Donnerstag, 2. Juni 2016

Rezension: Der Dunkle Turm 8. Wind (Stephen King)

Heyne
Hardcover, 416 Seiten
ISBN: 978-3-453-26794-7
19,99 €

eBook, 8,99 €
ISBN: 978-3-641-08323-6


Ein kurzer Einblick

Roland Deschain und seine Gefährten werden auf dem Weg nach Donnerschlag von einem Stoßwind überrascht. In einer verlassen Hütte finden sie Zuflucht. Roland erzählt eine seiner Jugendgeschichten, in der er in Debaria grausame Morde aufklären muss. Ein Fellmann soll es gewesen sein. Ein Junge sah das Monster und überlebte nur mit Glück. Gemeinsam mit Jamie DeCurry geht Roland den blutigen Spuren nach.

Bewertung

»Wind« ist der achte Roman der »Dunkle Turm«-Reihe und zeitlich zwischen »Glas« und »Wolfsmond« einzuordnen. Roland uns sein Ka-Tet werden als Ausgangssituation genommen, um zwei weitere Geschichten zu erzählen. Roland, Oy, Jack, Susannah und Eddie suchen Zuflucht vor dem Stoßwind. Binnen Minuten fallen die Temperaturen ins Bodenlose. Roland nutzt die Zeit am Kaminfeuer, um den Gefährten eine Geschichte aus seiner Vergangenheit zu berichten.
Es ist wunderbar erneut dem Ka-Tet beiwohnen zu dürfen. Es ist erfreulich erneut in Mittwelt zu wandeln, trotz des Verfalls der Welt. Endlich gibt es eine neue Episode, ein neues Abenteuer der Revolverhelden - oh nein, stimmt ja gar nicht: Roland Deschain erzählt ein einstiges Geschehen. Da freut man sich, mit dem Ka-Tet zu reisen, da dient dies nur als Rahmen auf wenigen Seiten. Wahrlich schade, aber vielleicht taugt ja Rolands Erzählung etwas.

Roland und Jamie DeCurry werden nach Debaria geschickt, um den Berichten nachzugehen, die einen Fellmann gesichtet haben wollen. Ein Fellmann ist ein Gestaltwandler, ein blutrünstiges Monster, unter dem die Einwohner zu leiden haben. Die Gegend ist rau, trocken und unwirtlich. Ein Salzbergwerk liegt in der Nähe. Karge Ödnis und metallhaltige Winde zerren an den Gemütern. Das ist das Feeling, das ein »Dunkler Turm«-Roman besitzen sollte. Düster, vergänglich und doch voller Leben und Gefahren. Nur die Charaktere sind nicht ganz so ausgefeilt, so greifbar wie gewohnt. Vielleicht deshalb, weil King den jungen Roland erneut eine Geschichte, die umfangreichste des Romans, erzählen lässt?

Tim Ross wächst in einer Holzfällerfamilie auf. Sein Vater kam bei einem Drachenüberfall ums Leben. Jedenfalls gab das sein Stiefvater wieder, der als einziger lebend aus dem Wald entkam. Eines Tages kommt der Zöllner durch das Dorf, um die Steuern einzutreiben. Mit Tim hat er weitere Pläne. Heimlich bringt er ihn auf eine Fährte, die ihn das traute Heim verlassen lassen wird. Die Stimmung der Erzählung ist bedrückend, insgesamt aber sehr viel heiterer als andere Geschichten aus Mittwelt. Dunkle Magie, grüne Elfen, feuerspeiende Drachen, ein Tyger, Sumpfbewohner und allerlei andere Fantasyanleihen tummeln sich in den Worten. Ein paar Einstreuungen der technischen Errungenschaft der alten Welt dürfen natürlich nicht fehlen. Stephen King läuft erzählerisch wieder zu Höchstform auf, auch wenn die Atmosphäre der steten Gefahr, der Düsternis und der Hoffnung auf einem ausweglosen Weg einem märchenhaften Flair weichen muss. Erzählerisch ist »Der Wind durchs Schlüsselloch« die beste Story. Die Charakterisierung ist gewohnt tiefgreifend. Der Sog der ist Story einnehmend. Die Magie der Welt ist überzeugend.

Fazit

»Wind«, als Band 4.5 in der »Dunkle Turm«-Reihe einzuordnen, ist eine dreifach verschachtelte Geschichte. Gerade der Teil um Rolands Ka-Tet ist tragischerweise der überflüssigste Teil. Je tiefer Stephen King jedoch in die Erzählebenen eindringt, umso mehr will man nicht mehr aus Mittwelt entkommen. Insgesamt aber ist »Wind« weniger tiefgreifend und die Charaktere nicht ganz so ausgefeilt wie man es von den anderen Romanen der Reihe her gewohnt ist.

3 von 5 Punkten

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