Sonntag, 4. September 2016

Gastfilmkritik: Outlander - I. Staffel


Wir schreiben das Jahr 1945: Claire Randall und ihr Ehemann Frank reisen nach Schottland, um sich als Ehepaar nach Ende des Zweiten Weltkriegs wiederzufinden. Doch dann wird Claire durch einem keltischen Steinkreis ca. 200 Jahre in die Vergangenheit geschickt. Dort trifft sie auf den Clan McKenzie und lernt Jamie Fraser kennen und lieben. Doch sie begegnet auch Captain Jonathan "Black Jack" Randall, einem berüchtigten Vorfahren ihres Mannes Frank…

Diana Gabaldon erreichte mit ihrer Highlander-Saga um Claire Randall und Jamie Fraser Weltruhm. Als dann der amerikanische Sender Starz im Juni 2013 ankündigte, dass der erste Roman der Serie „Feuer und Stein“ als TV-Serie verfilmt werden sollte, war die Freude der Fans der Bücher groß. Doch würde es dem Produktionsteam gelingen, dem Buch und den daraus resultierenden hohen Erwartungen der Fangemeinde gerecht zu werden?
Die Antwort lautet eindeutig: Ja! Sicherlich haben sich die Verantwortlichen hin und wieder die Freiheit genommen, einige Dinge zu ändern bzw. komplett selbst hinzuzufügen, ohne dass es eine Vorlage im Buch gab, aber grundsätzlich hält sich die 16 Folgen umfassende Staffel sehr, sehr nah am Buch. Mir ist bislang noch keine Verfilmung untergekommen, die sich so treu an ihre Vorlage hält, wie die 1. Staffel von Outlander. Mit ca. 1 Stunde Länge pro Folge hat das Produktionsteam aber auch genügend Raum, sich den vielen Details in aller Ruhe zu widmen und den Charakteren die nötige Zeit zu geben, die sie für ihre persönliche Entwicklung brauchen. Lobend hervorzuheben ist auch, dass Diana Gabaldon nicht nur als Ratgeberin involviert wurde und somit dafür sorgen konnte, dass der Verfilmung ihres Werkes die Fürsorge angedeiht, die es verdient, sondern auch beim Casting ein Wörtchen mitzureden hatte.
Und die Besetzung der Figuren finde ich ausgezeichnet. Für die schottischen Hauptcharaktere wurden – soweit ich weiß – ausnahmslos schottische Schauspieler gecastet. In der deutschen Synchronisation mag dies keine besonders große Rolle spielen, aber wer sich die Mühe macht, die Serie in ihrer englischen Originalsprache zu schauen, wird mit typisch schottischem Akzent und vielen gälischen Ausdrücken (ohne Untertitel!) belohnt. Das verleiht der Serie einen ganz eigenen Charme, den die Bücher nicht treffen können, weil es eben geschriebene und nicht gesprochene Wörter sind. Zwar ist gerade der schottische Akzent oftmals sehr schwierig zu verstehen, besonders wenn die Figuren leise oder sehr schnell sprechen, aber wer das Buch kennt und ansonsten des Englischen mächtig ist, wird der Handlung auch so folgen können, ohne alles Gesprochene verstanden zu haben. Aber auch die "englischen" Charaktere sind sehr gut besetzt. Caitriona Balfe ist für mich längst zu Claire Randall Fraser geworden, verleiht sie der Figur doch genau die Charakterstärke, die Claire auszeichnet. Hervorzuheben ist aber auch die schauspielerische Leistung von Tobias Menzies; er glänzt in seiner Doppelrolle als gutmütiger Frank Randall und dessen gewaltbereitem Vorfahren Captain Black Jack. 
Neben der vortrefflichen Besetzung der Charaktere wurden auch die Drehorte treffend gewählt. So wie das Buch in Schottland spielt, so wurde auch in Schottland gedreht. Die Landschaftsaufnahmen, insbesondere die schottischen Highlands, sind einfach atemberaubend. Auch die Kostüme spiegeln das 18. Jahrhundert wunderbar wieder, und dass die Schotten Schottenröcke tragen, trägt viel zur Authentizität der Serie bei. Unterstrichen wird das Ganze durch einen Soundtrack – inklusive passend eingefügter schottischer Dudelsackklänge –, der perfekt auf die jeweiligen Szenen zugeschnitten ist und das Zuschauen zum Genuss werden lässt.
Sehr schade finde ich es daher, dass für die deutsche Free-TV-Ausstrahlung die Folgen gekürzt wurden. Wenn nur kleine vereinzelte Momente fehlen, mag das nicht immer sofort auffallen, doch wer die Originalfolgen auf Englisch kennt, stellt insbesondere gleich zu Beginn der 1. Folge fest, dass der Auftakt dem Cuttermesser zum Opfer fiel. Es bleibt zu hoffen, dass die DVDs die kompletten Originalfolgen beinhalten und nicht die gekürzten deutschen Versionen.
Auch ist die Synchronisation fast durchgängig ein Trauerspiel. So fehlt mir z.B. in der deutschen Synchronstimme für Claire die Stärke, die den Charakter ausmacht. Caitrionas Stimme bietet genau das, wohingegen die deutsche Synchronstimme ein Hauch von Nichts ist. Ebenso stimmlich unpassend besetzt finde ich viele der anderen Hauptcharaktere. Dies ist einer der Gründe, warum ich zeitig auf das englische Original umgestiegen bin und es nicht mehr missen möchte.

Fazit

Eine getreuere Buchverfilmung ist mir bislang noch nicht untergekommen. Fans des Romans „Feuer und Stein“ werden die 1. Staffel von Outlander lieben. Als einziges (kleines) Manko sei gesagt, dass manche Gedanken von Claire nicht so dargestellt werden können, wie das Buch sie hergibt. Aber dies ist wohl eher dem Umstand geschuldet, dass das Buch im Ich-Erzähler geschrieben ist, was eine getreue filmische Umsetzung nicht immer ermöglicht. Jedoch insgesamt gesehen ist den Produzenten eine wohlgerundete 1. Staffel gelungen, die „Feuer und Stein“ so originalgetreu wie möglich auf die Bildschirme zaubert. Ein absoluter Fernsehgenuss für alle Highlander-Saga-Fans und solche, die einer Romanze mit historischem Setting nicht abgeneigt sind. Wer Englisch versteht, sollte sich auf alle Fälle die Folgen im Original ansehen und auf die deutsche Synchro verzichten.

Diese Filmkritik verfasste Luinrina für Legimus.

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