Dienstag, 14. Juni 2016

Rezension: Nacht ohne Sterne (Gesa Schwartz)

cbt
Hardcover, 544 Seiten
ISBN: 978-3-570-16320-7
18,99 €

eBook, 14,99 €
ISBN: 978-3-641-15061-7

Ein kurzer Einblick

Eine magische Welt entfaltet sich zwischen unserer Realität und den Träumen der Fantasie. Naya, Tochter einer Elfe und eines Menschen, wird in einen uralten Krieg der Licht- und Dunkelelfen hineingezogen. Doch steht sie auf der richtigen Seite? Wem kann sie trauen? Geheimnisse lüften sich, Illusionen zerfallen zu Trümmern der Wahrheit. Letztendlich muss Naya auf ihr Herz hören.

Bewertung

»Nacht ohne Sterne« erinnert sehr an »Grim«. Da ist das Mädchen, das zwischen zwei magischen Welten in der Welt der Menschen aufwächst und zur Mittlerin und Schlüsselgestalt wird. Uralte Magie trennt die Welten voneinander und Licht und Dunkelheit, Feuer und Eis liegen in einem Krieg, der scheinbar nur ein Gesetz kennt: das Gesetz der stärkeren Partei. Glücklicherweise verwischt Gesa Schwartz die Schwarzmalerei zu schillernden Grautönen. Selbst die Königin der Lichtelfen und der König der Dunkelelfen besitzen tief in ihrem inneren eine Ambivalenz, die das reine Gute und das reine Böse nicht zulässt. Ist der Krieg überhaupt noch eine Schlacht zwischen Licht und Finsternis? In gewisser Weise und zugleich auch nicht. Unbarmherzigkeit kämpft gegen Freiheit, der Traum begehrt gegen den Wächter auf. Es ist ein Krieg der Motive, in den Naya, Tochter eines Menschen und einer Elfin, hineingerät.
Naya weiß um die magischen Welten, doch sie selbst ist kein Teil von ihr. Eines Tages gerät sie zwischen die Fronten der Askari und Bharassar. Sie muss ihr Erbe antreten, das in ihr erwacht. Hin- und hergerissen zwischen Jaron und Vidar, muss sie sich und ihr Herz entscheiden. Jaron ist ihr bester Freund seit Kindheitstagen. Er ist aber auch der strahlende Ritter der Askari. Ebenso ist er der verknallte Trottel, der seine Gefühle hinter der Freundschaft zurückstellt. Ganz anders Vidar. Er ist Nayas dunkler, verführerischer Traumprinz, aus den Schatten geboren, geheimnisvoll und mit einem Hauch von anziehender Gefahr umgeben. Unnahbar übt Vidar eine Anziehungskraft aus, der Naya nicht widerstehen kann. Sie folgt ihrem Herzen und tut, was sie für richtig hält. Nicht Gut oder Böse, nicht Weiß oder Schwarz interessiert sie, sondern die gutgemeinte Tat, egal von welcher Seite ausgeführt.
Magisch, wunderbar, blumig, herzzerreißend, spannend und reizvoll entfaltet sich die Story. Sie ist simpel, zieht ihre Stärke aus den unzähligen Grautönen und dem träumerischen Schreibstil. Zugleich entpuppt sich der Stil als schwafelig und ausschweifend. Gerade im Mittelteil versinkt die Geschichte in Monotonie: Naya folgt ihrem Führer ins Ungewisse. So besteht ihre Flucht vor den Feinden aus Wandern, Reden und Träumen - in Dauerschleife. Eine erhebliche Kürzung hätte hier notgetan. Die Handlung tritt auf der Stelle. Es ist nach wie vor faszinierend den schillernden Landschaftsbeschreibungen, den ausgeschmückten Träumereien oder den Überlegungen Nayas zu folgen. In scheinbarer Endlosschleife jedoch, ohne wirkliche Handlung, dümpelt die Leselaune an der Oberfläche und lässt die Gedanken des Lesers abschweifen. Es ist teils anstrengend genug dem verschnörkelten Stil zu folgen, der selbst Actionszenen in ruhiger Harmonie darzustellen vermag, wenn die Autorin es darauf anlegt. Sie beherrscht die Geschwindigkeit des Leseflusses wunderbar, verliert sich aber viel zu oft in zu ausschweifenden Beschreibungen.

Fazit

»Nacht ohne Sterne« ist ein wunderschöner Traum, der Magie in flirrenden Farben und schillernden Nuancen auf eine atemberaubende Reise schickt. Grautöne vermengen sich mit sympathischen und ambivalenten Charakteren, die die Story zu weit mehr werden lassen als einen simplen Abklatsch Schwarz gegen Weiß. Gegen die Ausschweifungen des blumigen Sprachstils kommt jedoch keine Faszination an. Zu viel ist zu viel oder anders gesagt: Den verschnörkelten Stil muss man mögen.

3 von 5 Punkten

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