Donnerstag, 6. Oktober 2016

Rezension: Die Monster, die ich rief (Larry Correia)

Bastei Lübbe
Taschenbuch, 655 Seiten
ISBN: 978-3-404-20755-8
16,00 €

eBook, 11,99 €
ISBN: 978-3-8387-5398-0

Ein kurzer Einblick

Vom Buchprüfer zum Monsterjäger. Owen Pitt zaudert nicht lange und wirft seinen Chef aus dem Fenster, als dieser sich vor seinen Augen in einen Werwolf verwandelt. Noch im Krankenhaus genesend, stellt sich ihm Monster Hunter International vor, ein Privatunternehmen, das unter strenger staatlicher Geheimhaltung Monster zur Strecke bringt.
Monster, es gibt sie wirklich. Habt ihr ein Vampirproblem, ruft MHI.

Bewertung

Für die einen mag »Die Monster, die ich rief«, Trash im wahrsten Sinne des Wortes sein, für die anderen ist der Roman eine Perle kerniger Action und bombastischer Unterhaltung. Etwas abgenutzt präsentiert sich das Schmuckstück dafür an anderen Stellen erfreulich poliert. Stellt euch einen Comic vor: Im Hintergrund detoniert eine Granate. Dreck und Kugeln fliegen wie tödliche Hagelsplitter durch die Luft. Im Vordergrund kämpft der Held, in jeder Hand eine Waffe, am Gürtel baumeln weitere Sprengkörper. In der Sprechblase steht nur ein einzelnes Wort: BOOOOOM!

Owen Pitt ist Buchprüfer. Vielmehr, war es. Nun ist er Monsterjäger, angestellt bei der Monster Hunter International, einem geheimen, privaten Unternehmen, das von der Regierung geduldet wird. Von einer Gruppe Südstaatler gegründet, um Vampire auszurotten, ist das Unternehmen gewachsen und jagt in den USA Monster. Pitt ist zu ihnen gestoßen, da sein Chef sich in einen Werwolf verwandelte. Nun gehört er zu der Gruppe eingeschworener Helden, die mit purer Waffengewalt Ungeheuer schnetzeln. Horror, Thriller und Urban Fantasy zugeordnet, deckt der Roman ein breites Spektrum an Genres und Klischees ab. Ausgefeilte Tiefgründigkeit in Story oder Charakteren zu suchen, sollte tunlichst vermieden werden. Dies heißt aber nicht, dass die Story Komplexität und ausgearbeitete Figuren missen lässt. Der Schwerpunkt liegt auf KABOOM und knallharter Action. Der Unterhaltungswert liegt ganz weit oben. Erst danach kommen Charaktere und Handlung. Das fördert den rasanten und prägnanten Schreibstil, bettet das Universum aber nicht in eine metaphysische Ebene. Die Welt wird nicht erklärt, es wird keine Entstehungsgeschichte ausgebreitet und historisch plausibel errichtet. Monster existieren, Monster müssen sterben - basta! Eine perfekte Mischung aus Action, Spannung und Erholungssequenzen.

Logik muss etwas zurückgeschraubt werden. Macht nichts, der Spaß ist deutlich wichtiger. Kugelhagel durchlöchern den Vampirkörper, der sich mit gleicher Geschwindigkeit heilt. Granaten zerfetzen die Biester, das Gewebe setzt sich erneut zusammen. Das ist nicht wissenschaftlich begründet, das ist nicht logisch beleuchtet. Anders die Charaktere: Hier achtet Larry Correia sehr wohl auf Glaubwürdigkeit. Der eingeschworene Haufen Monsterjäger ist eine Clique, die einander beisteht. Natürlich ist der Einfachheit wegen jeder Charaktertyp vertreten, um Beziehungen und Konflikte, ohne Aufwand zu inszenieren. Das macht aber nichts, die Story schreitet eh viel zu schnell voran, als das hier Monologe über eine Charakteranalyse dienlich gewesen wären. Wichtig ist nur, dass das Team zusammenhält, sich unterstützt und über gefallene Kameraden trauert. Trockene humorige Sprüche lockern die Action auf. Zwischenmenschliche Beziehungen festigen das Verhältnis untereinander. Grober Überblick? Owen Pitt verliebt sich in Julie Shackleford, die  - natürlich - einen eifersüchtigen Freund hat. Wer hilft hier wohl wem im lebensgefährlichen Kampf? Da ist noch der toughe Kamerad, die sexy Bitch, der Waffennarr, usw. Ihnen gegenüber stehen die Regierungsärsche. Soldaten von der Stange, unbrauchbar im Monsterkampf und doch die einzigen, die den Jägern beständig Steine in den Weg legen. Die Figuren mögen bis zu einem gewissen Grad austauschbar sein, doch ebenso sind sie auch sympathisch; sie wachsen ans Herz.

Ein paar Worte zur Story (Achtung, Spoiler!): Etwas Böses erhebt sich aus vergangener Zeit, um das Ende der Welt einzuleiten. Andeutungen an H. P. Lovecrafts Große Alte lassen freundlich Grüßen. Natürlich ist Owen derjenige, der vom Buchhalter zum Helden erwacht, um das Unbesiegbare zu besiegen. Damit seine Entwicklung nicht gänzlich an den Haaren herbeigezogen ist, nistet sich ihm ein Helfer in den Träumen ein: Ein schlecht deutsch (im Original bestimmt englisch) sprechender Jude, der ihm helfend unter die Arme greift. MHI holt sich im Laufe der Handlung Informationen von den Elfen. Die Elfenkönigin ist eine fette Schlampe, die in einem Trailerpark haust. Zu den Orks wird aber nun geschwiegen. Zu viel soll dann auch nicht verraten werden.

Larry Correia erlaubt sich nur einen groben Schnitzer, der eine ziemliche Kerbe in das Ende des Romans schlägt. Der Autor lässt den Bösewicht und seine Schergen Ambitionen und Vorhaben erläutern. Das ist langweilig und zieht den Endkampf in die Länge. Wirklich gute Geschichten müssen nichts erklären, vermitteln Informationen im Handlungsverlauf. Stellt euch vor dies wäre weiterhin ein Comic. Auf der letzten Seite stände vom Off-Kommentator in der Sprechblase ein: BUUUUHH!

Fazit

Markante Action, übertrieben coole Explosionen und brutale Gefechte gegen fast unsterbliche Kreaturen: Das macht übelst Laune, liefert mordsmäßigen Spaß und bietet besten Unterhaltungswert. Charaktere und Handlung bleiben dabei keineswegs auf der Strecke, stehen aber nicht im Vordergrund. Greift zu, wenn ihr Spaß und Action über Logik stellt. Greift zu, wenn ihr eine düstere Story mit Vampiren, Werwölfen, Orks, Elfen und das Ende der Welt lesen wollt.

4 von 5 Punkten

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