Dienstag, 21. Juni 2016

Rezension: Diabolos MMXIV (Steffen Janssen (Hrsg.))

Luzifer Verlag
Paperback, 552 Seiten
ISBN: 978-3-943408-25-6
16,95 €

eBook, 4,99 €
ISBN: 978-3-943408-61-4

Ein kurzer Einblick

Kealan Patrick Burke lässt euch gruseln. Christopher Fowler verbiegt die Fantasy zu einem siffenden Ungetüm der Abscheulichkeit. Craig DiLouie verschleppt euch zu amerikanischen Hinterwäldlern. Michael Dissieux lässt den Teufel von der Leine. Lars Maria Maly lässt das Loch einer Frau wachsen - flupp! Torsten Scheib krempelt euren Magen um und stülpt ihn euch über den Kopf. 23 Horrorgeschichten - gruselig, subtil, blutig.

Bewertung

Die Kurzgeschichte: Eine Form der Prosa, deren Merkmal durch Kürze gekennzeichnet ist. Oftmals steuert der Plot auf eine überraschende Pointe zu. 23 Geschichten dieser Gattungsart tummeln sich in »Diabolos MMXIV«. Gerade in den letzten Jahren gab es eine Schwemme dieser Veröffentlichungen. Mittlerweile sind die Anthologien wieder ein seltenerer Anblick geworden. Woran mag das liegen? Vielleicht dem geschuldet, dass stets die gleiche Riege deutscher Autoren ihren Beitrag beisteuerte? Ok, das ist unfair. Es hat Spaß gemacht die Stories zu lesen. Irgendwann kannte ich die Handschrift und die Luft war draußen. Das Niveau war meist hoch, auch wenn es natürlich hie und da einzelne Enttäuschungen gab. Aber der große Spannungseffekt war porös. Den Schreibstil meiner Lieblingsautoren kannte ich, Twists funktionierten nur noch halbwegs. Tja und nun habe ich erneut zugegriffen. »Diabolos MMXIV« vereint jedoch nicht nur die bekannten deutschen Stimmen des Horrors, sondern geizt nicht mit internationalen Namen. Ich muss sagen: Ich bin äußerst positiv überrascht! Der Grundtenor ist erwartungsgemäß der Horror: Dieser präsentiert sich so vielfältig wie selten. Ein Einschlag von Fantasy, eine Prise Ekel, ein Hauch von Science-Fiction - und jede Menge phantastischer Ideen. Drei der eindrucksvollsten Geschichten möchte ich vorstellen, um das Sabberwasser in euren Mündern zum Triefen zu bringen.

»Das Schlachthaus« von Mark Hodder vermischt »Büro«-Horror mit der Grausamkeit von Serienkillern und ein wenig Wahnsinn. Ein Büro, der Alltag eines Werbetexters, der kritikunfähige und egozentrische Mitarbeiter. Langsam schleicht sich der Wahnsinn ein, korrumpiert den Verstand und entlädt sich in einer Persönlichkeit, die tief in einem steckt. Die Story ist nicht nur unheimlich packend geschrieben, sondern führt den Irrsinn vor, der jeden Morgen im Büro auf wartet.

»Gelbe Zähne« von Adam Nevill verzichtet auf den beginnenden subtilen Horror, sondern fährt direkt das Grauen in Form von anfänglicher Faszination auf, bevor der Ekel vorgestellt wird. Geschickt stellt der Autor Prota- und Antagonist vor. Der Ich-Erzähler nimmt sich eines alten Freundes an. Bereits bei der wagen Vorstellung schleicht sich ein Unbehagen ein, das nicht weichen will. Kein Wunder: Der Freund ist verwahrlost, hat sich Ewigkeiten nicht gewaschen, stinkt zum Himmel und benimmt sich als würde die Wohnung ihm gehören. In seiner Machtlosigkeit weiß der Protagonist nicht mehr weiter. Währenddessen nehmen das Chaos und das Benehmen der nicht ganz geheuren Gestalt neue Ausmaße an. Ein Horror macht sich bemerkbar, der unerwartet und mit Schrecken kommt. Entfaltet hier gar ein lovecraft’scher Kult oder eine ähnlich abscheuliche Religion ihr finsteres Wesen?

»Body-Modification« von D. J. Franzen entfernt sich vom Horror, anfänglich. Sex, SM und andere körperliche Künste und Neigungen stehen zum Verkauf. Normal ist doof, das bringt kein Geld. Die russische Mafia zieht dem Erzähler und seinem Freund Jochen das Geld aus der Tasche. Um Sie bezahlen zu können, besucht der Protagonist einen Mann, der Body-Modifications vornimmt. Dieser hat ein ganz besonderes Angebot. Plötzlich verrutscht die bisher anrüchige Stimmung und Splatter und Blut nehmen den Platz ein. Aber nicht genug damit: Etwas viel Finsteres lauert im Tattoo, das den Körper der nackten Frau verziert.

Neben diesen drei hervorragenden Geschichten, dürft ihr, liebe Leser, euch auch auf phantastische, gruselige und blutige Ideen von Christopher Fowler, Craig DiLouie, Sören Prescher, Torsten Scheib und weiteren Autoren freuen. Keine der enthaltenen Geschichten enttäuscht. Die eine mag nicht ganz so gefallen, doch das gesamtheitliche Niveau ist hoch und die Ideen vielfältig.

Fazit

23 Geschichten bieten wunderbare Variationen des Genre Horror. 23 unterschiedliche Schreibstile entführen in die Gefilde des Horrors. 23 Ideen wollen schocken, verzaubern, anekeln, gruseln und nette Träume bescheren. »Diabolos MMXIV« bietet für jeden Geschmack etwas und vor allem eines: eine Schnupperstunde zum Kennenlernen neuer Autoren.

4 von 5 Punkten

Enthalten sind die Geschichten:
Saytchik - A. P. Glonn
Das Schlachthaus - Mark Hodder
Buhne 13 - Uwe Voehl
Mr. Goodneight - Kealan Patrick Burke
Das neue Leben - Michael Siefener
Schloss Makelstein - Christopher Fowler
Reingeschlichen - Christian Endres
Das Puppenhaus - Jonathan Green
Wer stirbt schon gern in Marokko - A. Gruber
Gelbe Zähne - Adam Nevill
Der Kondukt  - Tobias Bachmann
The End of the Road - Craig DiLouie
Die dreizehnte Nacht - Michael Dissieux
My Heart lies to you - Arthur Gordon Wolf
Narkoleptische Nebenwirkungen - S. Prescher
Das Sonogramm - Malte S. Sembten
Kopfgespenst - Rona Walter
Karins Weg zurück - Markus K. Korb
Zwischen den Tönen - George Mann
Nimmersatt - Lars Maria Maly
Unter Strom - Simon Clark
Hunger - Torsten Scheib
Body-Modification - D. J. Franzen

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