wirklich vorkommen können, wäre das echt der blanke Horror. 
In vielerlei Hinsicht bin ich aber auch enttäuscht von dieser Verfilmung. Adler-Olsens Vorlage ist über 100 Seiten dicker als die ersten beiden Bände. Doch mit 112 min. Filmlänge ist die dritte Verfilmung in etwa gleich lang wie die anderen beiden. Da ist es klar, dass etliches, was den dritten Band um Mørck, Assad und Rose so herrlich lesenswert macht, einfach keinen Platz gefunden hat. Alles Private von Mørck (wie sein Sohn, sein Untermieter, das Verhältnis zu seiner Psychologin…) bleibt konsequent unerwähnt und auch das Zwischenmenschliche wird auf ein Minimum reduziert. Mørck und Assad führen lediglich eine recht nette Unterhaltung über Religionen im Allgemeinen und ihren jeweiligen (Nicht-)Glauben im Besonderen. Doch das war es auch schon an Charakterentwicklung. Auch das Trauma von Mørck wird nicht angesprochen und erklärt, lediglich darstellerisch mit eingebaut und von Assad im Laufe der Handlung versucht, kommentarlos zu beheben.

Fazit

Diese dritte Verfilmung ist nichts für schwache Nerven. Gerade für jemanden, der selbst Kinder hat, sind manche Szenen kaum zu ertragen und ich saß manches Mal mit angehaltenem Atem da! Auch ist gerade in der jetzigen Zeit das Thema religiöser Fanatismus erschreckend aktuell. Doch im direkten Vergleich zur Vorlage von Adler-Olsen finde ich den Film leider sehr enttäuschend.

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