Montag, 19. Dezember 2016

Rezension: Lichtschuss ins Schwarze (AMAXiS)

Voodoo Press
Taschenbuch, 305 Seiten
ISBN: 978-3-902802-22-4
11,99 €

eBook, 2,99 €
ISBN: 978-3-902802-71-2

Ein kurzer Einblick

Die Phendomin Zarana wandelt seit Jahrmilliarden auf Midgard, um neue Dämonen zu gebären. Sie ist die Mutter allen Übels, die Geißel der Menschen. Von ihren Jahrhunderten unter ihnen unvorsichtig geworden, lässt sie sich vom gefallenen Engel Anthriel schwängern. Sie ist sich sicher, das Kind in ihrem Bauch muss ein Wesen des Guten sein. Vor Furcht flüchtet sie, kein Dämon darf die Wahrheit erfahren. Die Schwangerschaft verändert Zarana, immer mehr Gutes überlagert ihr altes Wesen.

Bewertung

Midgard ist die Zwischenwelt zwischen Hel und Asgard. Von den schwächlichen, kurzlebigen Menschen bewohnt, ist es ein zweifelhafter Ort. Hier ist nichts wirklich abgrundtief böse oder himmlisch gut. Unter den Menschen leben Dämonen und gefallene Engel. Zarana ist eine Phendomin, auf ewiger Suche nach dem schwarzen Gen in einem Menschen, um sich schwängern zu lassen. Es ist ihre Aufgabe neue Dämonen zu gebären. Das tat sie bereits in anderer Gestalt, als die Echsen die Welt bevölkerten - das tut sie bis dato in diesem Zeitalter. Dass sie ausgerechnet einem gefallenen Engel mit dem Gen begegnet, die Wahrscheinlichkeit tendierte gegen Null, hebt ihr Leben aus den Fugen. In ihr reift das Kind des Guten heran, strahlt warme Wellen aus, übermittelt angenehme Gefühle. Das ist widerwärtig, abartig; das setzt sie auf die Abschlussliste der Dämonen.
Ungewollter Vater ist Anthriel, der sich fortan wie eine Klette an sie hängt. Zu allem Überfluss, rettet sie auch noch ein Weisenkind und ... und ... und ihr kommen immer mehr gute Gedanken. Zarana verändert sich, das reine Böse wird vom Guten gestreichelt. Ein irres Abenteuer nimmt seinen Lauf, selbst Asen in menschlicher Gestalt nehmen eine kleine, wenn auch kaum erklärte, Rolle ein. Hauptsächlicher Sympathieträger ist der Halbdämon Barazor, der unter den Menschen lebt, ihre Verhaltensweisen angenommen hat und u.a. Autos sammelt. Zarana, die die Menschen überhaupt nicht ausstehen kann, bringt Barazors nähe zu technischen Erfindungen regelmäßig zur Weißglut. Was sind das auch für armselige Wesen? Der Mensch muss essen, atmen, scheißt Exkremente aus und muss Fahrzeuge konstruieren, weil seine Zeit zu kurz bemessen ist, um zu Fuß über den Erdball zu reisen. Die Sicht ist durchaus originell und konsequent umgesetzt. Gutes ist den Dämon unaussprechlich, sie verkehren alles ins Gegenteil. Das liest sich leicht anstrengend, aber auch belustigend. Bei der Grundlage bleibt es leider. AMAXiS macht nichts daraus. Der starke Auftakt plätschert irgendwann vor sich hin. Die anfänglich witzigen Zänkeleien zwischen Zarana, Anthriel und Barazor verkommen zu nervenden Dialogen, die sich beständig wiederholen. Immer wieder wird der Charaktertypus der Dämonen durch Gespräche vor Augen geführt. Vielen Dank, das Thema wird alle paar Seiten breitgewalzt, verstanden, wie sieht es denn mit der Handlung aus? Die ist in die Länge gezogen, durch überflüssige Dialoge durchbrochen und wenig spannend. Eine Kürzung hätte dem Roman ungemein gutgetan, denn letztendlich ist die Handlung kaum weiter als zum Beginn. Ok, Orte wurden mehrfach gewechselt, Figuren vorgestellt und auf gleiche Art immer wieder charakterisiert, aber das anvisierte Ziel wurde in einem großen Bogen umgangen. Die letzte Seite ist traurigerweise mit leichter Freude umgeblättert.

Fazit

Die Idee aus der Sicht der Überirdischen und Unterirdischen zu erzählen, ermöglicht ungemein phantastische Ideen und originelle Herangehensweisen. AMAXiS schöpft diese hervorragend aus, reitet aber auf der Grundlage herum, ohne diese weiterzuentwickeln. Dialoge drehen sich im Kreis, die Handlung ist in die Länge gezerrt, das ist verschenktes Potential zu einem starken Auftakt mit einem schwachen Ende.

3 von 5 Punkten

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen