Dienstag, 1. November 2016

Rezension: Der Club der toten Monster (Larry Correia)

Bastei Lübbe
Taschenbuch, 671 Seiten
ISBN: 978-3-404-20807-4
14,99 €

eBook, 11,99 €
ISBN: 978-3-7325-1511-0

Ein kurzer Einblick

Vom Buchprüfer zum Monsterjäger. Owen Pitt hat den Kampf seines Lebens gegen einen Feind aus der Vergangenheit hinter sich, da bläst der Große Alte zum Krieg. Das lovecraft’sche Monster hat es persönlich auf den Monsterjäger abgesehen. Owen bekommt es mit der Unsterblichkeitskirche zu tun, angeführt vom Nekromanten, der über die Schatten gebietet.
Monster, es gibt sie wirklich. Habt ihr ein Zombieproblem, ruft MHI.

Bewertung

Für die einen mag »Der Club der toten Monster« Trash im wahrsten Sinne des Wortes sein, für die anderen ist der Roman eine Perle kerniger Action und prächtiger Unterhaltung. Etwas abgenutzt präsentiert sich das Schmuckstück dafür an anderen Stellen frisch aufpoliert, um besonders hell zu strahlen. Stellt euch einen Comic vor, der auf der Kinoleinwand mit bombastischen CGI-Effekten zu glänzen versteht. Im Hintergrund wankt eine Armee Untoter heran. Zombiebären und -elefanten stürmen vorne weg. Im Vordergrund kämpft der Held bereits dreckverkrustet und blutverschmiert gegen die Kultisten. Über der Szenerie ist das Rauschen eines angreifenden Zombieflugungeheuers zu hören.

Owen Pitt war Buchprüfer. Nun ist er Monsterjäger, angestellt bei Monster Hunter International, einem geheimen, privaten Unternehmen, das von der Regierung geduldet wird. Zu seinem Pech zog er den Zorn des Großen Alten, einem Wesen aus einer fremdartigen und bösartigen Dimension, auf sich. Die Schergen auf der Erde bereiten sich auf einen Krieg gegen MHI vor. Die Unsterblichkeitskirche wird angeführt von einem Nekromanten, der die Schatten regiert. Ein Feind schier unbezwingbar, aber doch nur ein schwächelnder Schemen vor dem Antlitz des Großen Alten. Owen hat ein Problem. Ein gewaltiges Problem. Ein Glück, dass der amerikanischen Regierung nicht an der Vernichtung der Menschheit gelegen ist und die Monsterjäger unterstützt. Nicht auf die Weise, die den Jägern lieb wäre; der Antrieb steuert nur auf das identische Ziel zu, der Weg dorthin verläuft auf unterschiedlichen Plänen.

Ausgefeilte Tiefgründigkeit in Story oder Charakteren zu suchen, sollte auch im zweiten Roman um Owen Zastava Pitt tunlichst vermieden werden. Der Schwerpunkt liegt nach wie vor auf KABOOM und knallharter Action. Horror, Thriller und Urban Fantasy vermischen sich zu einem rasanten Spaß und unglaublichem Unterhaltungswert. Das Tempo des Romans zieht mehr und mehr an. Larry Correia gelingt es jedoch neben der Achterbahnfahrt aus Monsterschnetzelei, die Figuren nicht zu vergessen. Sehr weit in die Tiefe geht die Charakteranalyse nicht, vielmehr lebt die Charaktervertiefung aus der Handlung heraus. Trotz der Handlungsstränge, trotz der Vielzahl an Charakteren, differenzieren sich die Szenen voneinander. Das liest sich nicht wie ein verschmuddelter Brei, der der Not gehorchend Eigenschaften an Individuen tackert. Owen und seine Kameraden mögen im Kern Stereotypen sein, aber Stereotypen mit Kerben und Kanten. Das macht die Helden greifbar, das macht selbst die gehassten Regierungsfuzzis zu liebgewonnen Charakteren - den Stiefel in Special Agent Myers Arsch zu rammen, bereitet dennoch gehöriges Vergnügen! Überhaupt entwickeln sich Myers und seine Soldaten vom blassen Gegenspieler zum kontroversen Mitspieler gegen das Böse. Das bringt Veränderung, verleiht Pepp und lässt stets auf eine hitzige Auseinandersetzung warten.

Logik? Die kringelt sich lachend im Häcksler. Die Story bettet sich zwar glaubhaft in die bisherige Vergangenheit, die im ersten Teil »Die Monster, die ich rief« aufgebaut wurde, ein, ist aber haarsträubend, aberwitzig, absurd. Gleich neben der Logik wird die Ernsthaftigkeit verhackstückt. Der Handlung geht es nicht um eine stringente, ernste Welt. Spaß ist das A und O. Die Teile der Story müssen sich zusammenfügen und ein großartiges Kopfkino liefern. Explosive Action, Charaktere zum Mitfiebern, Feinde zum Hassen (trotz all der Abstrusität mit einer durchdachten Hintergrundgeschichte ausgestattet) - Unterhaltung par excellence!

Heavy-Metal liebende Orks, Gangster-Zwerge, die auf Hip Hop der amerikanischen Schule machen, Zombiebären, fette Wummen. Für Spaß ist gesorgt. Originelle Einfälle mischen die bekannten Versatzstücke erfrischend auf. Doch kann Larry Correia auch den groben Schnitzer des Vorgängers ausmerzen? In Teilen: Der Autor lässt den Bösewicht und seine Schergen Ambitionen und Vorhaben nicht mehr gänzlich zum finalen Schlag erläutern. Das Wie und das Warum werden im Laufe der Handlung vorbereitet, redselig ist der Nekromant trotzdem; gehört aber auch zum Inventar des Romans. Da kann man nur ein bisschen Böse drauf sein.

Fazit

Markante Action, übertrieben coole Explosionen und brutale Gefechte gegen massenhaft untoter Kreaturen: Das macht übelst Laune, liefert mordsmäßigen Spaß und bietet besten Unterhaltungswert. Charaktere und Handlung bleiben dabei keineswegs auf der Strecke, stehen aber nicht im Vordergrund. Lasst der Sucht freien Lauf, blättert die Seiten im Minutentakt um, die Rasanz der Story reißt gnadenlos mit.

4,5 von 5 Punkten

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