Montag, 22. August 2016

Rezension: Devil's Cape (Rob Rogers)

Piper
Taschenbuch, 508 Seiten
ISBN: 978-3-492-26701-4
9,99 €

Ein kurzer Einblick

Ein verfaulendes Herz schlägt in Devil’s Cape. Gewalt, Korruption - Tagesgeschäfte. Polizei, Gerichte - von der Mafia bezahlt. Trotz allem ist die Stadt ein Ort, der Touristen magisch anzieht. Als die Storm Raiders die Einwohner der Stadt von der Plage der Kriminellen reinigen wollen, sterben sie in einem Gemetzel. Cirque d’Obscurite ist zurück und arbeitet für den Robber Baron, den einflussreichsten Mafiaboss.

Bewertung

1727 gründete der Pirat St. Diable die Stadt Devil’s Cape. Unter dem Willen eines Verbrechers erbaut, erblüht die Stadt in Kriminalität und Korruption. Es ist ein düsterer Moloch, der das Gute zermatscht im Rinnstein liegen lässt. Die Mafia regiert die Stadtbezirke. Polizei und Regierungsinstitutionen sind Attrappen, verdienen oft genug am Unrecht mit. Die Einwohner fügen sich oder zerbrechen am Bösen. Der Tourismus boomt, die Stadt übt eine faszinierende Kraft aus, durch ihre Straßen zu flanieren. Devil’s Cape ist ein Ort, der ebenso sehr einlädt, wie auch vertreibt. Rob Rogers erschafft eine Stadt, die düster wie Gotham City ist - nur sterben die Superhelden, die sich gegen das Verbrechen wenden.
Etwa das erste Viertel des Romans spielt in der Vergangenheit, breitet die Entstehungsgeschichte der Stadt aus und führt eine Riege von Figuren ein. Hintergründe werden beleuchtet, die Strukturen der Mafia dargelegt, das Ausmaß der Verzweiflung des Guten ausgebreitet. Das macht der Autor in einer Ausführlichkeit, die anstrengend ist. Zu viele Charaktere, zu schnelle Sprünge. Es braucht zu jedem Kapitelanfang ein wenig, um sich zu erinnern, wessen Charakter hinter jenem Namen steckte. Einerseits baut Rob Rogers damit eine hervorragende dichte Kulisse auf, die einzige Stärke des Romans, andererseits wird man mit den Charakteren nicht warm. Das soll sich später zwar ändern, doch nur geringfügig. Wirklich ans Herz wächst keine Figur. Welt und Figuren werden glaubhaft, letzte bleiben aber ungreifbar. Das ist äußerst schade, denn die heranwachsenden Superhelden haben Potential.
Nachdem der Cirque d’Obscurite, eine Gruppe verrückter Superhelden ohne jede Moral, Morde für den Robber Baron ausgeführt haben, wächst eine neue Gruppe Helden heran. Jason Kale, ein Krimineller und Reporter. Cain Ducet, Psychiater mit übler Vergangenheit. Kate Brauer, Tochter eines Vaters mit Doppelleben. Allein entdecken sie ihre Fähigkeiten, stoßen zufällig zueinander und planen den Untergang der Cirque d’Obscurite. Näher auf die Handlung eingehen möchte ich nicht, denn für die unterschiedlichen Figuren hat der Autor ein Händchen. Die Spannung soll nicht verdorben werden. Leider aber ist die Story zu komplex, um langweilig zu sein, andererseits zu belanglos, um spannend zu sein. Rob Roger macht eben so viel richtig, wie falsch. Das lässt einen die Geschichte mit großer Erwartung weiterverfolgen, aber ebenso vergeblich darauf hoffen, dass man an der sprichwörtlichen Gurgel gepackt wird: Hier versagt der Autor kläglich. Die Gauner der Stadt lassen den Leser kalt, sollen die guten Helden doch sterben. Es ist einerlei.

Fazit

Ein Superhelden-Mafia-Roman, der in seiner Düsternis Gotham City Konkurrenz macht, aber niemals auf der Höhe einer fesselnden Story ankommt. Die Atmosphäre ist superb, die Charaktervielfalt ausgezeichnet und doch lässt der Roman einen kalt. Die endgültige Faszination fehlt. Das ist wirklich bedauernswert, denn »Devil’s Cape« ist grundsolide, nur das schlagende Herz des Buches ist gestohlen.

2,5 von 5 Punkten

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