Freitag, 15. Juli 2016

Rezension: Olympia (Ulrich Sinn)

C.H.Beck Wissen
Taschenbuch, 126 Seiten
ISBN: 978-3-406-40339-2
Vergriffen, kein Nachdruck

Ein kurzer Einblick

Mit dem griechischen Olympia verbinden wir heute in erster Linie die sportlichen Wettkämpfe, aus deren Tradition auch unsere heutigen Olympischen Spiele entstanden sind. Doch Olympia war so viel mehr als nur der Austragungsort von Sportwettbewerben, wie der Archäologe Ulrich Sinn in diesem knappen Beck Wissen-Bändchen darstellt. Er geht der Geschichte des Ortes auf den Grund, zeigt seinen Beginn und Ruhm als Heiligtum und Ort der Weissagung auf, widmet sich aber genauso den sportlichen Wettkämpfen wie auch den verschiedenen Bauten und der Entwicklung des Heiligtums bis in die Spätantike.

Bewertung

Ich war bereits seit jeher begeisterter Zuschauer der Olympischen Spiele, saß schon als Kind stundenlang während der Wettkämpfe vor dem Fernseher und fand nun endlich einmal etwas Zeit, um mich auch mit den antiken Ursprüngen dieses Sportereignisses grob zu beschäftigen, wofür sich die kleinen Bände der Beck Wissen-Reihe immer sehr gut eignen. Dieses ist vermutlich auch noch von dem Experten für Olympia schlechthin verfasst worden, leitet Sinn doch (zumindest beim Erscheinen der 3. Auflage dieses Buches im Jahre 2004) bereits über Jahrzehnte Ausgrabungen im antiken Olympia, was er auch immer wieder in sein Werk einfließen lässt. Dieses ist chronologisch aufgebaut, behandelt zunächst die Ursprünge von Olympia, das in einer sehr fruchtbaren Gegend lag und das anfangs eine Verehrungsstätte für die Vegetationsgottheit Gaia hatte. Es folgt die Fokussierung auf die Verehrung des Zeus in Olympia, die Entwicklung des Orakels, das vor allem Rat in Kriegsangelegenheiten erteilte, und die Funktion von Olympia als Bindeglied zwischen griechischen Kolonisten etwa in Italien und ihrem griechischen Heimatland, in dessen Rahmen auch die sportlichen Wettkämpfe immer größere Bedeutung gewannen. Deren Entwicklung stellt Sinn in mehreren Kapiteln dar, um dann auf die Entwicklung und die Funktion der Bauten von Olympia einzugehen und auch die Zeit zwischen den Festen darzustellen. Ebenso werden die Wohltäter, die das Heiligtum mit Weihgeschenken unterstützten, und Neros Besuch des Ortes behandelt. Zuletzt geht Sinn noch auf Olympias Schicksal während der Spätantike ein, wie dieses nach und nach als Kultstätte aufgegeben und in eine christliche Siedlung umgewandelt wurde, dann im 7. Jahrhundert insbesondere aufgrund von Überschwemmungen ganz aufgegeben zu werden. Unterstützt wird der Text von einigen Abbildungen, außerdem werden immer wieder antike Quellen zitiert und zahlreich genutzt. Im Anhang gibt Sinn noch einmal einen Überblick über die Entwicklung von Olympia, stellt weiterführende Literatur vor, die zum Teil mehr auf die Thematik hätte zugeschnitten werden können, und erläutert kurz im Text auftauchende Personen und Figuren aus der antiken Mythologie.
Man erhält somit einen guten Überblick zum Thema antikes Olympia, der mit vielen vorherrschenden Mythen aufräumt und die aktuellen Erkenntnisse durch Ausgrabungen stetig mit einbezieht. Wie immer hätte ich mir mehr Informationen gewünscht, alles wird eben aufgrund der Kürze des Buches nur grob angerissen, aber mehr kann man eben von diesen Beck Wissen-Büchern nicht erwarten. Man bekommt einen guten Einstieg in die Thematik, der vor allem auch für Studenten interessant sein sollte, und wird zur Weiterbeschäftigung miz Olympia angeregt. Somit kann man an diesem Band kaum etwas kritisieren, alles Wichtige ist drin, wirklich begeistert ist man aber eben auch nicht.
Der vorliegende Band wird nicht mehr gedruckt, kann aber zumindest gebraucht noch erworben werden.

Fazit

Wer sich ein wenig mit den antiken Ursprüngen der Olympischen Spiele beschäftigen oder eben Olympia auch einmal losgelöster von den Sportwettkämpfen betrachten möchte, kann mit diesem kleinen Büchlein nicht viel falsch machen. Wissenschaftlich fundiert und immer aktuelle Forschungsergebnisse mit einbeziehend stellt Sinn die Geschichte von Olympia spannend und informativ dar und macht Lust auf eine weitere Beschäftigung mit dieser Thematik.

3,5 von 5 Punkten

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