Dienstag, 20. Dezember 2016

Rezension: Pompeji (Alberto Angela)

Goldmann Verlag
Hardcover, 512 Seiten
ISBN: 978-3-442-31427-0
26,00 €

Ein kurzer Einblick

Ende November ist das neue Werk „Pompeji“ des bekannten Wissenschaftsjournalisten Alberto Angela veröffentlicht worden. Er widmet sich darin dem Untergang der römischen Stadt Pompeji, die 79 n. Chr. beim Ausbruch des Vesuvs komplett verschüttet wurde. Auf der Basis der neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse zeichnet Angela hochspannend Stunde um Stunde die Zerstörung der Stadt nach und bietet zudem einen faszinierenden Einblick in das Alltagsleben römischer Städte vor 2000 Jahren, über das die Ausgrabungen in Pompeji eindrucksvoll Auskunft geben.

Bewertung

Ich hatte bereits vor ein paar Monaten das Werk zu Pompeji von der englischen Althistorikerin Mary Beard gelesen, um mich auf einen im Januar anstehenden Besuch der Ausgrabungsstätte vorzubereiten. Dass Angela so kurz vor meiner Reise dorthin ebenso noch ein Buch zum Schicksal dieser Stadt herausbringt, musste ich natürlich nutzen, um meine Kenntnisse aufzufrischen und gegebenenfalls zu vertiefen. Es setzt etwas mehr als zwei Tage vor dem Vesuvausbruch ein und verläuft chronologisch, so dass man sich stetig dem Ausbruch mehr annähert. Dabei begleitet man Menschen, die damals tatsächlich in Pompeji gelebt haben und die auch zu Beginn des Buches kurz vorgestellt wurden, durch die ganze Stadt und erlebt so hautnah, wie das Alltagsleben vor 2000 Jahren in Pompeji kurz vor seiner Zerstörung ausgesehen haben mag. Man erfährt so viel über die Vorboten der Katastrophe wie Erdstöße, die sich etwa durch Risse in Gebäuden oder seltsames Verhalten vieler Tiere zeigen, und lernt die Stadt und ihre Stadtteile detailliert kennen. Wir begehen zahlreiche Geschäfte, Privathäuser, Arztpraxen, Bordells, die ausgegraben wurden und besichtigt werden können, lernen viel über die Wasserversorgung in der Antike und erleben schließlich hautnah den Ausbruch des Vulkans mit all seinen Auswirkungen auf das Leben der Menschen bis hin zur vollständigen Verschüttung der Stadt. Dabei werden die Beschreibungen, was sich in den letzten Stunden der Stadt zugetragen haben mag, immer wieder unterbrochen, um zahlreiche Aspekte des römischen Alltagslebens zu erläutern, wie eben z.B. die Wasserversorgung, oder auch um die historischen Hintergründe der Zeit zu verdeutlichen und auf Pompejis Entwicklung einzugehen.
Dabei ist der Text durchweg sehr allgemein verständlich verfasst und auch ohne viel Vorwissen zur Antike zu verstehen, so dass das Buch sich auch für Laien eignet, die erst in die Thema einsteigen und einen ersten guten Überblick gewinnen möchten. Es fesselt von der ersten Seite an durch seine sehr alltagsnahen und überaus informativen Erläuterungen, die sehr spannend geschrieben sind. Man erlebt wirklich hautnah das Leben, auch der einfachen Bevölkerung, in der frühen Kaiserzeit und sieht die Stadt durch die detaillierten Beschreibungen vor seinem geistigen Auge auferstehen. Wenn man es mit dem Werk von Mary Beard vergleicht, kann es natürlich nicht an ihren hohen wissenschaftlichen Standard herankommen. Angela nutzt keine Fußnoten und belegt außer bei ein paar einzelnen Aspekten nichts in einem Anmerkungsverzeichnis am Ende des Buches, die Informationen im Buch sind oberflächlicher und allgemeiner gehalten, auf Quellen und Erkenntnisse aus Ausgrabungen wird nicht so genau eingegangen. Dennoch hat der Autor sehr, sehr viel Arbeit in sein Werk gesteckt. Er verwendet sehr viele Informationen von Archäologen und Historikern, nutzt antike Quellen, besuchte Archive und die Stätte sehr häufig und stand im Kontakt zu Wissenschaftlern, so dass man ihm keine mangelnde Recherche vorwerfen kann. Man sollte nur bei der Lektüre mit im Hinterkopf haben, dass man kein rein wissenschaftliches Buch liest und viele Darstellungen zum Leben kurz vor dem Ausbruch nur Vermutungen sind, was Angela aber auch immer wieder betont.
Im Anhang widmet sich der Autor noch kurz der Datierung der Katastrophe, ob diese im Sommer oder doch eher im Herbst geschah, und gibt zahlreiche Quellen- und Literaturtipps, die den Leser zu einer weiteren Beschäftigung mit Pompeji einladen. Außerdem ist das Buch auf den Innenseiten des Buchdeckels mit zwei Karten zur Übersicht über die Ausgrabungen in Pompeji und die örtliche Umgebung um die Stadt am Golf von Neapel ausgestattet sowie mit zwei farbigen Abbildungsblöcken in der Buchmitte, die Rekonstruktionen von Gebäuden und Plätzen in Pompeji und Umgebung und Bilder von den Ausgrabungen zeigen.

Fazit

Wenn ich nur nach dem Lesevergnügen gehen würde, müsste ich dieses Werk von Alberto Angela mit der Höchstpunktzahl bewerten, doch sein Umgang mit Belegen und ähnlichem lässt etwas zu wünschen übrig, wie meist bei eher populärwissenschaftlichen Büchern, so dass ich bei 4 Punkten bleibe. Ich kann es aber wirklich nur jedem wärmstens empfehlen, da es überaus interessante Einblicke in das römische Alltagsleben und die Vesuvkatastrophe spannend wie einen Krimi präsentiert und keine Fragen zum Ausbruch mehr offen lässt. Ganz klare Leseempfehlung!

4 von 5 Punkten


Wir danken dem Goldmann Verlag für das bereitgestellte Rezensionsexemplar.

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