Montag, 23. Januar 2017

Filmkritik: Der große Gatsby (2013)


F. Scott Fitzgeralds wohl bekanntestes Werk, „Der große Gatsby“, von 1952 wurde bereits 1974 mit hochkarätiger Besetzung mit Robert Redford als Gatsby verfilmt. Fast 40 Jahre später, im Jahr 2013, wagte Baz Luhrmann eine Neuverfilmung mit nicht weniger prominenter Besetzung. So ist in dieser Version Leonardo DiCaprio als Jay Gatsby und Tobey Maguire als Nick Carraway zu sehen. Der Film erzählt aus der Sicht von Nick Carraway die Geschehnisse rund um seinen geheimnisvollen und reichen Nachbarn Gatsby. Dieser veranstaltet in seiner Villa regelmäßig große, pompöse Partys, doch niemand versteht, was eigentlich sein Ziel dabei ist. Nick erfährt schließlich, dass Gatsby seiner verlorenen großen Liebe nachjagt…
Baz Luhrmann gibt F. Scott Fitzgeralds Werk im Großen und Ganzen romangetreu wieder. Zwar konstruiert er zu Beginn einen Sanatoriumsaufenthalt Nick Carraways, in dessen Rahmen dieser die Geschehnisse niederschreibt, doch ist dies für einen Film kein störendes Moment, um den Erzähler einzuführen. Irritierend ist nur, dass Luhrmann damit das weitere Schicksal Carraways bestimmt, das im Buch in dieser Art nicht herausgestellt wird. Dass die Handlung romangetreu wiedergegeben ist, mit den üblichen Hollywood-Fokussierungen auf eine Liebesgeschichte, während die zweite sich andeutende fast ausgeblendet wird, führt allerdings nicht dazu, dass der Film als eine originalgetreue Wiedergabe des Romans empfunden wird. Zudem ist die Änderung des Endes im Sinne eher noch stärken Dramatik leider wenig nachvollziehbar und es geht eine zentrale Person in ihrer Bedeutung verloren.
Um die Dekadenz und die ausschweifenden Partys der 1920er Jahre darzustellen, ist es durchaus ein innovatives Moment, mit schnellen, bunten Bildern zu arbeiten. Aber in dieser Verfilmung wurde dies eindeutig übertrieben. Insbesondere der erste Teil des Films ist durch rauschende, knallbunte Bilder geprägt, die den Zuschauer Hochhäuser runterfliegen und mitten im Gesicht von Protagonisten landen lassen. Diese schnellen Bilder, die zudem noch mit Musik unterlegt sind, die eher an die 2000er als die 1920er Jahre erinnert, sind vielfach einfach zu viel. Es ist nicht nur zu schrill, zu schnell und zu aufregend, sondern vermittelt auch ein hektisches und unseriöses Image Gatsbys, das mit der Eleganz des Buches wenig gemein hat. Damit ist der Film ein eindrückliches Beispiel dafür, dass nicht jeder Film zwangsweise in der scheinbar modernen 3D-Variante verfilmt werden sollte; insbesondere nicht, wenn er auch in 2D anschaubar sein soll.
Auch wenn der Film im zweiten Teil in visueller Hinsicht angenehmer wird, wurde dadurch doch die Figur Gatsbys in ihrer Zerrissenheit und ihrem Vergangenheitsbezug unzureichend eingeführt. Zwar gelingt es Leonardo DiCaprio mit seinem eindrücklichen schauspielerischen Talent darzustellen, welch unsichere und unrealistische Person Gatsby ist, doch dies kann seinen im Vorfeld aufgebauten Charakter nur bedingt retten. Carey Mulligan als Daisy harmonisiert sehr gut mit Leonardo DiCaprio und in ihren gemeinsamen Szenen wird bemerkenswert deutlich, wieso diese beiden in Teilen merkwürdigen Personen gerade so gut zusammenpassen. Tobey Maguire scheint die Rolle des Nick Carraway geradezu auf den Leib geschneidert worden zu sein. Er brilliert in der Darstellung des schüchternen und ehrlichen Erzählers. Auch die anderen Darsteller sind insgesamt sehr gut gewählt.
Die Kulisse des Films ist sehr beeindruckend. Insbesondere die Villa Gatsbys wurde sehr gut passend zu den Vorstellungen F. Scott Fitzgeralds gewählt. Auch die anderen Räumlichkeiten und Gebäude geben sehr gut die damaligen Verhältnisse wieder, wobei bei der Darstellung von Armut auch wieder ein wenig zu sehr aufgetragen wurde.

Fazit

Aufgrund seiner Kürze und Prägnanz, die stärker auf die Entwicklung von Personen setzt, ist „Der große Gatsby“ ein in 90 Minuten relativ einfach zu verfilmendes Werk. Leider ist dies Baz Luhrmann nur unzureichend geglückt. Anstatt sich auf die authentische Wiedergabe des Romans zu fokussieren, demonstriert dieser Film eindrücklich, wie man scheitern kann, wenn man zu viel will. Die 3D-Version dieses Stoffes ist völlig unnötig und verschandelt hier die Geschichte mit Hektik und Farbe. Leider können dies die gut besetzt und herausragend spielenden Darsteller nur begrenzt auffangen.

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