Freitag, 8. Juli 2016

Rezension: Portugiesisches Erbe (Luis Sellano)

Heyne Verlag
Taschenbuch, 368 Seiten
ISBN: 978-3-453-41944-5
14,99 €

Ein kurzer Einblick

Im Zentrum des ersten Lissabon-Krimis des deutschen Autors Luis Sellano steht der ehemalige Polizist Henrik Falkner, der nach Lissabon reist und sofort von der Stadt am Tejo in den Bann gezogen wird. Er soll in der Stadt das Erbe seines Onkels antreten, den er nie getroffen hat, der ihm aber ein Haus mit Antiquitätengeschäft vermacht hat. Nach und nach entdeckt er, dass sein Onkel scheinbar jahrelang Gegenstände angehäuft hat, die mit einigen ungelösten Verbrechen verbunden sind. Als plötzlich jemand versucht, ihn umzubringen, stürzt sich Henrik in diesen Fall, der sein gesamtes Leben verändern wird…

Bewertung

Ich bin nur zufällig auf diesen Roman gestoßen, da ich sonst meist nur Islandkrimis lese, doch war nach dem Lesen umso froher, den Krimi als Rezensionsexemplar bekommen zu haben, denn Luis Sellano ist ein wirklich stimmungsvolles Buch gelungen. Dies liegt einerseits an der klug gewählten Location, in der der Autor seinen Krimi ansiedelt: das pulsierende Lissabon, das Sellano in seiner lockeren und bildlichen Sprache auch für jemanden wie mich, der die Stadt bisher noch nicht bereist hat, vor seinem geistigen Auge auferstehen lässt. Man scheint beinahe selbst mit Henrik durch die altertümlichen Gassen zu irren und seine ersten Pastéis de Nata zu verzehren. Sie bildet den idealen örtlichen Rahmen für all die geheimnisvollen Verbrechen, mit denen sich Henriks Onkel beschäftigt hat, über die man häppchenweise immer mehr erfährt, so dass sich im Laufe des Buches die Spannung sukzessive erhöht, bis man es irgendwann überhaupt nicht mehr aus der Hand legen kann.
Andererseits lebt der Krimi von seinem sympathischen, aber auch von einem Schicksalsschlag gezeichneten Hauptdarsteller, mit dem man zum einen herrlich mitknobeln und mitfiebern kann, zum anderen aber auch wirklich mitfühlt, je länger er sich versucht, in Lissabon zurechtzufinden und einen Neuanfang zu wagen, nachdem er vor wenigen Jahren seine Frau verloren hat und nicht komplett zu seinem Leben in Deutschland zurückfinden kann. Auch viele Nebenfiguren haben viele prägende Erlebnisse hinter sich, was dem Buch eine ganz eigene Melancholie und Schwermütigkeit gibt und bei der Lektüre noch mehr fesselt. Zu der stimmungsvollen Atmosphäre des Krimis passt auch das ansprechende Cover wie auch der abgebildete Stadtplan von Lissabon auf die Innenseiten des Covers, auf dem die wichtigsten Handlungsorte zur besseren Orientierung verzeichnet sind.

Fazit

Ein Buch, das definitiv Lust auf Lissabon macht! Man versinkt von der ersten Seite an in den kleinen Gässchen der Stadt am Tejo, erhält zudem noch rührende Charaktere und eine spannende Kriminalgeschichte geboten, die scheinbar als Reihe angelegt ist, wenn man das eher offene Ende betrachtet. Ich würde mich auf jeden Fall auf weitere Fälle mit Henrik Falkner freuen und kann diesen ersten nur wärmstens empfehlen!

4 von 5 Punkten


Wir danken dem Heyne Verlag für das bereitgestellte Rezensionsexemplar.

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