Mittwoch, 6. Juli 2016

Rezension: Babyjahre – Entwicklung und Erziehung in den ersten vier Jahren (Remo H. Largo)

Piper
Taschenbuch, 592 Seiten 
ISBN: 978-3-492-25762-6
12,99 €

Ein kurzer Einblick

Wie entwickeln sich Babys? Welche Entwicklungsschritte machen sie durch, bis sie laufen und sprechen können? Und verläuft das Wachstum bei jedem Baby gleich? Der renommierte Kinderarzt Remo H. Largo liefert in diesem Standardwerk zur Erziehung, Entwicklungspsychologie und -physiologie detaillierte und klare Antworten, die an der Spielbreite der Entwicklung der Kinder ausgerichtet sind.

Bewertung

Es gibt ja wirklich eine riesige Auswahl an Babyratgebern und wenn man das erste Mal Mutter wird, steht man meist ratlos vor dem Bücherregal und weiß nicht, welches man nehmen soll. „Babyjahre“ von Remo H. Largo hat mir hier bisher am besten gefallen.
Das Buch fängt mit einem klassischen Vorwort an, in welchem Largo die Ziele seines Buches beschreibt und warum es 2007 seit seiner Erstausgabe 1993 überarbeitet wurde.
Nach einer kurzen Einführung in die Grundbedürfnisse von Babys werden die nachfolgenden Bereiche behandelt, welche in ihrer Einteilung jeweils wie folgt aufgebaut sind: Eine Einleitung, gefolgt von „vor der Geburt“ und die Abschnitte „0 bis 3 Monate“, „4 bis 9 Monate“, „10 bis 24 Monate“ und „25 bis 48 Monate“.
Der Anfang macht das Kapitel Beziehungsverhalten, welches sich mit dem Bindungsverhalten der Babys und der nonverbalen Kommunikation beschäftigt. Auch wird das soziale Lernen beschrieben und welche Rolle die verschiedenen Betreuungsformen spielen.
Danach werden im Kapitel Motorik die ersten Bewegungen, Reflexe und die sich verändernde Körperhaltung erläutert. Besonders schön finde ich, dass hier die Wichtigkeit der Unfallprävention hervorgehoben wird.
Im Kapitel Schlafverhalten geht es um den geeigneten Schlafplatz, positive Einschlafrituale und wie sich das Schlafverhalten und der Schlafbedarf im Laufe der Entwicklung der Kinder verändert.
Nicht in die Altersabschnitte untergliedert ist das Kapitel Schreiverhalten. Es ist das kürzeste und widmet sich den möglichen Ursachen, warum ein Kind schreit und wie man am besten als Eltern damit umgehen kann.
Das Spielverhalten wird im fünften Abschnitt beschrieben. Zunächst geht Largo darauf ein, was Spiel eigentlich ist, um im weiteren Verlauf durch zahlreiche Fotos und Grafiken die Entfaltung des kindlichen Spielverhaltens zu erläutern.
Angefangen mit dem Hören und der allmählichen Lautentwicklung wird die Sprachentwicklung eingeleitet. Bis die Kinder zu einer verbalen Kommunikation fähig sind, vergeht einige Zeit, aber ich kann aus eigener Erfahrung sagen, dass die Tage immer interessanter werden, je mehr die lieben Kleinen sich ausdrücken können…
Als ein elementares Grundbedürfnis wird das Trinken und Essen vorgestellt. Bereits in der Schwangerschaft wichtig, geht es über in die Flaschennahrung / das Stillen, gefolgt von den Breimahlzeiten, um im selbstständigen Essen und Trinken mit jeweils individuellen Vorlieben zu münden.
Darauf aufbauend wird die Zahn- sowie die Größen- und Gewichtsentwicklung im vorletzten Abschnitt Wachstum dargestellt.
Last but not least geht es im Trocken und sauber werden darum, wann ein Kind bereit ist, sauber zu werden und wie sich die Blasenkontrolle entwickelt.
Dieses Kapitel finde ich leider nicht so gelungen. In „0 bis 3 Monate“ gibt Largo sehr treffend wieder, dass Babys den Trieb besitzen, ihr Nest nicht zu beschmutzen und entsprechende Signale geben, damit die Mutter weiß, wann ihr Baby muss und es entsprechend abhalten kann. Nur „weil wir nicht mehr darauf reagieren, verliert es sich bereits nach einigen Wochen“. (S. 535) Einige Seiten weiter wird allerdings auch hier wieder die allgemein vorherrschende Meinung vertreten, dass Kinder ihre Blasen- und Darmkontrolle erst im ca. dritten Lebensjahr entwickeln. Das finde ich mit meinem heutigen Wissen sehr schade, denn die Erfahrung, die ich mit meinem zweiten Sohn gemacht habe, ist, dass Babys ihr Ausscheidungsbedürfnis von Geburt an wahrnehmen und es durchaus auch kontrollieren können. Das zeigt mir mein fünf monatiger Sohn tagtäglich, denn ich halte ihn ab, wenn ich merke, dass er sich erleichtern muss. Da er mittlerweile weiß, dass wir das regelmäßig machen, kann er bereits jetzt solange anhalten, bis ich ihn über das Töpfchen oder die Toilette halte. Diese Elimination Communication oder windelfrei, wie es bei uns oft heißt, wird leider noch viel zu selten erwähnt und nur durch Zufall bin ich während meiner zweiten Schwangerschaft darauf gestoßen. Es hat nicht nur den Vorteil, dass die Babys ihr natürliches Körpergefühl durch die immer saugstärkeren Windeln nicht verlieren und auch nicht in ihren eigenen Ausscheidungen liegen müssen, sondern es spart auch eben eine enorme Menge an Windelmüll ein.
Zusammengefasst kann ich sagen, dass mir die Aufteilung des Buches sehr gut gefällt. Man findet sich in diesem Ratgeber wunderbar zurecht und entdeckt leicht die Informationen, die man sucht. Im Anhang sind dann noch diverse Übersichten und Fragenkataloge für Kitas etc. zusammengestellt.

Fazit

„Babyjahre“ gibt eine äußerst gelungene Übersicht über die ersten vier Jahre eines Kindes. Durch die sehr verständlich geschriebenen Beispiele, vielen Bilder und auch Grafiken lädt es zum immer wieder Nachschlagen ein und vermittelt auf übersichtliche Weise viel Wissen. Ich hoffe, dass der Ratgeber immer wieder auf neues bzw. wieder entdecktes Wissen hin überarbeitet wird und dadurch noch vielen Generationen den Start ins Elternsein erleichtern wird. 

4,5 von 5 Punkten

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