Dienstag, 23. August 2016

Gastfilmkritik: Die Chroniken von Narnia II - Prinz Kaspian von Narnia


Im Jahr 2008 erschien der zweite Narnia-Film „Prinz Kaspian von Narnia“, wieder produziert von Walt Disney Pictures und Walden Media. Grundlage bildete das gleichnamige Buch von C.S. Lewis aus dem Jahr 1951, der veröffentlichte zweite Band der siebenteiligen „Chroniken von Narnia“ (nach der Erzählfolge ist das allerdings Band 4). Ein Jahr ist seit den Geschehnissen aus „Der König von Narnia“ vergangen, als die Pevensie-Geschwister Peter, Susan, Edmund und Lucy zurück nach Narnia gerufen werden, um dem rechtmäßigen Thronerben Prinz Kaspian und den Narnianern zu helfen, die Unterdrückung der Telmarer zu beenden.

Ziemlich zu Beginn des Films, nach dem Titel, wird „based on the book by C.S. Lewis“ eingeblendet – und viel mehr trifft es auch nicht. Das Buch wurde zwar als Grundlage genommen, die Figuren sind teilweise identisch und auch Bruchstücke der Handlung sind im Film wiederzuerkennen. Doch da hört die Gemeinsamkeit des Films mit dem Buch auch fast schon wieder auf. Anders als im ersten Film aus dem Jahr 2005 wurde diesmal so stark an der Handlung rumgebastelt und geändert, dass es schon einem Wunder gleicht, dass der Zuschauer überhaupt noch Ähnlichkeiten mit dem Buch feststellen kann. Es fängt gleich damit an, dass die Rückblende über Kaspians Geschichte, die im Buch den Pevensie-Geschwistern nach ihrer Rückkehr nach Narnia vom Zwerg Trumpkin erzählt wird, kurzerhand um mindestens die Hälfte gestrichen und dann als Auftakt des Films in die Haupthandlung integriert wird. Auch wird Kaspians Flucht sofort bemerkt und er wird von Soldaten seines Onkels verfolgt. Im Buch kann er unbehelligt fliehen; Verfolger kommen erst nach Tagen auf seine Spur. Zudem bläst Kaspian Susans Horn nicht erst nach einigen Tagen Kampf gegen Miraz‘ Truppen, sondern als er im Wald auf Zwerge trifft und seine Verfolger ihn fast eingeholt haben.
Die Änderungen zum Buch sind zu viele, um sie hier alle aufzuzählen. Zwei Dinge, die völlig frei hinzuerfunden wurden, möchte ich aber dennoch ansprechen: Zum einen wird im Film durch Blicke und später einen innigen Kuss eine entstehende Romanze zwischen Kaspian und Susan dargestellt. Zugegeben, die romantischen Momente (meist bestehend nur aus vielsagenden Blicken zwischen den beiden) sind im Verhältnis zum restlichen Film selten und subtil gehalten. Im Vergleich zum Buch aber, wo diese Romanze überhaupt nicht vorkommt, da sich Susan und Kaspian nur zu den Siegesfeierlichkeiten begegnen, fallen aber auch diese Hinzudichtungen ins Gewicht.
Auch existieren Spannungen zwischen Peter und Kaspian; man spürt von Anfang an zwischen den beiden einen kleinen Machtkampf, der nach dem missglückten nächtlichen Überfall der Narnianer unter Peters Leitung auf Miraz‘ Schloss kulminiert. Weder diese Spannungen noch der nächtliche Überfall existieren im Buch, auch nicht andeutungsweise.
Das einzig Positive an diesen ganzen Modifikationen der Buchvorlage ist, dass ein doch recht spannender Film dabei herausgekommen ist, wo die Geschichte im Buch kaum Spannungsbögen aufweist, da es sich um ein Kinderbuch handelt. Doch kann der Gewinn von Dramatik die beinah komplette Missachtung der Buchvorlage rechtfertigen?
Was mir an „Prinz Kaspian von Narnia“ aber gefällt, ist die audiovisuelle Umsetzung. Wie schon im ersten Film gelingt es dem Produktionsteam, die mystischen Kreaturen von Narnia glaubhaft zum Leben zu erwecken. Auch die Drehorte sind sehr gut gewählt worden; die Landschaftsaufnahmen sind einfach atemberaubend und verleihen Narnia seinen Charme. Und erneut liefert Harry Gregson-Williams den Soundtrack zum Film, der sowohl die dramatischen Verfolgungsjagden und Kampfszenen wie auch die ruhigen Momente passend musikalisch untermalt.
Zu loben ist auch die Besetzung. Die Pevensie-Geschwister werden von denselben Schauspielern gemimt, die die Rollen schon im ersten Film besetzt hatten, was Kontinuität beweist. Durch die inzwischen vergangenen drei Jahre zum ersten Film sind natürlich auch die Darsteller gealtert, was hervorragend in die Handlung passt, da ja seit der Reise in den Wandschrank ein Jahr vergangen ist. Die Zuschauer, die schon den ersten Film gesehen hatten, erkennen so die Hauptfiguren wieder und können sich besser mit den Charakteren identifizieren. Neu hinzugekommen sind die Telmarer, allen voran Ben Barnes als Prinz Kaspian und Sergio Castellitto als Miraz. Letzterem ist die Rolle des herrschsüchtigen Lords und später selbsternannten Königs von Narnia sehr gut abzukaufen. Und Ben Barnes bringt hervorragend die Unsicherheiten seines Charakters Kaspian rüber, zeigt aber auch deutlich dessen innere Stärke, die ihn zum wahren König macht.
Was mir am Film wesentlich besser gefällt als im Buch ist am Ende die Begründung von Aslan, warum Peter und Susan nach diesem Abenteuer nie mehr wieder nach Narnia zurückkommen können. Im Buch wird einfach gesagt „Ihr seid nun zu alt“ – was ja doch recht plump und abweisend wirkt. Im Film hingegen begründet Aslan dies mit „Sie haben in dieser Welt alles gelernt, was sie können. Jetzt müssen sie in ihrer eigenen leben.“

Fazit

Wer eine getreue Buchverfilmung erwartet, wird hier enttäuscht werden. Die Nebenhandlung wurde teils gestrichen, teils zur Haupthandlung umgemünzt. Und die eigentliche Hauptgeschichte wurde dermaßen zusammengestrichen, umgestellt und abgewandelt, dass es bald schon an ein Wunder gleicht, dass man im Film immer noch Teile des Buches wiederfindet. Für Liebhaber von getreuen Buchverfilmungen ist diese ein Grauen. Doch wer sich den Film ansehen kann, ohne ihn mit dem Buch zu vergleichen, kann sich auf einen angenehmen Abend freuen.


Diese Filmkritik verfasste Luinrina für Legimus.

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