Sonntag, 19. Juni 2016

Rezension: Die Ernährungsdiktatur (Tanja Busse)

Blessing Verlag
eBook, 13,99 €
ISBN: 978-3-641-04826-6

Ein kurzer Einblick

In ihrem zweiten Werk widmet sich Tanja Busse der heutigen Ernährung in den Industriestaaten, die beinahe ausschließlich durch wenige multinationale Konzerne geleistet und immer künstlicher wird. Die meist gleichen Grundzutaten – wie Mais, Weizen und Reis – werden mit künstlichen Aromen, Süßstoffen und Geschmacksverstärkern aufgepeppt. Dies trägt entscheidend dazu bei, dass weltweit etwa 1,6 Mrd. Menschen an Übergewicht leiden, gleichzeitig jedoch etwa genauso viele hungern müssen. Folgen eines ungerechten Weltwirtschaftssystems, das unser Klima und die Umwelt gefährdet und in dem große Konzerne auf Kosten der Kleinbauern Milliardengewinne machen. Doch Busse zeigt auch auf, wie es besser gehen kann.

Bewertung

Hatte sich Tanja Busse in ihrem ersten Sachbuch „Die Einkaufsrevolution“ noch mit den Missständen unserer gesamten weltweiten Wirtschaft beschäftigt, legt sie in diesem Buch nun den Fokus auf die Lebensmittelproduktion. Kapitelweise werden die zahlreichen Probleme, die sich aus unserem globalisierten Wirtschaften, das von wenigen global agierenden Akteuren wie Nestle oder Unilever dominiert wird, aufgezeigt. Es wird u.a. auf die etwa 1,6 Mrd. Menschen eingegangen, die derzeit (oder zumindest 2010, als das Buch erschien) als derart übergewichtig gelten, dass sie damit ihre Gesundheit gefährden, Krankheiten wie Diabetes sind immer stärker auf dem Vormarsch, während gleichzeitig ungefähr genauso viele Menschen meist in den südlichen Ländern Hunger erleiden müssen. Des Weiteren stellt das Buch dar, wie wir geschickt von den Konzernen in die Irre geführt werden, mit schwammigen Zutatenangaben, die unsere immer künstlichere Nahrung verschleiern sollen, wie sukzessive die Sortenvielfalt der Landwirtschaft reduziert wird und wir uns hauptsächlich nur noch von schnell wachsenden Pflanzen wie Mais, Weizen und Reis ernähren, wie unzählige Kleinbauern, die das meiste unserer Lebensmittel überall auf der Welt anbauen, von den großen Multis und auch durch unsere Ernährungsweise in die Armut gedrängt werden, weil etwa in vielen südlichen Staaten auf den meisten Anbauflächen Nahrung wie Soja für den Export angebaut wird, mit dem die Tiere für unseren übermäßigen Fleischkonsum gefüttert werden, so dass aber nicht genug Anbauflächen zur Versorgung der einheimischen Bevölkerung zur Verfügung stehen, wie die Böden immer mehr an Fruchtbarkeit verlieren durch Pestizideinsatz und zahlreiche Monokulturen, wie die großen Konzerne zusätzlich dann auch noch von der Politik unterstützt werden und wie die Zustände in der Fleischproduktion aussehen mit hochgezüchteten Schweinen und Geflügel. Außerdem wird auch dem Bereich Gentechnik noch zwei Kapitel gewidmet, um dann zum Abschluss des Buches auf Verbesserungsmöglichkeiten einzugehen, wie wir alle unsere Ernährung wieder mehr in die eigene Hand nehmen können und uns von dem Essen, das uns die Industrie auftischt, distanzieren können. Kurz zusammengefasst: Fair Trade, ökologisch, saisonal und am besten regional einkaufen, Discounter und andere Preisdrücker meiden, nur so viel kaufen, wie auch verzehrt wird, Fertiggerichte, Aromen und Zusatzstoffe meiden, nach Möglichkeit selbst einen kleinen Garten anlegen.
All dies wird sehr allgemein verständlich und spannend dargestellt, wobei sich das Buch eher als Einstieg in die Thematik eignet. Es gibt schockierende Einblicke in die meisten Missstände unseres heutigen Wirtschaftens, bietet aber nicht viel Neues, wenn man sich bereits mit diesen Themen beschäftigt hat. Ich würde es daher vor allem denjenigen empfehlen, die sich einen ersten Überblick über unsere derzeitige Nahrungsmittelproduktion verschaffen möchten, da zwar viele Aspekte angesprochen werden, die auch die Komplexität der Thematik verdeutlichen, dabei aber nicht sehr in die Tiefe gegangen wird. Dafür bietet aber der Anhang zahlreiche Literaturtipps, wenn man sich eingehender mit den Themen beschäftigen will, zudem werden Empfehlungen von Jean Ziegler, Michael Pollan und dann von Tanja Busse selbst gegeben, wie man sich gesund, klimafreundlich und selbstbestimmt ernähren kann. Zu kritisieren habe ich an diesem Werk eigentlich so gut wie gar nichts, bloß die Erklärungen einiger Probleme wurden ein wenig einseitig und monokausal dargestellt, alles kann man nun einmal auch nicht durch unser Wirtschaftssystem erklären.
Das Werk ist mittlerweile nur noch als eBook erhältlich, kann aber in gedruckter Version noch gebraucht erworben werden.

Fazit

Wie schon die beiden anderen Bücher von Tanja Busse ist auch dieses nur zu empfehlen. Es gibt einen ganz wichtigen und informativen Überblick über die Produktion unserer Nahrungsmittel und deckt zahlreiche Missstände auf. Gleichzeitig bietet es aber auch zahlreiche, oftmals ganz simple und leicht zu bewerkstelligende Tipps, wie sich jeder von uns wesentlich gesünder und losgelöster von den vielen künstlichen Produkten der großen Konzerne ernähren kann. Ein ganz wichtiges Buch!

4 von 5 Punkten

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