Sonntag, 26. Juni 2016

Rezension: Höllenherz. Eine erotopoetische Diableske tragischer Natur (Christian von Aster)

Edition Roter Drache
Hardcover, 64 Seiten
ISBN: 978-3-946425-01-4
12,00 €

Ein kurzer Einblick

Die Odyssee des Teufels ist aus Menschlichkeit geboren. Aus der Hölle verstoßen, weil der Teufel ein Herz hat, sucht er seinen Platz in der Welt. Aristokratinnen und Narren, Poesie und Sinnlichkeit, Begegnungen mit steinernen Göttern und jemandem, der ihn nicht wegen des Todes seiner Frau, sondern eines Stuhles wegen nach dem Leben trachtet. Die Illustrationen Sergej Schells unterstreichen den poetischen Sprachstil fabelhaft.

Bewertung

In der Hölle ist nicht alles teuflisch. Menschlichkeit und ein Herz gibt es auch dort. Jedenfalls bis der Teufel ausgestoßen wird in die Welt der Menschen. Mit seinem Wesen war er nicht diabolisch genug. Nun irrt der Teufel auf der Suche nach Liebe über die Erde, auf der Suche nach der Frau, die die erste Liebesnacht mit ihm überlebt. Denn ein Gesetz ist dem Teufel gewiss: Keine Frau kann die Nacht mit ihm überleben.
In des Kusses erster Stunde verlor der Teufel zwei Mal die Sinne, und in der zweiten schlang sich ihre Zunge um sein Herz. (Seite 26)
Sprachlich beherrscht Christian von Aster eine große Varietät. Mittelalterlich angehaucht, doch durchaus modern verfasst, verfällt der Autor in den erotischen Nächten einer blumigen Sprache. Ausnahmsweise ist das alles andere als negativ, denn »Höllenherz« ist kein Porno, sondern des Teufels Suche nach einer Erlösung aus den Qualen der Welt, aber ebenso die Suche nach einem Platz in ebendieser. Die Anzüglichkeit seiner Person und die rasche Vereinnahmung der Frau ist seiner Erscheinung geschuldet. Burlesk und humorvoll sind die Anspielungen (sorry, keine Spoiler bei einem so schmalen Büchlein), und Wendungen. Die Art des Schreibstils und der Humor paaren sich eindrucksvoll zu einem Konglomerat wahrer Lesefreude. Das schwarzhumorige Finale bietet einen würdigen Abschluss.

Alleingestellt wäre »Höllenherz« zwar eine fabulöse Geschichte, doch einer Höchstwertung nicht ganz gerecht. Die Illustrationen Sergej Schells runden das Vergnügen gänzlich ab. In Schwarz-, Grau- und Rottönen gehalten, unterstreichen die bizarren Zeichnungen die Story. Vorgeschmack gefällig? Das Cover stammt ebenfalls vom Künstler.

Fazit

»Höllenherz« ist nicht nur ein optisches Schmankerl, sondern bietet auch beste Unterhaltung, die nicht auf dem Pfad des Mainstreams anzutreffen ist. Freunde phantastischer Literatur sind dazu verpflichtet zuzugreifen. All jene, die Bücher suchen, die aus der Masse herausstechen, sollten einen Blick riskieren.

5 von 5 Punkten

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