Dienstag, 25. Oktober 2016

Gastfilmkritik: Outlander - II. Staffel


1744: Wir reisen mit Claire und Jamie nach Frankreich ins Exil, wo sie versuchen wollen, Charles Edward Stuart – oder besser bekannt als "Bonnie Prince Charlie" – von seinem Ziel abzuhalten, den britischen Thron für seinen katholischen Vater zurückzuerobern und die schottischen Clans in den Untergang zu stürzen, bevor es im zweiten Teil der Staffel zurück nach Schottland und in den Kampf gegen England geht…

Nach dem Erfolg der 1. Folge der 1. Staffel hat der amerikanische Fernsehsender Starz sofort die Verfilmung des zweiten Buches „Die geliehene Zeit“ als weitere Staffel bestellt. Geplant wurden 13 Folgen zu wieder je 1 Stunde Laufzeit. Verglichen mit den 16 Folgen aus Staffel 1 mag das vielleicht als zu wenig erscheinen, aber auch der zweite Roman der Highland-Saga wurde so getreu wie irgend möglich und mit viel Liebe zum Detail verfilmt. Wieder stand Diana Gabaldon dem Team beratend zur Seite und schrieb für Folge 11 sogar selbst das Drehbuch.
Zu Beginn der 2. Staffel befinden wir uns diesmal in Frankreich. Innenaufnahmen wurden zwar an nachgebauten Sets gedreht, doch für die Außenaufnahmen reiste das Team nach Paris, Prag und Südengland. Wie auch schon in der 1. Staffel sind die Locations hervorragend gewählt worden. Der Zuschauer hat tatsächlich den Eindruck, sich in Paris Mitte des 18. Jahrhunderts wiederzufinden.
Auch die Kostüme müssen gelobt werden, machen sie doch einen Großteil des Charmes der Serie aus. Auffällig ist gerade hier, wo die Handlung in Paris spielt, wie sehr sich die "kultivierten" Franzosen von den "ungehobelten, sich ständig raufenden" schottischen "Barbaren" unterscheiden. Die jeweiligen Schauspieler haben diese Differenzierung doch nicht nur dank der Kostüme umzusetzen gekonnt.
Mein absoluter Favorit unter den neuen Charakteren ist Lionel Lingelser in der Rolle des französischen Königs Louis XV. Er strahlt distanzierte Erhabenheit ebenso wie die Macht des absoluten Königs aus. Seine Mimik und Gestik verleihen dem Bild des französischen Herrschers die nötige Authentizität und sein sprachlicher Ausdruck rundet die Figur vollends ab; ich kann mir keine vortrefflichere Besetzung vorstellen.
Aber auch die übrigen neuen Schauspieler überzeugen in ihren Rollen. Louise de Rohan ist einfach nur hervorragend getroffen. Die Ähnlichkeit zwischen Laurence Dobiesz als Alex Randall und Tobias Menzies als Black Jack Randall lässt einen tatsächlich glauben, dass es sich bei den beiden Darstellern um waschechte Brüder handelt. Und Andrew Gower brilliert als Bonnie Prince Charlie so sehr, dass man regelrecht hin- und hergerissen ist zwischen dem Glauben, er könne den britischen Thron tatsächlich zurückerobern, und dem Wunsch, er möge einfach nur dahin zurückkehren, wo er herkam, und die Schotten in Ruhe lassen.
Auch die 2. Staffel hält sich so weit wie möglich an die Romanvorlage. Hier und da gab es selbstredend wieder Änderungen oder künstlerische Freiheiten mit neu erdachten oder gar verschobenen Szenen, aber diese Veränderungen fügen sich so nahtlos in die vorgegebene Handlung ein, als ob sie schon immer ein Teil von ihr waren. Die größte Änderung dürfte sein, dass der Anfang des Buches „Die geliehene Zeit“ nicht in der ersten Folge zu sehen war, sondern nach hinten in die letzte Folge verschoben wurde. Auch wurde das Staffelfinale doppelt so lang wie die übrigen Folgen. So kommt der Zuschauer gleich zweifach in Genuss: Zum einen gibt es den tränenreichen Abschied zwischen Jamie und Claire, zum anderen lernen wir Roger Wakefield McKenzie und Brianna Randall Fraser kennen. Die fulminante Schlussszene bietet einen hervorragenden Abschluss zu dieser wirklich sehenswerten 2. Staffel. Der Zuschauer darf nun gespannt sein, wie es weitergeht, denn Staffeln 3 und 4 – die Verfilmungen der Bücher „Ferne Ufer“ und „Der Ruf der Trommel“ – sind bereits bestellt. Hoffentlich müssen wir nicht allzu lange warten, bis wir wieder mit Claire und Jamie auf Reise gehen können.

Fazit

An eine bereits hervorragend umgesetzte 1. Staffel schließt sich eine 2. Staffel an, die noch um einiges besser ist. Nicht zuletzt verdankt sie es den Darstellern und ihren schauspielerischen Glanzleistungen. Trotz größerer Differenzen zum Buch als noch bei der 1. Staffel ist die 2. Staffel ein Muss für alle Highland-Saga-Fans, aber auch für alle anderen eine empfehlenswerte, sehr sehenswerte Serie. 

Diese Filmkritik verfasste Luinrina für Legimus.

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