Sonntag, 24. Juli 2016

Gastfilmkritik: Die Chroniken von Narnia I – Der König von Narnia


2005 brachten Walt Disney Pictures und Walden Media den im Jahr 1950 erschienenen ersten Band der siebenteiligen „Chroniken von Narnia“ auf die Kinoleinwand. Erzählt wird die Geschichte von den Pevensie-Geschwistern Peter, Susan (in den deutschen Übersetzungen der Bücher manchmal auch Suse genannt), Edmund und Lucy. Durch einen Zufall entdecken die Kinder die geheimnisvolle Welt von Narnia in einem alten Kleiderschrank. Dort herrscht seit 100 Jahren ewiger Winter, verursacht durch die Weiße Hexe Jadis. Gemeinsam mit den Bewohnern des Waldes und dem mächtigen Löwen Aslan machen sich die Kinder daran, die um sie rankende Prophezeiung zu erfüllen und das Land Narnia zu befreien.

Das Buch wurde für Kinder geschrieben und hat gerade einmal 158 Seiten. Die Geschichte ist rasch erzählt und schnell gelesen. Das sollte dementsprechend kein Problem darstellen, das Buch als Film originalgetreu umzusetzen. Und Walt Disney Pictures und Walden Media zeigen, wie es geht. Bei einer Filmlänge von über zwei Stunden (sowohl die Kinoversion als auch die erweiterte Fassung aus der Vier-Disc Royal Edition, die neben etlichen Blicken hinter die Kulissen mit 15 zusätzlichen Minuten Filmmaterial aufwartet) blieb dem Produktionsteam genügend Zeit, auch das allerkleinste Detail aus dem Buch umzusetzen.
Und abgeliefert wurde im wahrsten Sinne des Wortes: Nicht nur haben die Kreativen Zentauren, Faune, Einhörner und allerlei andere mystische Fabelwesen glaubhaft zum Leben erweckt, mit Drehorten in England, Polen, Tschechien, Neuseeland und den USA verliehen sie Narnia sein visuell bezauberndes Dasein. Der Zuschauer wird mitgenommen auf die Reise in dieses fantastische Land.
Verglichen zum Buch ist der Film aber kein 100%iges Kindermaterial mehr. Während C.S. Lewis in seiner Erzählung Kampf und Tod geschickt übergeht, ohne sie vollständig aus der Handlung zu streichen, weiten die Filmemacher dies deutlich aus. So wird beispielsweise im Buch nur erwähnt, dass die Kinder „im Krieg […] wegen der vielen Luftangriffe von London fortgeschickt“ (S. 7) wurden. Der Film beginnt mit genau einem solchen Luftangriff. Dasselbe geschah mit dem nächtlichen „Treffen“ am Steintisch und auch der Entscheidungsschlacht zwischen den Narnianern um Aslan und der Weißen Hexe mit ihren Horden. Hier haben die Filmemacher aus einer relativ abwechslungsarmen Kindergeschichte einen teils dramatischen Blockbuster kreiert, ohne die Handlung des Buches zu zerstören.
Der Spannung wegen wurden noch andere Änderungen, wie kleinere Kürzungen, an der Handlung vorgenommen. Zum Beispiel folgen die Kinder im Buch einem Rotkehlchen ein ganzes Stück durch den Wald, bevor sie dem Biber begegnen. Im Film kommt das Rotkehlchen zwar vor, doch kaum wurde das Vögelchen von den Kindern entdeckt, war es auch schon wieder verschwunden und der Biber tritt ins Bild. Die Szene bei der Flussüberquerung, als der Wasserfall schmolz und die Eisdecke aufbrach, kommt im Buch überhaupt nicht vor. Ebenso wenig spielt der Fuchs eine Rolle. Im Film passen sich diese Änderungen zum Buch aber so hervorragend ein, dass man das Gefühl hat, C.S. Lewis hat die Handlung genau so niedergeschrieben. Insgesamt finde ich den Film sehr gut ausbalanciert zwischen Treue zur Buchvorlage und eigener Kreativität. Das macht den Film erst wirklich sehenswert.
Untermalt wurde die Handlung mit einem wunderschönen Soundtrack von Harry Gregson-Williams, der die jeweiligen Szenen hervorragend unterstützt. Während des Abspanns liefen dann noch die Lieder „Can't Take It In“ (gesungen von Imogen Heap), „Wunderkind“ (gesungen von Alanis Morissette) und „Winter Light“ (gesungen von Tim Finn), die auch sehr gut zur Handlung des Films passen.
Auch die Darsteller wurden sehr gut gecastet. Tilda Swinton überzeugt auf ganzer Linie als Weiße Hexe, vor allem mit ihren Blicken (Wenn Blicke töten könnten…). William Moseley als Peter und Anna Popplewell als Susan bringen sehr schön zur Geltung, dass sie die zwei älteren der Geschwister und somit anfangs misstrauisch sind. Skandar Keynes als Edmund sticht schon durch sein Äußeres leicht aus der Reihe. So sind seine Haare dunkler als die seiner Geschwister, was seine Rolle als „schwarzes Schaf“ optisch unterstützt. Aber durch seine schauspielerische Leistung verdeutlicht er sehr gut Edmunds Gefühle und Gedanken, die ihn überhaupt erst dazu brachten, zum Verräter zu werden. Und Georgie Henley als die kleine Lucy verzaubert mit einer Mischung aus kindlichem Charme und mutiger Entschlossenheit.

Fazit

Eine exzellente Verfilmung eines englischen Kinderbuchklassikers, die man sich immer wieder gern ansieht. Mit einigen wenigen Ausnahmen hält sich die Handlung strikt an die Buchvorlage, aber auch die kreativen Freiheiten der Filmemacher fügen sich nahtlos in die Geschichte ein. „Die Chroniken von Narnia – Der König von Narnia“ ist ein wahrer Genuss für das Zuschauerauge.


Diese Filmkritik verfasste Luinrina für Legimus.

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