Sonntag, 6. November 2016

Rezension: Keiner werfe den ersten Stein (Elizabeth George)

Goldmann
Taschenbuch, 464 Seiten
ISBN: 978-3-442-47826-2
9,99 €

Ein kurzer Einblick

Ungestört möchte eine englische Theatergruppe ihr neuestes Stück proben. Dazu begeben sich alle nach Westerbrae, was durch den Winter fast von der Welt abgeschnitten ist. Doch schon am nächsten Morgen wird die junge Autorin des Stückes, Joy Sinclair, ermordet aufgefunden. Inspector Lynley und Barbara Havers werden gebeten die Untersuchungen zu übernehmen. Keine leichte Aufgabe für Lynley, denn fast alle Beteiligten stammen aus den besten englischen Kreisen und auch Lady Helen Clyde befindet sich unter den Verdächtigen.



Bewertung

„Keiner werfe den ersten Stein“ ist der zweite Band der Lynley und Havers-Reihe der Autorin Elizabeth George. Hauptaugenmerk liegt diesmal auf der etwas besseren englischen Gesellschaft, in der Lynley verankert ist, und welche Havers Magenschmerzen bereitet. Hieraus entwickelt sich auch das Konfliktpotential, was dieser Roman zu bieten hat. Lynley lässt sich etwas dadurch einschüchtern und fällt dieses Mal sehr schnell Urteile. Havers, die auf diese Gesellschaftsschicht sowieso nicht gut zu sprechen ist, behält hier einen klareren Kopf und geht nüchterner an die Sache ran. Verzwickt wird der sowieso schon undurchsichtige Mord dadurch, dass sich Lady Helen Clyde als Gast bei der Theatergruppe aufhält. Da Lynley immer noch Gefühle für sie hegt, schießt er sich schnell auf deren Liebhaber als vermeintlichen Mörder ein. Bis zuletzt war dieser Roman absolut undurchschaubar. Jeder der Anwesenden hatte einen mehr oder weniger guten Grund das Opfer zu ermorden, und Elizabeth George beschrieb gekonnt die Beziehungsgeflechte der einzelnen Figuren untereinander, so dass der Roman sehr spannend war und man bis zum Schluss nicht die leiseste Ahnung hatte, wer denn nun Joy Sinclair ermordet hat.
Sehr gut hat mir wieder das Zusammenspiel zwischen Lynley und Havers gefallen. Man merkt in kleinen Gesten, dass sie sich seit dem ersten Band näher gekommen sind und langsam anfangen zu harmonisieren. Das einzig Anstrengende an diesem Roman war die Vielzahl der Protagonisten von Anfang an. Hat man dies erst einmal hinter sich gebracht und verstanden wer wer ist, beziehungsweise, wie die einzelnen Beziehungsgeflechte sind, kann man sich voll und ganz auf die Geschichte konzentrieren, die einen bald in ihren Bann genommen hat und bis zum Schluss nicht mehr loslässt.

Fazit

„Keiner werfe den ersten Stein“ ist ein toller zweiter Band, der dem Leser die Hauptfiguren wieder ein Stück näher bringt. Den Mord in der englischen Oberschicht spielen zu lassen, war ein guter Ansatzpunkt, das Thema, welches am meisten Konfliktpotential bietet, aufzuarbeiten und damit gleich die Beweggründe und Ansatzpunkte der Hauptprotagonisten festzulegen.

4,5 von 5 Punkten

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