Sonntag, 11. Dezember 2016

Rezension: Weihnachten im StirnhirnhinterZimmer (Christian von Aster, Markolf Hoffmann, Boris Koch)

Medusenblut
Taschenbuch, 152 Seiten
ISBN: 978-3-935901-15-4
10,00 €

Ein kurzer Einblick

Christian von Aster, Markolf Hoffmann und Boris Koch öffnen die Tür des StirnhirnhinterZimmers zu einer schaurigen Vorlesung phantastischer Weihnachtsgeschichten. Gefangene zimtsternbackende Wichtel, verbrecherische Weihnachtsmänner, prähistorische Schneemänner oder ein menschenjagender Weihnachtsmann tummeln sich zwischen den Seiten. Weihnachtshasser und Lebkuchenmörder seid willkommen!

Bewertung

Seid ihr der Zimtsterne überdrüssig, der Weihnachtsschokolade abstinent, habt ihr dem fröhlichen Klingelbim der Engel mit dem Hammer ein Ende bereitet? Die beschaulichen Tage sind nicht euer Ding oder wollt ihr euch nur gepflegt gruseln und Altbekanntes umkrempeln, die Schattenseite der roten Mütze sehen? Dann seid ihr unter der ISBN 978-3-935901-15-4 an der richtigen Adresse. Nicht umsonst lautet der Untertitel »Bedingt besinnliche Geschichten«, nicht umsonst ist auf dem Klappentext »Dieses Buch wurde mit der Rute geschrieben« gedruckt. Herzlich willkommen bei einfallsreichen, grausigen Erzählungen rund um Weihnachten und Nikolaus der Autoren Christian von Aster, Markolf Hoffmann und Boris Koch.

Echter Horror ist selten oder nur in Ansätzen zu finden, stattdessen setzen die Autoren auf gepflegten Grusel, Alltägliches und zahlreiche phantastische Ideen. Nicht immer sind die Geschichten harmlos oder blutleer, aber sie verweigern sich konsequent dem Splatter. Dies ist auch gut so. Wenn das Grauen in die Handlung einfällt, ist das bedeutend unheimlicher als jede Blutfontäne. Ideen und Einfallsreichtum sind wichtiger als fehlende Kompetenz mit Blutteichen zu übertünchen. Die drei Autoren verstehen ihr Handwerk und erzählen in einem leichten, eindringlichem Schreibstil - jeder mit einer eigenen Stimme - friedfertige Storys, pardon, schaudervolle Geschichten um das Weihnachtsfest. Nicht jede Story kann überzeugen, nicht jede Story kann gefallen, doch selbst bei jenen ist der Lesespaß groß genug, damit das Gefallen kaum negativ zu Buche schlägt. Kurzweilige Unterhaltung im Reich des Grusels und des Unerklärlichem, ein Lesespaß, der nicht ausgelassen werden darf.

Ein grober Überblick über ein paar Erzählungen mit Spoilerwarnung für Unentschlossene: »Sternenfaust« bietet in der Bäckerei Hass die leckersten Zimtsterne an, von angeketteten Gnomen in der finsteren Küche gebacken. »Neulich bei den Inuit« lässt Kanada in einem Eisberg eine (uralte) Schneemannarmee entdecken, die Dänemark beinahe zu einem Krieg veranlasst. »Kleiner Weihnachtsrant (in zwei Sätzen)« bringt auf den Punkt, was zeitgenössische Weihnachtsmärkte bieten. »Nächtlicher Besuch« lässt den Nikolaus sterben - in einem virtuellen Kamin auf DVD. »Die Weihnachtsgeschichte« erzählt die Weihnachtsgeschichte in modernem Sprech neu.

Fazit

»Weihnachten im StirnhirnhinterZimmer« ist ein gelungener Streich, der die Tage rund um Weihnachten der Besinnlichkeit raubt und in die Höhle des Grusels einkerkert. Monotonie hat keinen Eintritt bekommen, Vater Einfallsreichtum und Mutter Schaurigkeit stehen auf der Bühne wunderbar erzählter Geschichten, die die Alltäglichkeit dem Grauen opfert. Bedingt besinnliche Storys - ein Muss für jedes Fest.

4 von 5 Punkten

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