Montag, 5. Dezember 2016

Rezension: Ein Monster kommt selten allein (Larry Correia)

Bastei Lübbe
Paperback, 543 Seiten
ISBN: 978-3-404-20840-1
14,99 €

eBook, 11,99 €
ISBN: 978-3-7325-2333-7

Ein kurzer Einblick

Earl Harbinger ist ein jahrhundertealter Werwolf und der Chef der Monsterjägerorganisation Monster Hunter International. Den Werwolf in ihm, hat er zu beherrschen gelernt. Auf der Seite der Menschen kämpft er gegen die Kreaturen an, die den Menschen böses wollen. Dazu gehört auch der Werwolf Nikolai, der auf der Suche nach einem mystischen Anhänger ist.

Bewertung

Für die einen mag »Ein Monster kommt selten allein« Trash im wahrsten Sinne des Wortes sein, für die anderen ist der Roman eine Perle kerniger Action und prächtiger Unterhaltung. Etwas abgenutzt präsentiert sich das Schmuckstück vollständig aufpoliert. Stellt euch einen Comic vor, der auf der Kinoleinwand mit bombastischen CGI-Effekten zu glänzen versteht, aber den Regisseur gewechselt hat. Statt KABOOM und ratternden Waffen geht der Regisseur verhältnismäßig ruhig an die Story heran und nimmt sich Zeit diese auf eine solide Grundbasis zu stellen.

Earl Harbinger ist der Chef der Organisation Monster Hunter International, kurz MHI. Er ist aber auch ein Werwolf, ein uralter Werwolf, der auf der SUMF-Immunitätsliste der Regierung steht. Den Status hat er in Kriegen verdient, er hat seinem Land treu gedient. Doch ein einziger Fehltritt kann ihm den Status wieder nehmen. Harbingers Kopf ist Millionen Wert, so mancher sähe seinen Kopf gerne ganz oben auf der Fahndungsliste stehen. Earl ist eine Kampfmaschine, er kontrolliert das Werwolfswesen in ihm weitestgehend, er ist ein gefürchteter Feind und für die meisten Gegner nicht zu bezwingen. In seiner Vergangenheit lauert ein Gegenspieler, der nun auf die Bühne der Weltherrschaft tritt. Es steht mehr auf dem Spiel, als alte Rechnungen zu begleichen.

Ausgefeilte Tiefgründigkeit in Story oder Charakteren zu suchen, sollte auch im dritten Roman der »MHI«-Reihe vermieden werden. Und doch kann endlich einmal ein neugieriger Blick riskiert werden. Der Schwerpunkt liegt nicht mehr ganz so sehr auf KABOOM und knallharter Action. Ein Resultat dessen, dass Earl Harbinger ohne MHI agiert. Der Leser muss auf Owen Zastava Pitt und seine ballerwütigen Freunde verzichten. Weiterhin aber vermischen sich Horror, Thriller und Urban Fantasy zu rasantem Spaß und unglaublichem Unterhaltungswert. Nach einem recht schwachen Start, zieht das Tempo des Romans mehr und mehr an. Larry Correia nimmt sich neben den Metzelsequenzen deutlich mehr Zeit für Story und Figuren. Einerseits erreicht der Autor das durch die Rückblenden in Form von Harbingers Tagebüchern, andererseits durch reduzierte Action. Die Storyfetzen stellen Harbingers Motivation nachvollziehbar auf eine solide Grundlage, festigen den Charakter und erklären wiederum gleichzeitig die Hintergrundgeschichte wie es überhaupt dazu kam, dass Nikolai erneut auf Earl trifft.
Neben der erheblich ausgereifteren Handlung werden die Charaktere näher beleuchtet. Harbinger durch seine Tagebücher, Nikolai durch Harbingers Tagebücher und Selbstreflexion und Heather ... zu ihr gleich mehr. Nikolai ist Earls alter Gegenspieler, als beide noch für die Regierungen arbeiteten. Earl für die amerikanische, Nikolai, der ebenfalls ein Werwolf ist, für die russische unter Lenin und Stalin. Heather hingegen ist kein Monstrum, sondern ein Mensch, der gebissen wurde. In ihr liegt eine geheimnisvolle Kraft, die das Virus zwar nicht übersteht, aber ihr Kontrolle über den Werwolf in ihr gibt. Heather lernt der Leser nicht über eine Geschichte kennen, sondern über die emotionale Ebene. Sie begleiten wir in ihrem Verwandlungsprozess. Was weitere Charaktere anbelangt: Entweder sind sie Werwolffutter oder eindimensionale Stereotypen. Von den Regierungsbeamten war wenig anderes zu erwarten, von den fremden Monsterjägern hätte man sich Hoffnung machen können. Anstatt jedoch einigermaßen organisiert auf Jagd zu gehen, vertrauen die Dummbratzen auf Silbermunition und eine gehörige Portion stoischer Naivität. Die Monster werden schon tot umkippen, bevor Reiszähne an der Kehle nagen.

Logik? »Ein Monster kommt selten allein« ist logischer als die beiden bisherigen Romane. Das liegt an der solideren Story, die große Stärke dieses Teiles, als auch an der komprimierten Handlung. Ein Kaff im Nirgendwo, eine Nacht, ein Ziel und keine zusammengeschusterten, bizarren Ideen für einen Masterplan. Die Story bettet sich glaubhaft in die Vergangenheit Earl Harbingers ein und gipfelt in einem furiosen Werwolfkamp. Natürlich ist die Handlung nach wie vor nicht das A und O, der Spaß steht an erster Stelle. Hier scheitert der Roman. So absurd, aberwitzig und irrsinnig die Abenteuer Owen Pitts auch waren, fehlt hier das haarsträubende Element, die übertriebene Action, das KABOOM. Das gehört einfach zur Romanreihe dazu. Eine Mischung aus Zombies und Werwölfen, rasend schnell und intelligent, frisst die Menschen der Kleinstadt auf. Das sind Bestien, die zerfleischen, Blut vergießen und beängstigend sind. Wo aber sind die Heavy-Metal Orks, Hip-Hop-Zwerge und Zombiebären? Wo ist das Kuriose? Fehlanzeige, schade ...

Fazit

Markante Action und brutale Metzeleien gegen massenhaft Werwölfe: Das macht Laune, bietet Spaß und besten Unterhaltungswert. Die Story ist endlich ausgereifter und logischer, nur bleiben der Aberwitz und die wirklich fetten Explosionen auf der Strecke. Das Herz der Romanreihe wurde herausgerissen, das Loch nicht gefüllt. Die Handlung steht im Vordergrund, blättert die Seiten im Minutentakt um, doch die Rasanz der Story zerreibt sich auch an ihr.

3 von 5 Punkten

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen