Dienstag, 13. Dezember 2016

Rezension: Dunkler als die Nacht (Owl Goingback)

Otherworld Verlag
Taschenbuch, 368 Seiten
ISBN: 978-3-902607-03-4
9,95 €

Ein kurzer Einblick

Mike Anthony ist Bestsellerautor aus Big Apple. Als er von seiner Großmutter ein Haus in einer Kleinstadt in Missouri erbt, zieht er mit seiner Familie dorthin. Doch schon bald nach dem Einzug, entstehen Fratzen auf den Böden und Bilden sich Risse an den Wänden, aus denen eiskalte Luft herausströmt. Etwas aus einer anderen Welt lauert in den schwärzesten Schatten und wartet ... wartet auf den Moment, hervorzubrechen.

Bewertung

Die Nominierung für den Bram Stoker-Award ist fraglich, denn außer konventionellen Ideen und typischen Charakteren hat der Roman nur alte Indianermythen zu bieten.

Welche Versatzstücke inszenieren einen klassischen Spukhausroman? 1. Die anfängliche Ruhe und Normalität. 2. Die ersten unheimlichen Momente. 3. Der Typ, der der Wahrheit nicht ins Auge blickt. 4. Ein Finale von Crescendo, dass das Böse in die Schranken weißt. Owl Goingback peppt die Bruchstücke mit Indianerlegenden auf, eine bitter nötige Entscheidung, um dem Roman überhaupt etwas Eigenständigkeit zuzugestehen.
Grundsätzlich funktioniert der Roman. Der Autor kann schreiben, versetzt den Leser in Furcht und baut nach und nach einen Schrecken auf, der eine Gänsehaut beschert. Leser, die relativ unbedarft im Genre der verwunschenen und vom Bösen verseuchten Häuser sind, haben mit Gewissheit große Freude an der Story, Veteranen kommen kaum auf ihre Kosten. Zu konventionell konstruiert sich die Handlung. Es gibt keine Überraschungen respektive Wendungen, der Plot ist vorhersehbar, kreative Ideen bleiben aus.
Bereits auf den ersten einhundert Seiten wird deutlich, welchen Verlauf der Roman nehmen wird. Während die Protagonisten nach und nach erkennen, welch Schrecken im Haus lauert, gibt es da diesen Typen, der sich vehement sträubt, das Übernatürliche zu akzeptieren. Das mag verständlich sein, doch die Ausreden, um die Wahrheit auf reale Erklärungen zurechtzubiegen, sind lächerlich. Spätestens dann, wenn diese zum x-ten Mal angeführt werden. Herr Goingback, Sie drehen sich da im Kreis, gähn! Immer mehr intensiviert sich das Grauen, das funktioniert bestens - doch wie bereits geschrieben auf ausgetretenen Pfaden. Die Figuren sind funktional und lebhaft inszeniert, stereotypisch und sympathisch. Wenn der kleine Timmy nach der Schule freudestrahlend und erzählbegierig in die Küche stürmt, möchte man ihn umarmen, der rebellischen Jugendlichen eher eine Standpauke halten, damit sie nicht jede elterliche Aktion als Krieg interpretiert. 

Fazit

Behutsam dringt das Grauen ein, steigert sich, treibt in den Wahnsinn und lehrt das Fürchten. Das hätte selbst mit Versatzstücken solide funktionieren können, wenn Owl Goingback sich nicht zu sehr auf eben jene bekannten Bruchstücke verlassen hätte. Die Indianerlegenden vermögen den Roman dann auch nicht mehr aus den Klischees herauszureißen.

2,5 von 5 Punkten

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