Sonntag, 5. Juni 2016

Rezension: Under the Greenwood Tree (Thomas Hardy)

Penguin Classics
Taschenbuch, 288 Seiten
ISBN: 9780140435535
10,65 € (Stand: 05. Juni 2016)

Ein kurzer Einblick

Im kleinen Städtchen Mellstock bringen zwei neu hinzugezogene Bewohner einiges in Aufruhr. Der neue Reverend Maybold kommt mit seinen Modernisierungsplänen für die Kirche nicht bei allen Einwohnern gut an und die neue Schullehrerin Fancy Day verdreht den Männern reihenweise den Kopf. Der Kirchenmusiker Dick Dewy, der aus einfachen Verhältnissen kommt, verliebt sich auf den ersten Blick in sie und kann langsam ihr Herz für sich gewinnen, doch dann werben auch der reiche Farmer Shinar und schließlich ebenso Maybold selbst um Fancy, die jedoch bereits heimlich mit Dick verlobt ist, doch wird sie ihr Versprechen ihm gegenüber halten?

Bewertung

Dieses Frühwerk von Thomas Hardy ist der dritte Roman, den ich von ihm gelesen habe, wobei die Bezeichnung Novelle aufgrund der Kürze des Buches besser zutrifft. Veröffentlicht wurde es 1872, die Handlung spielt aber meines Wissens ein paar Jahrzehnte früher, wie auch bei vielen anderen Werken von Hardy. Er setzt den Ort der Handlung zum ersten Mal in der von ihm so genannten Region Wessex im Süden Englands an, in der auch seine späteren Romane spielen. Ebenso wird die Geschichte vor dem Hintergrund der Entwicklung der damaligen ländlichen Gegend aufgebaut, die langsam der Industrialisierung weichen muss, was auch eins seiner bevorzugten Themen in seinen Büchern darstellt. Hier wird diese Thematik noch um den Aspekt der Modernisierung in der Kirche erweitert, wobei dieser Handlungsstrang nur den Rahmen der Haupthandlung bildet. Der Fokus des Buches liegt eindeutig auf der Liebesgeschichte zwischen Fancy und Dick, die immer vor neue Schwierigkeiten gestellt wird. Was Hardy aber bereits so gut wie in seinen späteren Werken gelingt, das ist die bildliche Beschreibung des Landlebens und der ländlichen Gegend, in die man sich von der ersten Seite an zurückversetzt fühlt. Verstärkt wird dies noch durch die Verwendung eines ländlichen Dialekts, dem man auch sehr schnell sehr gut folgen konnte.
Woran man diesem Buch jedoch noch die Unerfahrenheit seines Autors anmerkt, ist einerseits die noch nicht so tiefgehende Zeichnung seiner Figuren im Vergleich zu Hardys Spätwerken und andererseits die noch recht simple Handlung. Dick wird dem Leser zwar direkt sympathisch, doch seine innige Liebe zu Fancy und die damit verbundene bedingungslose Ergebenheit wirkte nicht immer realistisch. Mit Fancy wiederum konnte ich mich nie wirklich anfreunden. Sie ist sehr eitel und sucht zu sehr nach oberflächlicher Anerkennung. Außerdem ist ihre Reaktion auf Maybolds Antrag gegen Ende des Buches für mich nicht nachvollziehbar herausgearbeitet worden, was ihr ebenso eine eher unrealistische Note gibt. Der Roman hat schlichtweg noch nicht die emotionale Tiefe späterer Romane, er ist auch wesentlich fröhlicher als seine Nachfolger, bloß das Ende mit seinem faden Beigeschmack gab dem Buch eine sehr realistische und menschliche Seite, die dem Roman sonst noch fehlt.
Es scheint zur Zeit keine aktuelle Ausgabe des Buches auf Deutsch zu geben, das meist mit „Die Liebe der Fancy Day“ übersetzt wird. Auch die englische Version sorgte bei mir für ein wenig Verwirrung. Meine von Penguin ist eine UK-Ausgabe, hat aber ein anderes Cover als diejenige, die man im Internet kaufen kann, wenngleich aber die gleiche ISBN. Ich habe hier also die Ausgabe angegeben, die man derzeit bei Amazon erwerben kann. Ob diese die gleichen Anhänge wie meine hat, kann ich nicht sagen. Meine verfügte auf jeden Fall (wie eigentlich gängig bei Penguin) über eine ausführliche Einleitung zum Buch, eine Zeittafel zu Hardys Leben und zahlreichen Anhängen zur Erläuterung des Textes.

Fazit

Wer Thomas Hardys spätere Werke so sehr zu schätzen weiß wie ich, wird sich auch an diesem frühen Roman erfreuen, der zwar noch einige Schwächen bei der Handlung und der Zeichnung der Figuren aufweist, aber bereits dieses ländliche Flair seiner Spätwerke versprüht und kurzweilige Unterhaltung bietet. Mich hat er auf jeden Fall neugierig auf weitere Bücher des Autors gemacht!

4 von 5 Punkten

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