Sonntag, 17. Juli 2016

Gastrezension: Alfie kehrt heim (Rachel Wells)

Bastei Lübbe
Taschenbuch, 288 Seiten
ISBN: 978-3-404-17334-1
8,99 €


Ein kurzer Einblick

Als Alfies Besitzerin verstirbt, soll er in ein Tierheim abgeschoben werden. Doch da macht der junge Kater nicht mit: Kurzerhand nimmt er sein Schicksal selber in die Hand und begibt sich auf die Suche nach einer neuen, lieben Familie. Unterwegs muss er aus so manch brenzliger Situation flüchten. Doch nach langer Suche findet er in der Edgar Road ein neues Zuhause. Noch ahnt er nicht, dass seine neuen Menschen ihn genauso sehr brauchen wie er sie.

Bewertung

Gleich zu Beginn des Buches wird Alfie mit dem Tod seiner geliebten Besitzerin konfrontiert und der Frage, was nun aus ihm werden soll. Wunderschön beschreibt die Autorin die Gefühle von Trauer und Verlust und die daraus geborenen Überlebensängste. Gerade letzterem muss sich der Kater auf seiner Reise immer wieder stellen, selbst nachdem er längst ein neues Zuhause gefunden hat. Er möchte nie wieder allein sein, ein Gefühl, was sicherlich jeder auf die ein oder andere Art und Weise kennt. Ein Kater, den Alfie unterwegs kennenlernt, erzählt ihm daher von seiner eigenen Lebensweise als Haustürkatze – er hat mehrere Familien, bei denen er wohnt und die ihn versorgen. Sollte eine Familie wegziehen oder aus anderen Gründen nicht mehr für den Kater sorgen können, dann kann er auf eine der anderen Familien zurückgreifen. Alfie gefällt diese Idee und wenige Zeit später hat er sich in der Edgar Road vier Familien ausgesucht, die er bald sein eigen nennt.
Aufgrund der Erzählweise aus Sicht des Katers, noch dazu als Ich-Erzähler, mag "Alfie kehrt heim" auf den ersten Blick wie ein Kinderbuch anmuten; es liest sich sehr leicht und man kommt zügig voran. Die Kapitel und Sätze sind kurz und übersichtlich gehalten, was einem Kind das Lesen sicherlich vereinfacht. Doch auf den zweiten Blick ist das Buch alles andere als (nur) für Kinder geschrieben. Die vier Familien, die sich Alfie in der Edgar Road herauspickt, haben alle ihre Sorgen und Nöte, die von Trennungsschmerz nach missglückter Ehe über Einsamkeit nach Umzug von Polen nach London bis hin zu postnataler Depression einer jungen Mutter reichen. Alfie lernt daher schnell, dass nicht nur er die Liebe der Menschen braucht, sondern seine Familien auch seine Zuwendung. Als Kater mag er den Menschen nie die Hilfe und Unterstützung zukommen lassen, die sie eigentlich benötigten, doch er kann ihnen auf seine Art Zuneigung und Freundschaft entgegenbringen und so in schweren Zeiten zur Seite stehen. Es ist wissenschaftlich belegt, dass die Gesellschaft von Tieren eine heilende Wirkung auf die Psyche des Menschen hat, und dies wird in "Alfie kehrt heim" ganz besonders deutlich. Man spürt und sieht, welchen positiven Einfluss der Minitiger auf die Menschen hat: Alfie ist immer da, wenn einer seiner Menschen Trost benötigt, spielt mit den Kindern und wird deren Freund in einem fremden Land. Und dank seines unfehlbaren Instinkts weiß er, wann echte Lebensgefahr droht und dringend Abhilfe geschaffen werden muss.
Die Autorin schafft es, die Wünsche und Gefühle des Protagonisten Alfie deutlich darzustellen und sie dem Leser so zu präsentieren, dass man sich wunderbar in ihn hineinversetzen und mit ihm mitfühlen kann. Es fällt somit leicht, nicht nur mit dem Kater sondern auch mit den unterschiedlichen Menschen in Alfies Leben eine Bindung einzugehen und Anteil an deren Alltag zu nehmen. Man freut sich für jede positive Wendung und ist enttäuscht, wenn etwas nicht so klappte, wie sich die Figuren es wünschten. Dass die Autorin so überzeugend über den Einfluss von Katzen auf den Menschen erzählen kann, liegt an den vielen Katzen, die sie selber bereits kennenlernen durfte. Ich als absoluter Katzenliebhaber finde es daher sehr rührend, dass sie ihre Minitiger im Dankeswort einschließt: "Ihr seid nicht bloß Haustiere, ihr seid viel mehr." (S. 285) Das wird in diesem Buch mehr als deutlich.

Fazit

Eine großartige Geschichte über Freundschaft und was es heißt, in schweren Zeiten füreinander da zu sein. Nicht nur Katzenliebhaber sollten an dem Buch ihre Freude haben. Und auch wenn sich die Geschichte durchaus für Kinder eignet, so werden erst erwachsene Leser die Sorgen und Nöte der Charaktere vollends begreifen und die Message des Buches verstehen.

5 von 5 Punkten


Diese Rezension verfasste Luinrina für Legimus.

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