Montag, 4. Juli 2016

Rezension: Liebesgrüße aus Arkham (Tobias Bachmann)

Edition Cthulhu Libria
Hardcover, 284 Seiten
Keine ISBN, Privatdruck
vergriffen

Ein kurzer Einblick

Das Grauen ist von vielerlei Gestalt. Die Postkarten aus Arkham bereiten auf einen kosmischen Kollaps vor und die Zeit, wird nie wieder so sein, wie sie war. Harmlose Begebenheiten führen zu großen Katastrophen. Der Besuch eines Hotels, erweckt den Schrecken der Stadt, der tief in den alten Mauern sitzt. Geheime Gänge führen in die Tiefen zur unterirdischen Stadt Merphatoris. Der Hilferuf eines Freundes, entfesselt das Wissen um die feurige Kraft des Auges von Cthugha. Habt auch Ihr eine Postkarte bekommen, dann hütet Euch vor den Konsequenzen, die daraus entstehen mögen.

Bewertung

Es gibt nicht viele Bücher, über deren Qualität Worte verloren werden müssen. »Liebesgrüße aus Arkham« gehört aber definitiv dazu! Das Buch ist nicht nur optisch mit Illustrationen von Thomas Hofmann hervorragend aufgemacht. Der Umschlag und die Seiten bestehen aus dickem, festem Papier. Die allermeisten Buchdeckel lassen sich biegen und bestehen aus billiger Pappe. Vorliegender Buchdeckel würde eher brechen, bevor er sich verbiegt, und kann genauso gut als Schlagwaffe dienen. Entsprechend schwer und hochwertig liegt die Storysammlung in der Hand. Goldprägung und ein Lesebändchen fehlen natürlich nicht.
Limitiert auf 100 Exemplare, mit Illustrationen von Thomas Hofmann versehen, handnummeriert und von Autor und Künstler signiert, ist »Liebesgrüße aus Arkham«, erschienen in der Edition CL, eine Sammelausgabe, die jedes Buchregal bereichert. Interessierte müssen leider enttäuscht werden, das gute Stück ist bereits restlos vergriffen.

»Liebesgrüße aus Arkham« ist der Weird Fiction zuzuordnen, teils schleicht sich etwas Science-Fiction ein. Die Kurzerzählungen siedeln allesamt im Lovecraft-Universum und werden durch eine Rahmenstory zusammengehalten: Den besagten »Liebesgrüßen aus Arkham«, Postkarten aus dem sagenumwobenen Lovecraft Country Massachusetts, Neuengland. Wie lovecraftschen Geschichten eigen, beziehen diese ihr Grauen und den Horror aus dem Übernatürlichen, dem Unerklärbaren und der Machtlosigkeit des Menschen gegenüber viel älteren Wesen; Cthulhu, Nyarlathotep oder Dagon entrichten beste Grüße. Zugegebenermaßen spielen die Großen Alten kaum eine Rolle. Die Zeit ist der wahre Gegner und birgt den größten Schrecken. Meist irdisch beginnend, entfaltet das Grauen sich in den dunkelsten Schatten. Immer wieder geht es um Zeit, Zeitstillstand, Zeitverwerfungen, Zeitreisen und demgegenübergestellt die Reisen der Menschen, des Individuums, das in Kontakt gerät mit einer Postkarte aus Arkham. Der Leser besucht Orte wie das unterirdische Merphatoris, Sizilien oder Sagunth, Tobias Bachmanns Lovecract-Version von Erlangen.
Um die Vielfältigkeit zu verdeutlichen, möchte ich drei Geschichten vorstellen. Über die schriftstellerische Qualität muss ich keine Worte verlieren, alle Stories spielen auf hohem Niveau, lassen die Furcht ein und vertreiben den Schlaf.

Das Auge des Cthugha ist ein lebender Feuerball und einer der Großen Alten. Gefangen gehalten in einer Kugel, mit Bannsprüchen am Ausbrechen gehindert, darf die Welt Frieden finden. Aus Neugierde und Unwissen entsteht immense Gefahr: Das Auge wird befreit und bringt abermals Vernichtung über die Menschen. Der Große Brand von London 1666, das Große Feuer von New York 1776, der Hamburg Brand 1842 - alle Feuer der Menschheitsgeschichte sind auf das Auge von Cthugha zurückzuführen. Nun ist es erneut frei und wütet auf Sizilien.

»Gegenwind« ist der Alptraum für jeden Radfahrer. Achim kommt zu spät zur Schule und stemmt sich gegen Wind und Regen. Doch es hilft nicht, er kommt einfach nicht voran. Egal wie sehr er strampelt und schwitzt, die Brücke nimmt kein Ende. Warum noch verzweifelt in die Pedale treten, wenn er es eh nicht mehr schaffen kann? Seine Uhr ist auch kaputt, läuft immer schneller rückwärts, ob das als Ausrede vor der strengen Lehrerin zieht? Heure d´école, die Zeit, lässt Wünsche wahr werden, anders als erwartet, aber unerbittlich.

Patrick findet auf einer Hautschuppe einen Brief geschrieben. Drucksend berichtet er davon dem Protagonisten, der vollkommen perplex die Nachricht liest. Der Twist funktioniert, die Überraschung gelingt, die Faszination für »Eine Handschrift aus dem Mikrokosmos« ist geweckt. Der Kindheitsschrecken lebt, die Monster unter dem Bett sind keine Fantasie. Sie jagen, sie fressen, sie halten dich wach. Die blutrünstige Bestie ist realer als gedacht.

Fazit

Der kosmische Schrecken schwebt als gruseliger Hauch durch das Fenster herein und lehrt das Fürchten. Die Zeit ist mehr als nur das Verstreichen von etwas schwer Greifbarem. Ob es dabei um die Zeit als direktes Verständnis geht, das Verständnis von Zeitreisen als Schutz für eine allumfassende Wahrheit oder den Schrecken aus der Vergangenheit, ist fast nebensächlich. »Liebesgrüße aus Arkham« verbindet nicht nur den eindringenden Wahnsinn über die Geschichten der Postkarten, sondern bietet hochkarätige Gruselkost - und wer weiß, vielleicht betrachtet der ein oder andere die Zeit mit neuen Augen.

4,5 von 5 Punkten

Enthalten sind die Stories:
Der Fledermausbaum (Vorwort)
Liebesgrüße aus Arkham
Das Auge des Cthugha
Der Handleser
Der Sack
Gegenwind
Der Merphatoris-Zyklus 1: Das Geheimnis des Globus
Der Merphatoris-Zyklus 2: Die Dunkelheit des Edgar R. Baker
Der Merphatoris-Zyklus 3: Der Apostel des Bösen
Der Merphatoris-Zyklus 4: Die Reinkarnation der Zeitenschwere
Eine Handschrift aus dem Mikrokosmos
De Profundis
Die Widmung des Teufels
Liebesgrüße aus Arkham zu einer Zeit, als diese Stillstand
Nachwort von Markus K. Korb

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