Freitag, 2. September 2016

Rezension: Zombigida (Christian von Aster)

Tropen
eBook, circa 50 Seiten
ISBN: 978-3-608-10071-6
0,99 €

Ein kurzer Einblick

In einen Twingo gezwängt, erleben vier unterschiedliche Menschen, die ganz besondere Pegida-Demonstration. Die skandierende, zombifizierte, wütende Masse verschluckt sie. Bevor sie gänzlich dem Mob unterjocht werden, werden sie gerettet. Ein Experiment soll den Lauf der Welt ändern. Ein Abendspaziergang am Rande der Apokalypse, inmitten Dresdens. Zorn ist mächtig. Der Wille des Wutbürgers übermächtig.

Bewertung

Wer diese Rezension liest, sei vor Spoilern gewarnt. Das lässt sich bei der Kürze der Geschichte nicht vermeiden.

Christian von Aster hetzt auf. Mit Ironie und Sarkasmus zieht er Pegida durch den Kakao. »Zombigida« ist eine Analyse unsere Gesellschaft bzw. der Pegida-Bewegung, andererseits eine humorige Übertreibung und Plakatierung. Die vier Menschen, zusammengepfercht in einem Twingo, geraten in eine Pegida-Demonstration, ähem, ganz zufällig. Insgeheim läuft ein Experiment der Stagnatex Ltd. Wie leicht und wie schnell lassen sich Bürger aufhetzen und von den Parolen vereinnahmen? Als die wütende Meute über die vier Protagonisten hinweg rollt, die Dresden eigentlich nur hatten verlassen wollen, bekommen sie zu spüren, wie ansteckend der Wille der Masse ist. In einem Moment ist der Mob eine Walze, im nächsten eine geifernde Zombieherde. Ein Mann rettet sie und erzählt ihnen vom Experiment. Er gehört zu den Demonstranten, die gegen das Experiment vorgehen.
»Zombigida« ist eine Abrechnung gegen den Wutbürger. Das funktioniert durch Wortwitz und Übertreibungen wunderbar. Offengelassene Fragen, was das größere Ziel des Experimentes sei oder wer hinter Stagnatex Ltd. stecke, bleiben ungeklärt. So ließt sich die Geschichte spaßig, aber unzufrieden. Es ist mehr der Entwurf einer nicht ausgereiften Idee.

Fazit

»Zombigida« ist ein zweischneidiges Schwert. Als Satire funktioniert die Story hervorragend. Die Sprachwahl von Asters ist genau getroffen. Als rundum gelungene Idee, ließt sich »Zombigida« wie eine Skizze, der das Fett fehlt. Für den kleinen Preis kann man aber auch nichts verkehrt machen.

3 von 5 Punkten

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